Nationaler Konkurs Teil II
Byron King in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 20. September 2006 07:30 Uhr
ENL5454
Die frühe amerikanische Gesetzgebung knüpfte eng an die englische Gesetzgebung an. Daher waren Konkursprozesse schon in den ersten Tagen der amerikanischen Kolonialisierung verfügbar. Die Konkursprozesse und die Heilmittel folgten der Englischen Vorgabe und sie stammten aus den britischen maritimen Provinzen von Kanada über die Kolonie an der Bucht von Massachusetts bis zu den Siedlungen in Maryland. Die englischen Konkursverfahren breiteten sich überall dort aus, wo die englische Kolonialisierung den Weg bereitete. Der Staat Georgia wurde als eine „Schuldner-Kolonie“ gegründet, in die die englischen Kreditnehmer geschickt wurden, anstelle von den Schuldnergefängnissen in England.
Das Konzept der „Schuldknechtschaft“ wurde in den Kolonien eingerichtet, sowohl als Mittel, die englischen Gefängnisse zu leeren als auch um die neue Welt mit Arbeitskräften zu bevölkern. Die religiöse Natur vieler der frühen englischen Siedlungen lieferte eine offenkundige intellektuelle Grundlage, wenn nicht sogar eine moralische Rechtfertigung und eine ernste Warnung für das, was folgte. Eine Zeile die oft zitiert wurde, stammte aus den biblischen Sprüchen 22:7 – „Der Reiche hat die Armen in seiner Gewalt, der Schuldner ist seines Gläubigers Knecht.“
Die Schuldknechtschaft war ein Mittel, durch das der Schuldner seine Schulden durch körperliche Arbeit zugunsten des Kreditgebers abarbeiten konnte. Viele Einzelpersonen in England suchten nach einer Möglichkeit dem Gesellschaftssystem der Klassen und der rigiden wirtschaftlichen Einschränkungen zu entgehen und sie buchten die Überfahrt in die Neue Welt, in dem sie sich als Lohnsklaven verpflichteten, um die Fahrt bezahlen zu können. Dieses Konzept entwickelte sich bis zu einem Punkt, an dem die Kreditgeber diese Schuldnechte auf eine Weise verkauften und kauften, die an Sklavenbesitz erinnerte. Aber hier war nicht die Rasse die Grundlage, diese Form der Knechtschaft hatte ihren Ursprung in wirtschaftlichen Bedingungen und Schulden. Der Wert eines jeden dieser Knechte konnte auf einen Nettowert reduziert werden.
Im Amerika vor der Revolution wurde diese Schuldknechtschaft zu einem anerkannten legalen Hilfsmittel. Es gab ein gut ausgebildetes System mit dem Knechte, die ihrer Situation entfliehen wollten, gejagt, festgenommen und zurückgebracht wurden. Dieses System sollte später das Modell für die späteren Gesetze die flüchtige Sklaven betrafen, darstellen. Einer der berühmtesten Schuldknechte in der amerikanischen Geschichte war ein Mann namens Benjamin Franklin, dessen spätere Ansichten über die Vermeidung und Umgehung von Schulden sehr stark von dieser frühen Erfahrung mit der Schuldknechtschaft geprägt sind.
Es ist interessant, darüber zu spekulieren, was in den frühen Entdeckungen und Entwicklungen in Nordamerika passiert wäre, hätte Frankreich die gleiche Linie bei Konkursgesetzen und –verfahren verfolgt. Auch Frankreich hatte viele arme Leute und nicht wenige Schuldner, die ihren Kreditgebern eine ganze Menge Geld schuldeten. Aber anstatt eine nationale Politik aufzugreifen, die Armen und verschuldeten in die Neue Welt zu schicken, schickte Frankreich jesuitische Priester (und einige Entdecker und Händler) in seine Gebiete in Kanada.
Offenkundig mangelte es ihnen an der Einsicht über den Nutzen, den man aus Schuldknechten in den Kolonien in Übersee ziehen konnte und Frankreich behielt einen großen Teil der Klasse der Schuldner im Heimatland. Die französische Gesellschaft und die Gesetzesprozesses waren zufrieden, wenn man die Schuldner in die französische Entsprechung des Schuldnergefängnisses steckte. In vielen Fälle nutzten die französischen Vertreter diese „Knastschwemme“ und ließen sie für die Armee arbeiten, wo sie viele Kämpfe mit den französischen Nachbarn fochten.
Im 17. und 18. Jahrhundert schickte Großbritannien also seine Schuldner in die Neue Welt. Und Frankreich schickte Priester und einige Bärenjäger und Händler ... und auffallend wenige Frauen. Nach einem Jahrhundert derart abweichender Immigrationsmuster wurde Frankreich mit einer bevölkerungsreichen Gruppe von englisch sprechenden und aus Britannien kontrollierten Kolonien im Süden des eigenen Besitzes konfrontiert. Und schon 1750 breiteten sich die englisch sprechenden Kolonisten südlich der großen Seen nach Westen bis in die französischen Gebiete des Ohio River Valley aus.
