Nachteil einer auf Konsum basierten Volkswirtschaft
Bill Bonner in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 7. Februar 2012, 07:30 Uhr
ENL5454
Europa ist in letzter Zeit relativ oft in den Nachrichten. Und immer wenn Europa in den Nachrichten ist, dann geht es um schlechte Nachrichten. Und die Ideen hinter den Schlagzeilen sind absurd. Es ist bemerkenswert, wie viele solche Schlagzeilen die Presse an einem einzigen Tag herausbringen kann.
Zwischenzeitlich sah es so aus, als ob Portugal den Weg der Griechen gehen würde. Und dann haben die Griechen selber immer noch Probleme, sich mit ihren Gläubigern zu einigen. Trotz langer Verhandlungen, bailouts, Rettungsplänen. Bloomberg dazu:
Ein Stillstand zwischen den europäischen Politikern und den Besitzern griechischer Anleihen in Bezug auf einen Schuldenverzicht erhöhte die Bedenken, dass sich die europäische Kreditkrise ausbreiten würde.
Die Finanzminister sind dagegen, mehr öffentliche Gelder nach Griechenland zu geben, und fordern die Besitzer griechischer Anleihen auf, einem größeren Schuldenschnitt zuzustimmen. Der IWF hat seine Wachstumsprognose für Europa gesenkt und prognostiziert nun, dass Europa in eine Rezession fällt. Und für China und Indien wird eine Abkühlung des Wachstums prognostiziert.
"Die griechische Schuldenkrise lastet auf dem Markt", so John Kilduff, Partner bei Again Capital LLC, einem New Yorker Hedgefonds, der sich auf Energie konzentriert. "Die Warnung des IWF hat jeden wirtschaftlichen Optimismus genommen."
Im Herzen der Nervosität des Marktes war das, was Bloomberg "Nachfrageängste" nennt. Soweit ich das sehe, ist "Nachfrageangst" die Sorge, dass es nicht genug Leute gibt, die Dinge kaufen wollen und auch das Geld haben, um dafür zu bezahlen.
Warum sollte man nicht zufrieden sein mit der Nachfrage, die da ist? Warum sollte man nicht die Entscheidungen von willigen und fähigen Konsumenten akzeptieren, sie wissen doch selber am besten, was sie brauchen und wieviel davon sie sich leisten können? Warum ist es so wichtig, dass sie mehr kaufen, als sie brauchen?
Weil es sonst zu einer neuen Weltwirtschaftskrise führen würde, sagt Christine Lagarde.
Das sagte die Vorsitzende des IWF. Die Washington Post dazu: IWF-Direktorin Christine Lagarde warnte davor, dass für die Weltwirtschaft ein "1930er Gefühl" kommen würde, wenn Europa nicht seine Finanzprobleme löst. Sie sagte auch, dass Deutschland mehr Geld für Rettungsbemühungen bereitstellen müsse, wenn ein Desaster vermieden werden solle.
Ohne solche zusätzlichen Mittel, so Lagarde, könnten wir leicht in eine Krise wie in den 1930ern schlittern. Dies könnte zu einer Abwärtsspirale führen, welche die gesamte Welt ergreifen könnte.
Zum ersten Teil von: Poker um Griechenland
Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Monetenmann (07.02. 2012 11:36 Uhr):
Leider nicht zu Ende gedacht: Immer mehr Gelder bereitstellen zum Retten. Wird da wirklich was "gerettet"? Oder wird nur "kaschiert"? Was kommt nach den Rettungen? Wie lange sollen diese anhalten? Was soll die große Wende bringen, dass die Rettungsinfusionen plötzlich nicht mehr notwendig sind? Wurde die Ursachen der Krise angegangen, um eine Wiederholung zu verhindern? GOLD selbst unter einem politisch fixierten und manipulierten Preis ist 1 Million mal glaubwürdiger als diese Witzfiguren mit ihren seichten Konzepten.
Antworten - Kommentar von Manfred (07.02. 2012 20:01 Uhr):
"Nachfrageängste", ein schönes Wort um die Bedürfnisbefriedigung der Einen und die Unfähigkeit zum Konsum mangels finanzieller Mittel der Anderen zu beschreiben. Dabei wäre es kar kein Problem die Nachfrage zu stabilisieren. Gesicherte Arbeitsverhältnisse (keine befristeten Arbeitsverhältnisse und gerechte Be- zahlung von Leih- und Zeitarbeit) würde das Problem verkleinern. Außerdem besteht auch dann eher die Bereitschaft zur Anschaffung langlebiger Kosumgütern auf Kredit.. Ein unnötiger Konsum für den, der schon alles hat, ist eine Verschwendung von Resourcen.
