Nasdaq 100: Wohin des Weges?
Andreas Wolf in DAX Daily
vom 29. Oktober 2009, 08:00 Uhr
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Nun ist es also endlich soweit, der zweite Teil des bis März vollzogenen Crashs kann starten, viele Aktienindizes, vor allem jene in den USA, brechen nach unten weg und geben Spekulationen Raum für der Tragödie zweiter Teil. Gemach, gemach- ganz so einfach ist es dann doch nicht. Aus der aktuellen Entwicklung lassen sich eine Vielzahl von Szenarien ableiten, bevor die Bären aber wieder längerfristig das Ruder in die Hand bekämen, müssten sie schon einige Wege zurück legen. Die aktuelle Situation hat in jedem Fall nichts crashartiges sondern darf zunächst als normale Reaktion auf eine außerordentlich intensive Gewinnstrecke interpretiert werden.
Auch wenn der Kursverfall aus dem Jahr 2008 an die schwere Börsenzeit der Weltwirtschaftskrise Anfang der Dreißiger Jahre erinnerte, so verzeichnete die folgende Erholungsrally seit Anfang März dieses Jahres rekordartige Zuwächse an den US-Märkten. Die Tendenz von institutionellen Investoren, diese Gewinne rechtzeitig abzuschöpfen, habe ich bereits in den vergangenen beiden Ausgaben thematisiert. Die Tatsache, dass es ausgerechnet der Technologieindex ist, der die höchsten Kursverluste hinnehmen muss, erklärt sich durch die sehr starken Kursgewinne der vergangenen sechs Monate. Immerhin 70 Prozent hätte jener Anleger erzielen können, der während der gesamten Rally-Phase bis in die vergangene Woche im Nasdaq 100 investiert geblieben wäre.
Angst vor einem schwachen Weihnachtsgeschäft
Fundamental gesehen erklärt die der aktuelle Abwärtsschwung schon mit dem Beginn der heißen Phase des US-Weihnachtsgeschäfts. Gerade der jüngste Rückgang des Verbrauchervertrauens bereitet den Investoren Sorge, denn das könnte ein Indiz für schwache Umsätze in der näheren Zukunft sein. Gewiss könnten die Umsätze auch im Technologiebereich trotz tendenziell günstiger Preise noch unter jenen im vergangenen Jahr liegen, denn die Arbeitslosenrate ist seither um knapp zwei Prozent gestiegen. Mehr kaufkräftige Konsumenten sind demnach erst einmal nicht in Sicht.
Andererseits vollzieht der Markt im Bezug auf diese Orientierungsmarke eine zu starke Korrektur, denn die Umsätze des Weihnachtsgeschäfts wirken nur kurz auf den Sektor. Darüberhinaus haben sich viele größere Konzerne wie Cisco, IBM oder Amazon im Hinblick auf die das künftige Geschäftsjahr deutlich optimistisch geäußert, ein Vergleich mit der Situation vor einem Jahr spricht da Bände. Der moderate Rückgang einiger Konjunkturindikatoren signalisiert hingegen keinen Rückfall in eine zweite Rezessionsphase, sondern reflektiert lediglich das Ende der schnell wirksamen kurzfristigen Konjunkturhilfen des Staates. Größere Infrastrukturprojekte, die sich auch in den Auftragsbüchern der Technologieunternehmen wiederfinden werden, dürften erst im nächsten Jahr verstärkt in Angriff genommen werden.
Nebenwerte bleiben interessant
Vor dem Hintergrund des Verschmelzungsprozesses von Internet und Mobiltelefonie bleiben gerade kleine Technologieschmieden für große Konzerne wie Google, Microsoft oder IBM interessant. Der Konsolidierungsprozess innerhalb der Branche ist in vollem Gange, Fusionen und Übernahmen bleiben ständige Begleiter des Silicon Valley. Die Individualisierung des Internet verspricht den Technologiekonzernen weiter steigende Einnahmen und bleibt damit auch unabdingbarer Bestandteil im Portfolio institutioneller Investoren.
Eine Krise wie sie die Automobilindustrie derzeit erlebt dürfte sich deshalb im sich rasch wandelnden Technologiesektor in den nächsten Jahren kaum entfalten. Ganz im Gegenteil, die laufende Konsolidierung werden die Investoren nutzen, um sich für die Fortsetzung des Aufschwungs im Jahr 2010 zu positionieren. Bis zum Allzeithoch bei 4.700 Punkten aus dem Jahr 2000 wird der Index zwar noch ein paar Jahre brauchen, neue Tiefststände sind allerdings kaum zu erwarten.
Nasdaq 100: Abstand zur 200-Tage-Linie zu extrem
Die wesentlichen Fakten wurden bereits eingangs genannt, deshalb ohne Umschweife zur Zukunft des Nasdaq 100. Der seit März gültige steile Aufwärtstrend wurde bereits Anfang Oktober nach unten durchbrochen. Während der Index allerdings einen weiteren Anstiegsversuch unternahm, fiel der Trendindikator MACD weiter zurück. Zwischen beiden Bezugsgrößen ergab sich eine Divergenz (Abweichung), die in der Regel zugunsten des Indikators aufgelöst wird.
Die laufende Abwärtswelle findet ihren nächsten Haltepunkt an der steigenden 50-Tage-Linie bei 1.685 Punkten sowie in Höhe eines Zwischentiefs von Ende September bei 1.656 Punkten. Richtig schwierig dürfte es für die Bullen aber erst wieder bei 1.633 Punkten werden, denn dort hat sich eine Unterstützungslinie aus mehreren Hochpunkten gebildet. Ein Unterschreiten dieser Unterstützung würde in jedem Fall größere Verluste einleiten, denn Kursverluste bis 1.500 Punkte wären dann kaum zu verhindern.
Noch fehlt es den Bären aber an einer schlüssigen Umkehrformation, die wenigstens mit zwei Topppunkten zu vollenden wäre, alternativ aber auch aus Schulter, Kopf und nochmal Schulter bestehen könnte. Ein Durchbruch der steigenden 200-Tage-Linie dürfte hingegen ziemlich unwahrscheinlich sein, spätestens hier würden die Bullen wieder Oberwasser gewinnen. Im Übrigen gilt ein Abstand des Kursniveaus von mehr als 20 Prozent zur 200-Tage-Linie fast immer als korrekturwürdig. Das Maximum von 23 Prozent wurde in den vergangenen Tagen erreicht. Ist der Abstand wieder auf ein erträgliches Maß (10 bis 12 Prozent) korrigiert worden, kann es weiter nach oben gehen.
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