Nachhaltigkeit in der Landwirtschaft
Miriam Kraus in Rohstoff Daily zum Thema Rohstoffe
vom 3. Juni 2009, 20:00 Uhr
ENL5462
Liebe Leser,
wie versprochen möchte ich heute noch einmal einen Daily zum Aspekt der Nachhaltigkeit in der Landwirtschaft einschieben.
Leser W.L. ist dies ein großes Anliegen. Er schreibt mir:
".....
Unter nachhaltiger Landwirtschaft verstehe ich eine Produktion ohne
künstlichen Dünger und Pflanzenschutzmittel. Jedoch mit sinnvoller Dauerbegrünung von Agrarflächen mit Mischkulturanbau, mit beispielsweise Öl -und Getreidepflanzen, Faser und Eiweißpflanzen,...
Mit Humusaufbauenden Maßnahmen, die wir über Jahrtausende betreiben können.
Bitte berichten Sie ebenfalls über diese Möglichkeiten."
Herr L., Vielen Dank!
Die Definition von Nachhaltigkeit
Obgleich der Begriff der Nachhaltigkeit in den letzten Jahren - ich drücke es einmal so aus - sehr trendy geworden ist, vermittelt er im Allgemeinen eine eindimensionierte Vorstellung. Tatsächlich aber beinhaltet der Begriff drei wichtige Schlüsselindikatoren:
Neben dem Schutz der Umwelt und der gesellschaftlichen Solidarität ist dies auch die wirtschaftliche Effizienz.
Aufgrund dieser Begriffsbestimmungen, scheiden sich aber gerade in Bezug auf eine nachhaltige Landwirtschaft die Geister. So formuliert beispielsweise die FAO als Ziel von nachhaltiger Landwirtschaft unter anderem, die landwirtschaftliche Produktion so zu erhöhen, dass die gesamte Weltbevölkerung heute und in Zukunft Zugang zu ausreichend Nahrung hat.
Dies ist aber gar nicht so einfach.
Tatsächlich zeigt sich, dass je nach Kulturart im ökologischen Landbau bis zu 30% weniger Ertrag erzielt wird, als im konventionellen Landbau.
Doch, verstehen Sie mich nicht falsch: das bedeutet keineswegs, dass der Aspekt des Umweltschutzes zu vernachlässigen wäre. Ganz im Gegenteil! Was kann es schließlich schon nützen die Erträge zu steigern, wenn wir dafür Boden und Wasser verschmutzen und uns so die Grundlage entziehen.
Einige Überlegungen zu diesem Thema
In meinen Augen ist es wichtig eine angemessen Balance zu finden zwischen den einzelnen, wichtigen Faktoren. Auf der einen Seite müssen wir unsere Umwelt, unsere Böden und Gewässer vor der Verschmutzung bewahren, auf der anderen Seite müssen die erforderlichen Maßnahmen aber auch dem Anspruch der wirtschaftlichen Effizienz genügen, wenn wir in einigen Jahrzehnten die Weltbevölkerung ernähren wollen.
Folgende Faktoren halte ich in diesem Zusammenhang für sehr interessant:
- die Einhaltung einer vielseitigen Fruchtfolge
so können im Allgemeinen Bodenverdichtungen beseitigt und Unverträglichkeiten vermieden werden; in den USA werden beispielsweise ganz gerne Mais und Sojabohnen im Wechsel angebaut, denn Mais ist beispielsweise sehr (Stickstoff)-Dünger intensiv, die Sojapflanze kann aber den erforderlichen Stickstoff zum Wachstum aus der Luft selbst erzeugen
- die Wahl von qualitativ hohem Saatgut
es gibt Sorten die toleranter gegenüber Klimaschwankungen und Umwelteinflüssen und resistenter gegenüber Schadorganismen, was einerseits den Erträgen zugute kommt und andererseits die Nutzung von Pflanzenschutzmitteln reduziert; doch vergessen wir nicht: gutes Saatgut kostet Geld!
- wenn möglich Pflanzenschutzmittel die Nützlinge schonen
manche Pflanzenschutzmittel schonen natürliche Nützlinge wie Marienkäfer und Florfliegen
- Experimentell: Nützlinge gezielt einsetzen
Noch stehen keine praxisreifen Verfahren zur Verfügung, dennoch könnte der gezielte Einsatz von Nützlingen gegen Schädlinge, anstelle von chemischen Pflanzenschutzmitteln äußerst interessant sein.
- wenn möglich Verzicht auf Herbizide
ich sage bewusst: wenn möglich, denn der Verzicht auf Herbizide bedeutet in der Regel einen höheren Einsatz an mechanischen Unkrautbekämpfungsmitteln (Hacken) und dies kann wiederum deutlich ins Geld gehen
- ausgeglichene Humusbilanz
sie ist Grundlage für die Erhaltung der Bodenfruchtbarkeit; dennoch gilt es bei humusaufbauenden Maßnahmen, wie der organischen Düngung, auch Vorsicht walten zu lassen, da der Nährstoffgehalt in organischen Düngern tierischer Herkunft stark schwankt; insbesondere bei Gülle steigt die Gefahr der Nitratbelastung im Grundwasser; Kompost bietet im Vergleich nur eine geringe Nährstoffwirkung und erhöht zudem die Gefahr der Zufuhr von Schwermetallen; Jauche bietet einen hohen Kaliumgehalt und eine gute Dosierbarkeit, wirkt aber kaum nachhaltig (dafür schnellwirksam) und führt bei fehlerhafter Anwendung zur Förderung von Unkrautwachstum;
Fazit
Nachhaltige und umweltschonende Aspekte in der Landwirtschaft sind ein Muss - ganz klar. Dennoch dürfen wir nicht vergessen, dass wir heute für die Zukunft zusätzlich noch ein ganz anderes Problem lösen müssen, welches der ökologische Landbau alleine bislang nicht zu lösen vermag: gezielte Ertragssteigerungen um den Ansprüchen der wachsenden Weltbevölkerung zu genügen. Um diesem Anspruch gerecht zu werden ist aber eine mineralische Düngung unumgänglich, da hierdurch gezielt - je nach Anforderung des Bodens - mit Stickstoff, Phosphat, Kalium, Magnesium, Calcium, Schwefel, Natrium oder Spurennährstoffen nachgedüngt und Boden und Pflanzenwachstum unterstützt werden können.
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