Nächster Angriff auf den Euro – was macht der Markt?
Cindy Bach in Insider Daily zum Thema Devisen & Devisenhandel
vom 16. Januar 2012, 14:30 Uhr
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der deutsche Aktienmarkt hat zum Start in die neue Börsenwoche mal wieder einiges zu verkraften. Wer gehofft hatte, die Euroschuldenkrise würde sich nun schrittweise, leise und ohne weitere Paukenschläge verabschieden, wurde enttäuscht.
Wer sonst, als eine US-Ratingagentur sorgte pünktlich zum Wochenende für eine neue Eskalationsstufe der Krise. Standard & Poors stuft neun Länder der Euro-Zone ab, darunter sogar Frankreich und Österreich. Aber mal ehrlich, führt das noch zur Eskalation? Sicher: Der Aktienmarkt reagiert. Bereits am Freitagnachmittag sorgte die Ankündigung einer Abstufung für einen kleinen DAX-Absacker auf 6.075 Punkte. Doch bereits heute können wir im frühen Handel die 6.150-Punkte-Marke wieder begrüßen. Panik und Eskalation sieht anders aus.
Natürlich ist dieses Vorgehen nicht ohne Wirkung. Vor allem bedeutet die Abstufung für die Euro-Zone, dass die Euro-Rettung kostenintensiver wird, vor allem für Deutschland, das als einziges Euro-Land von S&P noch mit einem stabilen Ausblick seiner Bonität bedacht ist. Dafür fällt Frankreich als gleichwertiger starker Partner im Euro-Rettungsfonds wohl aus. Wie viel teurer es nun tatsächlich wird, den Milliarden-Rettungsschirm zu finanzieren, ist noch unklar. Fakt ist, wenn diese unglaubliche Bürgschaft auf immer weniger tragfähigen Schultern liegt, dann werden die Zinsen dafür anständig steigen. Das dürfte nicht gerade für solidarische Freude beim deutschen Steuerzahler führen und auch nicht für Zuversicht bei all jenen Euro-Ländern, die einen harten Sparkurs eingeschlagen haben und nun trotzdem eine mit dem Stock verbraten bekommen haben.
Abstufungen sind "kein Drama"
Kritiker der US-Ratingagenturen sind sich spätestens jetzt einig, da ist eine anglo-amerikanische Verschwörung im Gange. Man will in den USA von der eigenen schlechten Haushaltsituation ablenken und der Euro ist da im Augenblick das "dankbarste" Opfer. Doch betrachtet man es mal nüchtern, dann ist diese Aktion vor allem eines: kein Drama. Das meint auch Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank. Er erklärt gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, dass ein "Double A"-Rating kein Drama sei, sondern Realität. Der Zusammenhang zwischen Rating-Urteilen und Finanzierungskosten der Staaten sei inzwischen sehr lose. Nach einer Herabstufung folge nicht notwendigerweise, dass die Staatsfinanzierung für Frankreich teurer werde.
Doch ein bitterer Nachgeschmack bleibt, vor allem für den französischen Ministerpräsidenten Nicolas Sarkozy. Der muss sich nämlich für seinen Wahlkampf um das Präsidentenamt etwas Neues einfallen lassen, sollte er sich denn endlich mal entscheiden, ob er überhaupt noch einmal kandidieren möchte oder nicht - das hält er sich nämlich bislang offen. Vielleicht wird er es sich jetzt sogar anders überlegen, denn bislang gingen die Spekulanten von einer garantierten Aufstellung aus. Sollte Sarkozy aber antreten, dann wird er sich wohl oder übel etwas anderes einfallen lassen, als die bislang geplante pure "Schulterklopferei" dafür, dass man in einer der größten Krisen Europas neben Deutschland zu den Stabilitätsträgern gehört. Das wird bestimmt noch "lustig"...
Ich wünsche Ihnen allen einen guten Start in die neue Börsenwoche.
Ihre
Cindy Bach
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Dr Klaus Landfried (16.01. 2012 18:42 Uhr):
Wer weiß, auf wie dünnen Beinchen die Bewertungen kreditierter Immobilien selbst bei deutschen Sparkassen stehen, wer weiß, wie sie zustande kommen, nicht zuletzt, um die Innenrevision zu erfreuen und den Schuldner zu zwiebeln, der wird durch amerikanische Rating-Agenturen (also Firmen, die damit ihr Geschäft machen) nicht mehr erschüttert. Rating und Raten liegen da nahe bei einander. Machmal gibts bei groben Fehltritten wie bei Lehman Brothers (schon vergessen..?) Fracksausen, dann aber gehts wieder fröhlich zur "gefühlten" Wissens-Rhetorik. Ich glaube denen schon deshalb wenig, weil ihre "Bekannten" mit so mancher Insider-Info ganz zufällig tolle Trades veranstalten. Und die "Leakers" bekommen in gebührendem Abstand auf höchst unverdächtige Weise ihre kickbacks. Oh ihr Gläubigen in die Serösität der Geldverleiher, Wechsler, Bewerter: werdet nüchtern. Vielleicht klärt auch einmal jemand den armen Wolffgang Schäuble auf. Der glaubt leider auch noch an "Fehler" oder "mangelnde" Sorgfalt bei der Würdigung der "Lage" durch die Rate-Buben. In einem aber hat S&P Recht: man darf nie nur auf die reine Staatsverschuldung sehen, man muss auch erkennen, ob ein System wie die EURO-Währungsunion überhaupt von den realwirtschaftlichen Daten her funktionieren kann. Das mag aber bei uns keiner aus politischen Gründen erkennen. Wie sagte Mutter Angela so streng? "Fällt der EURO, fällt die EU, fällt Europa." Nur die sinnlose Utopie einer gleichmacherischen, von Brüssels Vorschriften-Mafia regierten EUDSSR, sorry: einer europäischen Fiskal- Klima- und Sozialunion, die würde in der Tat fallen. Dass diese freiheitsfeindliche Utopie falle, gehört zu meinem täglichen Nachtgebet. Vive de Gaulle!
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