Und so kam eine Zeit, in der die französischen Interessen in direkten Konflikt mit den sich ausdehnenden Kolonien und den demographischen Interessen Britanniens gerieten. Offene Kriegsführung brach danach zwischen Britannien und Frankreich im westlichen Pennsylvania aus (darin verwickelt war auch auf die ein oder andere Weise ein junger Mann namens George Washington). Die Franzosen gewannen Verbündete unter den Indianern und sie führten den Siebenjährigen Krieg (1756-1763). Dieser Krieg weitete sich von seinen Wurzeln in der Gegend der großen Seen über Ozeane und Kolonien überall in der Welt aus.
In einer bestimmten Phase des Kampfes in Nordamerika drängten die Franzosen und ihre indianischen Verbündeten die Briten bis östlich der Appalachen zurück, in das heutige York County in Pennsylvania. (In den nächsten zweihundert Jahren sollte das kollektive Gedächtnis der indianischen Greueltaten gegenüber den weißen Siedlern während dieses Krieges großes Gewicht bei den Denkprozessen der beiden Kolonien und der späteren US-Politik gegenüber den sonstigen Ureinwohnern haben. Aber das kann gerne ein andermal diskutiert werden.) Doch letzten Endes siegten Leistungspotential und Ressourcen der britischen Territorien über die Franzosen. Nicht wenige der ehemaligen Schuldknechte im kolonialen Amerika „kauften“ ihre Freiheit mit dem Dienst für die englische Krone in diesem siebenjährigen Krieg.
Der Siebenjährige Krieg setzte der territorialen Expansion der Franzosen in Kanada ein Ende und er hat alles, was die Franzosen auf ihrem Land westlich des Mississippi tun konnten, stark beschnitten. Mit Ende des Krieges wurde Kanada britisches Gebiet. In den späten 1770er und frühen 1780er Jahren versuchte die französische Monarchie einen Teil des Vorteils in Nordamerika zurück zu erlangen, indem sie die US-amerikanischen Revolutionäre unterstützte, die gegen die Briten kämpften. Berühmte Namen wie der Marquis de Lafayette und Comte de Rochambeau unterstützten die Amerikaner an Land. Und es war eine französische Flotte unter dem Comte de Grasse, die das Schicksal der Briten unter General Charles Cornwallis besiegelte, indem sie die britische Armee 1781 in Yorktown in eine Falle lockte.
Aber die Schlachten, die man für ein Imperium schlägt, sind teuer, selbst für einen französischen König. Bis Ende der 1780er Jahre musste die französische Führung eine Gesetzgebung zusammenbringen um Steuern zu erheben, die nötig wurden, die anderfalls nicht mehr zu begleichenden Schulden der französischen Nation zu bezahlen. Einmal einberufen, hatten die Gesetzgeber auch noch einige eigene Vorstellungen. Und die französische Monarchie, die keine Betätigungsmöglichkeit für die gewaltige Schuldnerklasse im Ausland gefunden hatte, stand letzten Endes vielen dieser verarmten Bürger in den Straßen von Paris während der französischen Revolution im Jahr 1789 gegenüber.
Die französische Revolution war die Ausgeburt der Notwendigkeit der französischen Regierung, das Problem der nationalen Schulden anzugehen. Diese Revolution ist wirklich ein Beispiel, das großgeschrieben werden muss, weil sich hier das römische Konzept des bancus ruptus zeigt, nur dass in diesem Fall die französische Bevölkerung das gesamte nationale System der Regierung und noch viel mehr zerschlug. Die nationalen Schulden Frankreichs waren das Ergebnis einer langen Reihe von Bemühungen durch die monarchische Regierung, das Imperium zu erlangen und zu halten. Doch die französischen Bemühungen ein Imperium zu erlangen und zu halten, umfassten keine nationale Verfahrensweise bei der eine große Zahl der armen Leute dieser Nation in weitentfernte Länder „exportiert“ wurden, wo sie etwas Hoffnung finden konnten oder zumindest anderen keine Probleme mehr machten.
Die französische Revolution verhalf Napoleon zum Aufstieg. Doch 1803 benötigte auch Napoleon dringend Geld und stand einer nicht zu verteidigenden Situation in Nordamerika gegenüber. Also verkaufte er die Gebiete Frankreichs in Louisiana an die jungen und aufstrebenden USA und seinen ehrgeizigen und vorausschauenden Präsidenten Jefferson. Der Preis für das Gebiet in Lousiana lag bei 3 Cent pro Morgen Land. Für Frankreich war das wirklich ein nationaler Konkursverkauf.