Nasdaq: Harter Markt
Lynn Carpenter in Investors Daily
vom 22. April 2003 18:00 Uhr
ENL5454
Letzte Woche schloss der Nasdaq-Composite vor der Osterpause auf einem 3-Monats-Hoch. Die Technologiebörse Nasdaq ist für mich ein Versuchslabor. Früher oder später wirkt sich das Fehlen von Qualität bei den Kursen aus.
Dass der Nasdaq von 5000 Punkten im März 2000 auf 1100 Punkte letzten Oktober gefallen ist, hätte konservative Investoren eigentlich nicht überraschen sollen. Aber solche Abstürze reinigen die Börse auch, und die stärkeren und besseren überleben. Es stimmt. Jetzt finde ich Dutzende Aktien an der Nasdaq, mit deren Bewertungen ich leben kann ...
Das ist ein angenehmer Wandel. Aber es gibt auch immer noch genug Ärger an der Nasdaq. Das Aufräumen geht weiter. In diesem Jahr haben 6 Gesellschaften die Nasdaq verlassen, um an die New York Stock Exchange (NYSE) zu wechseln. 54 Gesellschaften stehen vor dem Delisting. Und 115 ehemalige Nasdaq-Gesellschaften haben sich fast in Luft aufgelöst. Die meisten von ihnen werden noch im Freiverkehr gehandelt, aber einige gibt es überhaupt nicht mehr.
Die Delistings werden nicht durch Neuemissionen ausgeglichen. Im ersten Quartal gab es an der Nasdaq nur 5 Neuemissionen. Also nimmt die Zahl der an der Nasdaq notierten Unternehmen ab.
Aber das Geld wird nicht knapp ... im Gegenteil ... in den USA ist die Geldmenge M3 im letzten Jahr um 6 % gestiegen. Seit 1999 überschwemmt die Fed den Markt mit Liquidität. Und ein Teil dieser Liquidität ist an der Nasdaq gelandet.
Auch Vorstandsmitglieder – also Insider – kaufen wieder die Aktien ihrer Unternehmen. Das ist normalerweise ein gutes Zeichen. Wer weiß besser als die Unternehmenslenker, wenn es dem eigenen Unternehmen gut geht?
Aber die Nasdaq war immer ein rauer Markt.
Nehmen wir einmal die Gesellschaft "ImageX", eine Druckerei. Das Unternehmen hat 12 Millionen Dollar Bargeld in der Kasse. Ok, das ist nicht die Welt, aber die Marktkapitalisierung dieser Gesellschaft liegt bei nur 16 Millionen Dollar. Demnach sind 75 % der Marktkapitalisierung durch die Bargeldreserven abgedeckt. Die Insider haben 45 Millionen Aktien gekauft. Die Gesellschaft hat noch nie einen Gewinn erwirtschaftet und steht auch nicht davor. Die Umsätze fallen.
Ist es möglich, dass die Insider mehr wissen als andere, da sie kaufen? Wirt ImageX übernommen werden, zu einem Premium gegenüber dem aktuellen Aktienkurs? Ich würde nicht darauf wetten.
Insiderkäufe und hohe Cashbestände sind positiv zu bewerten. Aber das ist noch kein zwingender Grund für einen Kauf. Besonders an der Nasdaq muss man vorsichtig sein. Wenn man an der Nasdaq Insiderkäufen folgen will, dann muss man jede Menge über das Unternehmen wissen. Die meisten Unternehmen, deren Aktien in den letzten Wochen die meisten Insiderkäufe vorweisen konnten, erwirtschaften keine Gewinne.
Und die meisten dieser Gesellschaften haben jede Menge Bargeld. Noch. Denn Gesellschaften, die keine Gewinne, sondern Verluste erwirtschaften, verbrennen Bargeld. Und man kann nie zuviel Cash haben, wenn man Bargeld verbrennt.
Es gibt andererseits auch Gesellschaften, die einfach nur Bargeld haben, ohne es zu verbrennen. Aber sie nutzen es auch nicht produktiv. Sie sind reich und schön, aber richtig dumm. Und es gibt zahlreiche solcher Gesellschaften, die an der Nasdaq gelistet sind.
Es gibt in den USA 1205 börsennotierte Unternehmen, deren Cash-Bestände mindestens ein Drittel der Marktkapitalisierung erreichen. 904 dieser Unternehmen sind and der Nasdaq gelistet. Und fast die Hälfte dieser Gesellschaften erzielt weniger als die durchschnittlichen Gewinnmargen.
Große Bargeldbestände alleine ermöglichen einem keine besseren Gewinnmargen oder höhere Gewinne. Aber an der Nasdaq gibt es zu viele Unternehmer, die damit reich werden wollen, dass sie Aktien verkaufen, und nicht Produkte, die mit Gewinn verkauft werden könnten.
Ich gehöre nicht zu den Leuten, die sagen, dass wir an der Nasdaq immer noch eine Spekulationsblase haben. Aber es gibt genügend Gründe, die einen vorsichtig stimmen sollten.