Nahezu unlösbar ...
Martin Weiss in Investors Daily
vom 30. Mai 2005 18:00 Uhr
ENL5462
In der letzten Woche konnte der deutsche Leitindex ein neues Jahreshoch erklimmen. Am Freitag erreichte er mit 4453 Punkten gar ein neues Drei-Jahres-Hoch. Fürwahr, die aktuelle Entwicklung am deutschen Aktienmarkt ist schon sehr erstaunlich. Sicherlich mag die deutsche Politik mit der Ankündigung möglicher Neuwahlen zum Bundestag im Herbst die Kurse ein wenig angeschoben haben. Aber in der Regel haben politische Börsen immer kurze Beine, sprich, allzu große Hoffnung auf eine nachhaltige Besserung durch einen potentiellen Regierungswechsel sollte nicht gehegt werden. Die strukturelle Ausgangslage für das einstige Land des Wirtschaftswunders bleibt weiterhin extrem schwierig. Demographischer Wandel, zusehends globalisierte Märkte (speziell der Arbeitsmarkt) und absurd unsolide finanzierte öffentliche Haushalte bzw. Sozialkassen stellen jede Regierung vor nahezu unlösbare Aufgaben.
Langsam aber sicher wird immer klarer, dass vor dem Hintergrund dieser Rahmenbedingungen konventionelle Lösungen mehr denn je schwierig werden. Oder, drastischer formuliert, unmöglich sind. Sicherlich wird es immer wieder Phasen geben, in denen die Hoffnung auf eine nachhaltige konjunkturelle Besserung geweckt wird. Bekanntlich stirbt ja die Hoffnung immer zuletzt.
Aber – und das gilt es wahrlich herauszustellen – einen "normalen" Ausweg aus dem Teufelskreis demographischer Wandel, globalisierte Arbeitsmärkte und überschuldeter Staatsfinanzen wird und kann es nicht geben. Insofern mag diese Hoffnung zwar beruhigend wirken, bleibt aber leider trügerisch.
Zwischen "Hoffnung und Skepsis", so beschreibt auch die GfK in ihrem jüngsten Stellungnahme zum Konsumklima die Stimmung unter den deutschen Verbrauchern. Sehr auffällig ist, dass die Erwartungshaltung bzgl. der persönlichen Einkommensentwicklung deutlich rückläufig war. Insofern scheint das Bewusstsein immer größer zu werden, dass vor dem Hintergrund zusehends globaler werdender Arbeitsteilung Lohnerhöhungen immer mehr faktisch unmöglich werden. Oder anders formuliert, es schon ein Erfolg ist, die Löhne stabil zu halten.
Wenig hoffnungsvoll stimmt auch, dass auch unter den Unternehmern die Zuversicht schwindet. Zum vierten mal in Folge fiel das ifo-Geschäftsklima. Eine konjunkturelle Verbesserung sei in den nächsten Monaten nicht zu erwarten.
Apropos Reformen (Einschnitte), die Ratingagentur S&P prognostizierte jüngst, dass das Rating der Staatsanleihen Deutschlands, Frankreichs, Großbritanniens und der USA in den nächsten Jahrzehnten gar bis auf Ramsch-Niveau (junk) abgesenkt werden dürfte, sollten diese Länder keine einschneidenden Sozial-Reformen (Kürzungen) vornehmen. Andere Ökonomen bezeichnen die europäische Staatsverschuldung schon als Schneeball-System, an deren Ende letztlich die Enteignung der Sparer via Hyperinflation bzw. Einstellung des Schuldendienstes ansteht.
Insofern ist es schon fast grotesk, dass Anleger aktuell historisch niedrige Zinsen für langlaufende Anleihen dieser Staaten akzeptieren.
Wie dem auch immer sein mag, letztlich bleibt als eine der wenigen Alternativen, sich vor diesem Szenario auch durch ein gewisses Maß an physischem Gold zu schützen. Momentan ist dieses im historischen Vergleich (gerade im Vergleich zum Dow Jones bzw. zum Öl) weiterhin sehr preiswert. Insofern sind die aktuellen Preise für eine Feinunze nahezu lächerlich, gerade auch vor dem Hintergrund absurd niedriger Zinsen. Zwar mag Gold keinen Zinsertrag abwerfen, aber letztlich gibt es wohl kaum bessere Möglichkeiten des Vermögensschutzes. Gerade vor dem Hintergrund, dass es künftig vielleicht auch mal wieder eine moderne Form einer "goldgedeckten Währung" geben könnte ...
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