Antworten - Kommentar von Laufer (07.02. 2012 20:09 Uhr):
IWF Chefin löst das 1930er Problem auch nicht! Der Bedarf von 130 Mrd. € Griechenlands ist ja nicht dadurch gegeben, daß sein Volk sonst verhungern müßte. Nein, sie brauchen das, um ihre Schulden und Zinsen bei internationalen Banken bezahlen zu können! Wir deutschen Steuerzahler sind aber nicht verpflichtet, Bankgeschäfte zu begleichen. Sollen diese spekulativen Banken eben Verluste machen. Und einige auch pleite gehen! Ich befürchte nur, unsere sogenannten "Politiker" sind mit ihren Landesban- ken und sonstigen Spekulationen selbst beteiligt - und können deshalb die Banken nicht pleite gehen lassen. Es würde mich aber keineswegs stören, Bilder wie aus den 30er Jahren zu sehen: Wo sich Pleitisten der Großbanken aus den Fenstern in New York stürzten!"
Antworten - Kommentar von Albert Karl (07.02. 2012 21:22 Uhr):
Die Nachfrageängste sind natürlich gegenwärtig solange die europäische Schuldenkrise gegenwärtig ist. Die Politik schien lange zeit ratlos, und das seit Beginn der Krise vor nunmehr fast drei Jahren. Die europäischen Banken und Euro-Staaten werden zwar gerettet - die Rettungsaktionen muteten allerdings an wie Schnellschüsse: Beispielsweise eine einmalige Rettung, dann ein Rettungsschirm, und noch ein ESM und dann wieder weitere Aufstockungen. Zurückliegend hat es immer wieder geheissen: Wir müssen die Gemeinschaftswährung retten. Und deswegen auch die Schuldenstaaten. Es wurde nicht nach dem "ob" gefragt, sondern nur noch nach dem "wie". Und hier scheiden sich eben die Geister. Der einzige Weg unserer Bundeskanzlerin: Alternativlos - um am Ende dann doch noch Alternativen gefunden zu haben, wenn es eng wurde. Was nun wieder Griechenland angeht, sage ich: "Erst wankt die Währung, dann die Demokratie"! Will heissen, dass ein Sozialstaat ohne gerechte Lastenverteilung nicht funktioniert. Und deshalb ist auch die soziale Verantwortung der Superreichen in Griechenland gefordert, die schon längst ihre Millionen und Abermillionen in die Schweiz transferiert haben. Hier sind Steuererhöhungen und höhere Sozialabgaben für finanziell Bessergestellte gefordert. Denn auch wenn eigener Profit eine angenehme Sache ist, haben manche schwerreiche Bürger erkannt, dass ein Sozialstaat ohne gerechte Lastenverteilung nicht funktioniert. Prozentual betrachtet werden gerade die Superreichen in Griechenland gerade mal halb so stark zur Kasse gebeten wie mittlere Einkommen. Doch machen wohl superreiche Steuersparer eine so große Wählerklientel aus, dass es sich offenbar lohnt, sich allein auf deren Seite zu stellen und lieber Sozialausgaben zu kürzen, anstatt vorhandenes Geld in die Staatskasse zu spülen! Analog könnte man dies auch für Ihr Mutterland, die USA feststellen, Herr Bonner. Dies sollte halt "nur" ein Appell sein, gerichtet an die griechische Politik, die angesichts der Dauerkrise nicht mehr weiß, wo ihr der Kopf steht. Die Euro-Politik wandelt auf einem schmalen Grat: Soll sie überhaupt eingreifen, wenn die Märkte verrückt spielen, obwohl sich die Realwirtschaft - zumindest bei uns in der BRD - sich solide präsentiert? Und wenn ja, wie soll sie regulieren? Welche Mittel sind richtig, welche Wege z.B. in Griechenland politisch überhaupt beschreitbar? Wir befinden uns im Wandel - der weitere Weg der EU im Allgemeinen und der Euro-Zone im Besonderen muss sich in den kommenden Jahren entscheiden. Fakt ist aber auch, dass der Euro verhindert, dass sich Schwachwährungsländer wie Griechenland über freie Wechselkurspuffer und Währungsabwertungen schützen können. Noch kann das kleine Griechenland mit einem immensen Aufwand und hunderten von Milliarden Euro Bürgschaften vor dem Bankrott gerettet werden. Aber wie lange noch? Die eingeleiteten rigorosen Sparmaßnahmen der Griechen müssen doch dazu führen, dass die Wirtschaft dort deflationär zusammenbricht und dann erst recht der Bankrott droht. Frau Lagard hat nicht ganz unrecht, - wie von Ihnen Herr Bonner oben aufgezeigt - wenn sie vor ein "1930er-Gefühl" warnt. Ich erinnere an den berüchtigten Reichkanzler Brüning, der damals Deutschland vor dem Kollaps bewahren wollte, indem er Sparmaßnahmen durchsetzte und die Löhne senkte. Resultat war dabei nicht die Rettung des Landes, sondern sein Untergang. Zusammengefasst bleibt festzustellen: 1. Die Mechanismen, die den Staaten insbesondere innerhalb von EU bzw. Euro-Zone zur Rettung zur Verfügung stehen, sind begrenzt. Auch sind allmählich die bestehenden Handlungsoptionen ausgeschöpft. 