Nachdenken über Amerika
unserem Korrespondenten Bill Bonner in Investors Daily
vom 01. Juli 2003 18:00 Uhr
ENL5454
*** In der Times habe ich ein großartiges Foto von 30 nackten Leuten entdeckt ... die gegen genmanipulierte Nahrungsmittel protestieren, indem sie ihre Kleider ausziehen.
*** Ich habe mich in den letzten Tagen so mit dem Nachdenken über die Toten befasst, liebe(r) Leser(in) ... – siehe z.B. meinen gestrigen zweiten Artikel im Investor's Daily – dass ich in der Zeitung ganz selbstverständlich lieber die Todesanzeigen las, als über die fast Toten zu lesen. Als ich meinen Namen nicht darunter fand, hob sich meine Stimmung ... und meine Gedanken gingen weiter.
*** Ich habe über die Toten nachgedacht. Ich verehre sie nicht, denn sie sind verstorben. Ich bin nur neugierig; was denken sie wohl von uns?
Da wir bald den Amerikanischen Nationalfeiertag haben (Unabhängigkeitserklärung am 4. Juli 1776), frage ich mich ...
... was Generationen von Republikanern, die – jetzt in ihren Gräbern – jahrelang an ausgeglichene Haushalte glaubten, von den jetzigen Republikanern im Weißen Haus halten ... die die unausgeglichensten Haushalte der Geschichte vorgeschlagen haben?
... und was ist mit den Millionen toter Amerikaner, die in die USA einwanderten, um Freiheit zu finden; was halten sie heute von diesem Land? Sie kamen im Glauben, dass sie machen könnten, was sie wollten, solange sie sich um ihre eigenen Geschäfte kümmerten. Aber jetzt gibt es genug Leute, die offiziell im Privatleben anderer herumschnüffeln.
... und man kann diesen Schnüfflern nicht entkommen, indem man das Land verlässt und wieder nach Hause geht. Amerikanische Steuerfahnder folgen einem Amerikaner überall hin ... und für die US-Army, die sich laut George Washington auf die Landesverteidigung beschränken sollte, scheint nichts auf diesem Planeten zu entfernt zu sein, als dass sie nicht ihre Nase da hineinstecken wollte ...
... und sehen Sie sich an, was wir mit diesem "Land der Freiheit und der Heimat der Tüchtigen", das die Toten uns überlassen haben, getan haben: Arme alte Großmütter müssen an Flughäfen ihre Schuhe mit Röntgenstrahlen nach versteckten Waffen untersuchen lassen. Niemand glaubt, dass diese alten Damen eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit sind – aber warum sollte man ein Risiko eingehen?
Die Toten. Loben sie uns? Oder verfluchen sie uns?
Der ehrenwerte Ron Paul, Kongressabgeordneter aus Texas (der Heimat von George W. Bush) hat letztens ähnliche Bedenken über das Ignorieren der Toten geäußert. In einer Rede, die er imaginär an Benjamin Franklin richtete, warnte er davor, dass Amerika hilflos in die Hände eines wütenden Mobs gefallen sei – trotz des besten Designs der Gründerväter der USA.
Paul zitierte in seiner Rede James Madison: "Demokratien waren immer Spiegel von Turbulenzen und Streitereien; sie waren immer inkompatibel mit persönlicher Sicherheit oder den Eigentumsrechten; und sie waren im Allgemeinen so kurz in ihrem Leben wie gewalttätig in ihrem Tod." Ist das das Amerika, das seine Gründer angestrebt haben?