Nachteile des Internets
unserem Korrespondenten Bill Bonner in Investors Daily
vom 13. September 2004 18:00 Uhr
ENL5454
Das Internet hat nicht nur Vorteile gebracht. Ein Rückblick auf die Entwicklung der letzten Jahre zeigt:
Die technologische Entwicklung machte Fortschritte, die modernen Kommunikationsmittel ermöglichten es den Menschen zusehends, ein Gefühl des gemeinschaftlichen Handelns und Denkens zu entwickeln. Ideen verbreiteten sich schnell, man könnte sagen sofort, so dass jemand, der in Timbuktu CNN schaute, in direktem Kontakt stand mit weltweiten Ereignissen. Fernsehen, Radio, Zeitungen und Magazine – all diese Medien prägten das Denken der Öffentlichkeit mit, sie halfen sogar sicherzustellen, dass alle zur gleichen Zeit mehr oder weniger das gleiche dachten.
Die Sendungen, die die Geschäfte der Wall Street seit Anfang der neunziger Jahre in zunehmendem Maße in die Haushalte trugen, sorgten z.B. dafür, dass der Aktienmarkt immer stärker und oft mit übertriebenen Verheißungen in das öffentliche Bewusstsein rückte. Ohne das Büro oder gar das Bett verlassen zu müssen, konnte ein Investor sich dem heiligen Schauer des Handels hingeben, als ob er sich auf dem Börsenparkett selbst befunden hätte.
Der große Verdienst des Internet war, dass es den Menschen erlaubte, sich einzurühren in den großen Topf, der gefüllt war, mit den Gedanken und Gefühlen einer öffentlichen Masse ... und diese geschmacklich auch beeinflussen zu können. Mitte der Neunziger waren Tausende davon überzeugt, dass man mit dem täglichen Aktienhandel von ihren Arbeits- oder Heimcomputern aus reich werden könne. Der Service des 24-Stunden-Chat erlaubte es den Menschen, egal von welchem Punkt der Erde aus, an den haarsträubendsten Hetzkampagnen teilzunehmen. Sie konnten sich aufregen über die Monika Lewinsky Affäre, über Enron oder über irgendetwas anderes und fühlten sich dabei, als befänden sie sich persönlich in den Tuilerien während der Französischen Revolution. Sie konnten sich dem Mob anschließen, ohne das Haus zu verlassen!
Weit hallte das Wort vom Internet, das die Menschen schlauer machen würde, weil es beinahe ungehemmten Zugang zu Informationen gewähre. Was es wirklich bewirkte war, dass sich der Mensch zusehends im Gleichklang der Masse bewegte – denn plötzlich wurden seine eigenen ganz persönlichen Gedanken im Internetuniversum zu Mikroteilchen pulverisiert. Der Einzelne hätte seine ganz persönlichen Erfahrungen, ob nun gute oder schlechte, mit dem Internet gemacht. Doch einmal angeschlossen, verzichtete er, überwältigt vom Gefühl der kollektiven Empfindung, auf die Verfertigung seiner Gedanken aufgrund des eigenen Erfahrungsschatzes. Doch hat man erst einmal den Gesang der Sirenen gehört, ist es schwer, ihm zu widerstehen, egal wie misstönend er in Wirklichkeit sein mag.