Nasdaq 70 % über Tiefststand aus dem Jahr 2002
unserem Korrespondenten Eric Fry in Investors Daily
vom 22. September 2003 18:00 Uhr
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Weder der Hurrikane Isabel noch der Weggang von Richard Grasso, Chairman der New Yorker Börse, bereitete den Aktienmarkt-Investoren Sorge. Sie kauften gestern wieder fleißig Aktien, und da sie das schon seit Monaten tun, steht der Nasdaq-Composite jetzt satte 70 % über dem Tief vom letzten Jahr. Das ist das höchste Niveau seit März 2002. Zahlreiche Analysten gehen davon aus, dass das noch nicht das Ende der Fahnenstange war. So Volkmar Michler vom Börsenbrief "Cutting Edge", der das aktuelle Kursniveau des Nasdaq-Composite fast punktgenau prognostiziert hatte. Seine weitere Einschätzung: Selbst nach dem heutigen Kursverlust bleibt der Aufwärtstrendkanal intakt, wenn die Marke von 1.750 Punkten hält. Sollte das der Fall sein, kann der Index schnell wieder bis 1.880 Zähler laufen, danach wären dann 1.950 Punkte drin. Alles innerhalb der nächsten zwei Wochen. Nun, wir werden sehen. In der Vergangenheit lag Herr Michler jedenfalls ziemlich gut mit seinen Prognosen.
Es gibt in den USA zahlreiche Spekulationsblasen – kurz "Blasen". So zum Beispiel die "Hypotheken-Blase", die "US-Dollar-Blase", und natürlich die "einseitige-amerikanische- militärische-Aktionen-gegen-angebliche-Terroristen-Nationen"-Blase. Dann gibt es auch am gesamtwirtschaftlichen Himmel zahlreiche schwarze Löcher: Spekulationsblasen aus frühren Epochen die eine Zeitlang brillant schienen, bevor sie dann wie eine Supernova verglühten – und das berüchtigtste Beispiel dafür war die Nasdaq-Jahr–2000-Spekulationsblase.
Vor kurzem haben ein paar Amateur-Astronomen verkündet, dass sie ein neues Licht am Himmel entdeckt haben: die sogenannte "China-Blase". Ist das eine Blase oder nicht? Niemand kann das mit Sicherheit sagen. Vielleicht ist das auch nur ein hochfliegendes Überwachungsflugzeug oder ein niedrig fliegendes UFO. Aber es besitzt Charakteristika, die für eine Blase typisch sind. Allerdings ist diese China-Blase – wenn sie denn eine ist – in meinem New Yorker Büro kaum sichtbar. Vielleicht ist das deshalb, weil das Leuchten der finanziellen Exzesse in dieser Stadt es schwer macht, entferntere Lichter zu sehen. Verglichen mit den spektakulären Blasen der US-Finanmärkte ist die China-Blase (so sie denn existiert) kaum erwähnenswert. Wenn der US-Hypothekenmarkt kollabiert oder der Aktienmarkt einbricht oder der Anleihenmarkt implodiert oder die irakischen Terroristen ihren Widerstand gegen die Annexion des Irak verlängern, dann wird der Dollar leiden ... und zwar stark. Den Dollar zu verkaufen, ist deshalb ein vernünftiger Schachzug, für alle Ländern, alle Märkte.
James Grant vom Grant's Interest Rate Observer schreibt: "Die Asiaten produzieren; die Amerikaner konsumieren. Die Asiaten verschiffen ihre Güter nach Osten; die Amerikaner schicken ihre Dollar nach Westen. Und dann passiert etwas noch Wundervolleres. Dieselben Dollar bewegen sich wieder nach Osten, wo sie dann in US-Staatsanleihen und US-Hypothekenbanken investiert werden (als ob die Dollar die USA nie verlassen hätten!) ..."
Von US-Kongressabgeordneten hört man: "Die unterbewertete chinesische Währung macht es für uns schwieriger, wettbewerbsfähige Güter zu Hause zu produzieren. Also wenn China den Yuan nicht selbst anpasst, dann werden wir ihn anpassen, indem wir ihre Produkte mit einem Zoll von 27 % belegen werden." Das ist die geopolitische Doktrin von Bush und Rumsfeld, angewandt auf die Devisenmärkte. Aber anstatt diesmal Nationen zu suchen und zu bestrafen, die Terroristen beherbergen, tritt der Kongress jetzt dafür ein, Nationen zu suchen und zu bestrafen, die Massenvernichtungs-Währungen haben.