2. Und Vertrauen in Kontinuität und Stabilität konnte bislang auch nicht richtig geschaffen werden. 3. Nehmen wir nur einmal an, in Griechenland käme es zum Bankrott und andere Länder stürzen ebenfalls. Dann würden die nun zugesagten Bürgschaften meines Wissens von 211 Milliarden Euro fällig. Und bei dieser Summe sind die Zinszahlungen sogar ausgenommen. Das kann unser Land nicht so ohne weiteres stemmen. Denn wir stöhnen eh schon unter einer nie dagewesenen Schuldenlast. Im ersten Halbjahr 2011 betrugen diese Schulden des Bundes, der Länder und der Gemeinden insgesamt rund zwei Billionen Euro. 4. Politische (Veränderung-) Prozesse sind langsam, sie dauern über Jahre. Börsenkurse hingegen können innerhalb von Minuten einbrechen und entsprechende Folgen nach sich ziehen. 5. Die Politik hechelt der Wirtschaft hinterher. Die bisherigen Ergebnisse sind halbgare, behelfsmäßige Maßnahmen, mit denen alle leben müssen, aber niemand so recht glücklich wird. 6. Fakt ist leider, dass einige Südländer der Euro-Zone faktisch am Ende sind. Deren einzige langfristige Überlebenschance liegt darin, sich über kurz oder lang ihrer gewaltigen Schuldenlast zu entledigen. 7. Gleichzeitig können wir, also unser Land oder auch Frankreich, nicht immer weitere gigantische Rettungsschirm-Programme auflegen, um immer wieder aus der Klemme zu helfen. Ansonsten wird es Ernst mit der Frage: Wer rettet die Retter. 8. Für uns Privatpersonen, die wir nicht das Gehör finden, auf das manche hochrangige Politik- u. Finanzexperten stoßen, bleibt eigentlich nur, die Ruhe zu bewahren. Denn Angst vor Panik schürt erst die Panik. Entschuldigen Sie bitte den langen Gedankenfluss. Gruß, A.K
Antworten- Antwort von Laufer (07.02. 2012 22:40 Uhr):
Friede, Freude, Eierkuchen-Denken löst keinerlei Probleme unserer Zeit. Nur umfassende Leistungsbereitschaft aller, die denken können. Wunschvorstellungen zu äußern belegt noch nicht, denkfähig zu sein!
- Antwort von Peter Harting (08.02. 2012 00:24 Uhr):
Apokalypse pur! Das Tier aus dem Meer mit der Wunde ist der Finanzmarkt, über den Sie hier ausführlich schreiben. Das 2. Tier, das dafür sorgt, dass die Wunde schnell heilt, sorgt auch für Verblendung. Das ist die Illusion, die Staaten könnten irgendwas stemmen, was außerhalb ihrer Kompetenz liegt. Aber die Menschen glauben, dass der Staat eine Bildungsaufgabe hätte und "soziale Gerechtigkeit" herstellen müsste. Er kann eigentlich nur mit der Waffe in der Hand dastehen und aufpassen, dass sonst niemand schießt. Dafür braucht er sehr wenig Geld. Doch die Tiere aus dem Abgrund haben ihn im Moment voll im Griff. Wer spricht von Untergang? Das Video, das der Verlag in dieser Ausgabe über fast eine Stunde erzählen lässt, gibt Fakten zum Untergang preis. Doch woher kommt der Aufgang? Auch das kann der aufmerksame Leser aus den Evangelien und der Apokalypse erfahren. Zum Beispiel, dass dem Kaiser gehört, was des Kaisers ist, und so weiter. Doch was ist der Schluss dieser Bemerkung? Dass wir den Geist brauchen als wirklichen Führer, der einer Welt, einem Reich angehört, der "nicht von dieser Welt" ist. Jeder kann an sich selbst spüren, dass er "Gottes ist", warum handelt er dann dem entgegen? Wirtschaft und Geld sollten der Versorgung dienen, die Obrigkeit hat damit wenig zu tun, außer dass sie die Regeln überwacht. Das überschüssige Geld gehört in die Kultur, deren Aufgaben außerhalb von Profit entstehen. Der Profit sollte es als sein Allerheiligstes ansehen, dies zu unterstützen. Macht er auch manchmal, aber Viele ignorieren diese Seite, oder meinen, nur den Armen und Kranken müsse geholfen werden. Stattdessen sterben die Verbindungen des öffentlichen Verkehrs, weil sie "sich nicht rechnen", während die Bundesregierung mal gerade schnell 10 und 11 Millionen Euro für fremde Angelegenheiten im Nahen Osten ausgibt. Wer fragt da nach einer Rendite?
- Antwort von Laufer (07.02. 2012 22:40 Uhr):