Nachtrag zur Fed-Sitzung
unserem Korrespondenten Addison Wiggin an der amerikanischen Ostküste in Investors Daily
vom 05. Mai 2004 18:00 Uhr
ENL5454
Jeder Trader, Analyst oder Investor, der sein Gewicht in Salz wert ist, weiß, dass gestern eine Fed-Sitzung war. Und wie wir mittlerweile wissen, hat die Fed die Zinsen unverändert gelassen. Alles andere wäre auch eine Überraschung gewesen. Ich möchte Ihnen die Stimmung wiedergeben, die hier vor Ort kurz vor der Pressekonferenz bestand:
"Niemand rechnet damit, dass die amerikanische Zentralbank bei ihrer Sitzung am Dienstag die Zinsen erhöhen wird", so Reuters, "aber Fed-Beobachter sagten, dass das Statement nach dem Treffen die jüngsten starken wirtschaftlichen Zahlen würdigen sollte und der Fed freie Hand für mögliche Handlungen geben sollte ... Volkswirte sind zunehmend davon überzeugt, dass die Wirtschaftserholung nachhaltig ist – die letzten drei Quartal haben das stärkste Wirtschaftswachstum seit 20 Jahren gesehen – und einige denken, dass die Fed riskiert, zu spät zu wenig zu tun, um eine Inflation abzuwenden."
Aber was wäre, wenn wir einfach einen Moment spekulieren würden, liebe(r) Leser(in), was passieren würde, wenn die Fed die Zinsen gestern erhöht hätte? Ich habe meinen Lieblings-Analysten Dan Denning angerufen und ihn um seine Meinung gefragt. Seine Antwort: "Jetzt die Zinsen erhöhen? Vor den neuesten Zahlen zum US-Arbeitsmarkt? Das wäre ein vollkommenes Desaster. Niemand würde voraussagen können, das dann passieren könnte. Die Fed muss es langsam angehen, erst alles vorbereiten, bevor sie handelt. Eine Zinserhöhung hätte den Beigeschmack einer Verzweiflungstat gehabt. Und nebenbei – die durch Schulden gestützten Konsumausgaben wären tot umgefallen. Und auch die Auswirkungen auf den Immobilien-Bullenmarkt wären nicht schön gewesen ..."
Wo wir gerade vom Bullenmarkt am Immobilienmarkt sprechen ... es ist schwer, bei diesem Markt nicht von einem Bullenmarkt zu sprechen. Jeder, der ein Haus gekauft hat, fühlt sich reich und clever. Jetzt wollen sie weitere Häuser kaufen, und es gibt keinen Mangel an Banken und Pseudo-Banken, die Kredite bereitstellen. Aber ein Zinsanstieg – und sei es nur ein kleiner Zinsanstieg – würde starke Konsequenzen haben. Zwangsversteigerungen, kollabierende Aktienkurse, kollabierende Anleihenkurse ... vielleicht sogar den Zusammenbruch von Banken.
Kenneth Barry schreibt bei Reuters: "Die Konsumausgaben, die eine große Stütze für die Kursgewinne am Aktienmarkt waren, könnten in den kommenden Monaten schwächeln, was die Frage aufkommen lässt, woher die Wirtschaft und die Aktien zukünftige Stärke beziehen können. Die Konsumausgaben, die für 70 % der amerikanischen wirtschaftlichen Aktivität verantwortlich sind, haben von fiskalischen Stimulierungen wie Steuersenkungen und leichten Krediten, die von der Fed begünstigt wurden, profitiert. Aber die Wirkung dieser Stimulierungen läuft jetzt größtenteils aus."
Übrigens ist der Dollar leicht gefallen, Gold und Silber dafür moderat gestiegen.
Und der ISM-Index (Produktion) für April fügte dem schon bewölkten Ausblick weitere Wolken hinzu. Der Wert für April blieb ziemlich konstant, bei 62,4 Punkten (nach 62,5 Zählern im März). Mit "bewölktem Ausblick" meine ich die Aussicht auf eine Zinserhöhung. Denn bei diesem Index sprechen Werte von über 50 für Wachstum im produzierenden Gewerbe. Und der Wert liegt jetzt seit 6 Monaten in Folge bei über 60, und nur knapp unter dem Wert vom Januar, der mit 63,6 Punkten der höchste Wert seit 2 Jahrzehnten gewesen war. Dieser Bericht spricht also tendenziell für steigende Zinsen. Auch, wenn die Fed die Leitzinsen gestern unverändert gelassen hat. Hmmm ...