Nachtrag: Investmentregeln & Money Management
Alexander Hahn, Investoren Wissen vom 22.07.2010 16:00
ENL5292
die Medien sind zur Zeit mal wieder voll von Stoff, aus dem man einen entsprechenden Kommentar machen könnte. Sei es der "Selbstmord" einer Berliner Jugendrichterin, die Kapitulation des Staates vor 11-jährigen Drogendealern oder kriminellen Jugendlichen oder die große "Amtsmüdigkeit" diverser Politiker in der BRD, es ist für jeden Geschmack etwas dabei.
Wenden wir uns stattdessen heute lieber handwerklicheren Dingen zu.
Vorgestern schrieb ich Ihnen fünf Investmentregeln, die ich für sehr wichtig halte.
Daraufhin erreichten mich einige Rückfragen zum Thema Money Management. Stellvertretend gebe ich hier ein Feedback zum Artikel wieder, was aus meiner Sicht genau die richtigen Fragen stellt:
Hallo Herr Hahn, danke für diese gute Zusammenstellung. So, oder so ähnlich haben Sie ja schon häufiger Hinweise gegeben. Ich habe allerdings etwas Probleme mit dem Money Management. Es ist zwar klar, dass man bei engen Stopp-Loss-Werten die Verluste deutlich begrenzen kann. Aber dies hat auch zur Folge, dass man bei einem volatilen Markt häufiger ausgestoppt wird, so dass bei mehreren Positionen in Summe der Verlust doch größer wird. Gibt es für diese Situation eine Strategie? Macht es Sinn, den Spread zum Stopp Loss zu variieren, ob man noch in der Verlustzone oder schon in der Gewinnzone ist? Sollte man ein Depot ohnehin erst Zug um Zug aufbauen, wenn man bereits einige Werte in der Gewinnzone hat? Vielleicht könnten Sie diese Gedanken noch etwas vertiefen.
Sehr gute Fragen, die der Leser hier stellt!
Gehen wir die Sache Stück für Stück durch:
Es ist zwar klar, dass man bei engen Stopp-Loss-Werten die Verluste deutlich begrenzen kann. Aber dies hat auch zur Folge, dass man bei einem volatilen Markt häufiger ausgestoppt wird. Gibt es für diese Situation eine Strategie?
Ja und nein. Natürlich führt eine erhöhte Volatilität dazu, dass man leichter ausgestoppt wird, aber so einfach und allgemein ist es nicht, denn es hängt von der genauen Trade-Situation ab bzw. wie stark Ihr Stopp ist (gerne wird hier auch in Fachkreisen der Ausdruck "Trade Fencing", sinngemäß einen Zaun um den Trade bauen, immer mal wieder benutzt).
Nehmen wir das einfachste Beispiel, ein willkürlich gesetzter prozentualer Stopp. Die Chancen, das ich hier aus dem Trade geworfen werde, sind extrem hoch, wenn es keine charttechnische Marke gibt, welche dem Stopp eine gewisse Berechtigung verleiht.
Trade Fencing ist im Grunde nichts anderes als die Kunst, seinen Trade so auszuwählen, dass das Risiko, dass der Stopp getroffen wird, minimal ist. Hier liegt dann auch die Herausforderung im Trading!
Wenn es gelingt, regelmäßig Trades zu finden, die z.B. kurz vor einem Ausbruch stehen, aber gleichzeitig einen sehr engen, bombenfesten Stopp Loss haben, spielt man in der Königsklasse als Trader. Es hängt natürlich auch vom Handelsstil ab, wie der eigene Stop Loss gesetzt wird, daher kann man auch das nicht ganz so einfach verallgemeinern.
Wenn man also Trade Fencing betreiben möchte, würde man versuchen seinen Trade so auszuwählen, dass Sie möglichst viele Hindernisse zwischen Ihrem Einstieg haben und dem Stop Loss. Das können starke charttechnische Unterstützungen sein, (exponentielle) Gleitschnitte, die in der Vergangenheit als Widerstand dienten, Fibonacci-Zonen, Swing-Punkte, Bollinger Bänder, und sehr vieles mehr. Der grundsätzliche Gedanke bei all diesen Methoden ist es jedoch, einen möglichst festen "Zaun" zwischen Einstieg und Stopp zu haben. Natürlich kann der Stopp dann trotzdem noch gerissen werden, aber Trading ist ein Wahrscheinlichkeitenspiel. Es geht also darum, seine Chancen zu steigern. Absolute Sicherheit gibt es hier nicht.
Macht es Sinn, den Spread zum Stopp Loss zu variieren, ob man noch in der Verlustzone oder schon in der Gewinnzone ist?
Es gibt hier natürlich verschiedene Ansichten und Stile. Ich würde es eher so handhaben, dass ich den Stop Loss ausschließlich von der Chart- und Indikatorsituation abhängig machen würde. Von der Performance her würde ich nur in speziellen Einzelfällen an die Sache herangehen.
Sollte man ein Depot ohnehin erst Zug um Zug aufbauen, wenn man bereits einige Werte in der Gewinnzone hat?
Das kann man natürlich so tun. Der Vorteil ist dabei, dass man sein Maximalrisiko stets gut unter Kontrolle hat und sauber managen kann. Nachteilig wäre eine derartige Herangehensweise jedoch bei Handelsansätzen, die nur wenige Einstiegssignale im Jahr liefern. Da würde es dann gelten abzuwägen, was mehr Sinn macht bzw. sich besser mit Ihrem Handelsstil verträgt.
Beste Grüße
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