Nächste DAX-Revision steht bevor
Andreas Wolf in DAX Daily zum Thema Dax 30
vom 18. Februar 2009, 08:00 Uhr
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Liebe DaxDaily Leser,
während es in Hausse-Phasen selten zu umfangreicheren Veränderungen in den Aktienindizes kommt, erzwingen Kursverfall und abnehmende Marktkapitalisierung einzelner Titel in Baisse-Phasen häufig die Zusammensetzung aller Standardwerte-Indizes. In Sachen DAX steht diese Revision in der ersten Märzwoche (4. März) an. Der Arbeitskreis Aktienindizes entscheidet an vier festgelegten Terminen im Jahr (dem jeweils dritten Handelstag im März, Juni, September und Dezember) über die aktuelle Zusammensetzung von DAX, MDAX, TecDAX und SDAX. Nach den bisherigen Regeln wurde der DAX jeweils im September, MDAX und TecDAX im März und September angepasst. Für den SDAX war eine quartalsweise Überprüfung vorgesehen. Die durch die VW-Aktie im vergangenen Herbst hervorgerufenen erheblichen Verwerfungen in der DAX-Gewichtung haben die Deutsche Börse allerdings dazu bewogen, diese Vorgehensweise etwas zu flexibilisieren. Die sogenannte „Fast Entry-Regel", nach der ein außerplanmäßiger Auf- und Abstieg von Einzeltiteln dann möglich ist, wenn er nicht innerhalb der vergangenen drei Monate erfolgt ist, soll nun grundsätzlich jederzeit Anwendung finden können. Das heißt, verschieben sich die Gewichte im DAX durch unnatürliche Kursbewegungen zu stark zugunsten einer Aktie, kann dies durch den Arbeitskreis Aktienindizes umgehend durch einen Anpassung korrigiert werden.
Chart der FMC-Aktie
Infineon und Postbank gefährdet
Bei der „Fast-Entry-Regel" muss der entsprechende Aufstiegsanwärter aus dem MDAX bei der Börsenkapitalsierung und dem Marktumsatz mindestens unter den ersten 40 Unternehmen liegen. Ein Aufstieg in den DAX ist dann sofort möglich, verläuft aber nicht automatisch. Noch günstiger für den Aufsteiger gestaltet sich die Sachlage aber, wenn es zugleich mindestens einen Abstiegskandidaten gibt. Das ist dann der Fall, wenn ein Unternehmen nicht mehr den Index-Anforderungen entspricht. Besonderes Augenmerk wird dabei auf den Streubesitz der Aktien gelegt. Fällt der Streubesitzanteil unter fünf Prozent, muss ein Index-Mitglied in der Regel umgehend aus dem Index ausgeschlossen werden. Weitere Kriterien für die Zugehörigkeit zu dem jeweiligen Index sind, wie schon erwähnt, die Marktkapitalisierung der vergangenen 20 Handelstage und der Börsenumsatz der vergangenen 12 Monate. Abstiegsfavorit ist demnach das Papier von Infineon, die mit Platz 61 schon weit von den „guten" Plätzen entfernt ist und deshalb so gut wie sicher den DAX verlassen muss. Größeres Gefährdungspotential besteht auch für die Aktie der Postbank. Der aktuelle Kursrutsch verringert die ohnehin niedrige Marktkapitalisierung des Titels weiter, die Bewertung des Unternehmens liegt bei nur noch knapp 2 Milliarden Euro. Das reicht nur noch für Platz 51 in der Börsenbewertung aller deutscher Aktien und liegt damit jenseits von Rang 45, der als kritische Messlatte gilt.
Fresenius und Gea mit guten Chancen
Des einen Freud ist des anderen Leid. Als relativer sicherer Aufsteiger aus dem MDAX gilt die Aktie von Fresenius. Während die Aktie bei der Marktkapitalsierung Platz 25 einnimmt, rangiert es bei den Börsenumsätzen auf Platz 37. Sollte die Postbank Anfang März tatsächlich ihren Platz im DAX räumen müssen, stehen mit Gea und Qiagen bereits zwei Anwärter zum Aufstieg bereit. Der Maschinenanlagenbauer Gea dürfte dabei die Nase leicht vorne haben, weil die Aktie deutlich höhere Börsenumsätze aufweist als das Biotechnologieunternehmen Qiagen. Die höhere Marktkapitalsierung gegenüber Gea hilft der Aktie nur bedingt, denn sie fällt im direkten Vergleich nicht so deutlich aus, dass es für einen Aufstieg reichen wird. Weitere Kandidaten auf Abruf sind Bilfinger+ Berger, Hochtief, Q-Cells und Celesio. Die nicht gerade geringen Marktschwankungen könnten diese Rangordnung aber durchaus nochmal durcheinander wirbeln. Definitiv entschieden wird erst am 4.März.
