Naher Osten
Henrik Voigt in DAX Daily
vom 2. März 2011, 08:30 Uhr
ENL5454
die Ölpreisentwicklung könnte sich zum Dauerthema der nächsten Wochen an den Aktienmärkten entwickeln. Kurz zum neuesten Stand im Nahen Osten: In Libyen war es zu militärischen Auseinandersetzungen zwischen der Regierung und den Aufständischen gekommen. Dort sehen wir inzwischen Förderausfälle, die zu den achtgrößten in der Geschichte zählen (gleichwohl aber noch beherrschbar sind). Im Iran weiten sich die Proteste gegen die Staatsführung aus. Der saudi-arabische Aktienmarkt brach um 6,8% ein. Auch im Oman gab es heftige Proteste.
Ich finde es schon erstaunlich, dass ein Ölpreisanstieg von 35 auf 90 Dollar von Anfang 2009 bis Mitte 2010 von den Aktienmärkten quasi unentdeckt bleibt, während der Anstieg von 90 auf 100 Dollar im Februar gleich zur Panik führt. Nun kann man sicher argumentieren, dass damit ein kritisches Niveau für die Konjunktur erreicht ist und dass die zukünftige Preisentwicklung in den nächsten Wochen sehr unsicher ist. Fakt ist aber auch, dass wir ohne die verantwortungslos lockere Geldpolitik vor allem der US-Notenbank eine deutlich niedrigere Ausgangsbasis beim Ölpreis hätten und dieses kritische Niveau noch lange nicht sehen würden.
Fakt ist auch, dass sich in den letzten Monaten am Aktienmarkt sehr viel leichtsinniges und spekulatives Kapital angesammelt hat, was förmlich nach einer Korrektur schreit. Die Panikanfälligkeit der Märkte dürfte zum Großteil auf diesem Umstand beruhen. Der Optimismus hatte zuletzt neue historische Rekorde erreicht. Ich bin gespannt, was die westlichen Notenbanken im Falle eines weiteren drastischen Ölpreisanstiegs unternehmen wollen. Zinsen erhöhen geht nicht. Das würde die Konjunktur abwürgen. QE 3 würde die Inflation noch mehr anheizen. Ölspekulation per Gesetz eindämmen, wäre eine Möglichkeit der Regierungen und würde uns weiter in Richtung unfreie Märkte treiben (wie gehabt also).
Morgen nehme ich mir mal den Ölpreis aus charttechnischer Sicht vor. Mal sehen, wie weit es dort noch aufwärts gehen kann.
Hier verrate ich Ihnen, wann Sie wieder einsteigen können: