Narreteien

Jochen Steffens in Investors Daily
vom


von Jochen Steffens

Bei manchen Kommentaren in den Medien möchte man wirklich die Möglichkeit haben Zwischenrufe zu tätigen. Zumindest ein fragendes "Hallo?" oder ein gepflegtes: "Hört, hört!".


Einer dieser Kommentare: Der Euro soll auf Jahressicht höchstens 1,28 Dollar erreichen! Hm, heute morgen haben wir bereits die 1,27 Dollar angekratzt und wir haben erst den 5. Januar – bleiben noch 360 Tage. Eine gewagte These. Mich sollte es wundern, wenn wir im Laufe des Jahres nicht die 1,31 Dollar sehen. Ich behaupte sogar, der Dollarverfall würde auch durch moderat steigende US-Zinsen nicht nachhaltig aufgehalten.

Auch sehr eigenartig war die Äußerungen des Gouverneurs der US-Notenbank Ben Bernanke, dass das Risiko einer Dollar-Krise gering bleibe. Er begründete seine Meinung damit, dass man nicht nur die Bewertung des Dollars im Vergleich zum Euro betrachten solle – dies führe zu Fehleinschätzungen. Wenn ich Herrn Bernanke richtig verstehe, behauptet er: Der Euro ist so stark, nicht der Dollar so schwach. Ich glaube, diese Äußerung brauche ich wirklich nicht zu kommentieren (Bill Bonner schreibt in seinem 2. Absatz auch noch etwas dazu).

Diese herrliche verdrehte Aussage muss man allerdings im Zusammenhang sehen. Bernanke versuchte damit, Investoren zu beruhigen – es wird schon zu keinem Dollar-Kollaps oder einer Inflation kommen.

Es geht schließlich darum, die Märkte bis zur Wahl im November stabil zu halten. Eine Inflation und die damit verbundene Notwendigkeit eine Anhebung der US-Zinsen könnte den Markt ins Trudeln bringen. Ängsten, die in diese Richtung gehen, muss frühzeitig entgegengetreten werden, wenn auch die Argumente etwas seltsam scheinen.

Doch die Ängste sind nicht unbegründet. Immerhin erklomm der ISM Index ein 20- Jahreshoch. Hintergrund war der Teil-Index für Auftragseingänge, der sogar ein 50- Jahreshoch erreichte. Sollte die Wirtschaft jetzt wirklich anfangen zu boomen, steigt damit die Inflationsgefahr dramatisch. Eine Inflation könnte nur durch eine Zinsanhebung eingedämmt oder gestoppt werden. Deswegen beeilten sich die Vertreter der amerikanischen Notenbank am Wochenende mitzuteilen, dass trotz vermehrter Anzeichen eines kräftigen Wirtschaftsaufschwungs eine baldige Zinssteigerung nicht dringlich sei. Diese Worte fanden die Ohren, die sie hören wollten. Vergessen scheint heute an den amerikanischen Indizes jede Zinsangst. Nur der Dax tat sich schwer, der starke Euro – Sie wissen schon ...

Diese Äußerungen der Fed bestärken mich in meiner Ansicht, dass der Dollar weiter geschwächt werden soll. Das wird natürlich auch den Euro weiter belasten. Mittlerweile meldet sich sogar das Ifo-Institut zu Wort und sieht die Gefährdungsgrenze für die deutsche Exportwirtschaft bei einem Euro von 1,30 Dollar erreicht (es geht hier offenbar nicht mehr um die kritische Marke, sondern um die gefährliche). Einige Analysten erwarten bereits, dass die EZB bei einem Euro/Dollarkurs von 1,30 intervenieren wird. Ich denke, die EZB wird am Donnerstag erst einmal "verbal" auf den hohen Euro reagieren. Vielleicht wird die Möglichkeit einer Zinssenkung erwägt oder sogar entgegen allgemeiner Ansicht eine Devisenmarkt-Intervention angedacht. Wie gesagt, im Moment noch als Ankündigung, nur um einmal vorzufühlen, wie und ob der Markt darauf reagiert.

Derweil sinken bereits wieder die ersten Wachstumsprognosen für Deutschland 2004 (Bisher lag der Konsens bei ca. 1,7 % bei einer Spanne zwischen 1,1 bis 2,4 %.). Als Gründe hierfür wird das Steuerreförmchen und eben der hohe Euro genannt. Es wird also wieder ein spannendes Jahr. Mal schauen wo das BIP-Wachstum diesmal Ende des Jahres landen wird.


Artikel bewerten
Durschnittliche Wertung:
0 Sterne
Wertungen:
0 insgesamt
Artikel weiterempfehlen
Kommentar abgeben

* = Pflichtfeld, bitte unbedingt ausfüllen

Kommentare Kommentar abgeben