Nach hochgesteckten Erwartungen nur glanzloser Börsenstart

Kathrin Dörfeld in Insider Daily zum Thema Aktien
vom


war das alles? Von dem "Börsengang des Jahres" hätte ich eigentlich ein wenig mehr erwartet. Zu Recht macht sich Ernüchterung unter den Anlegern breit, wenn man sich den lange Zeit heiß gehandelten Börsenstart von Social-Network-Liebling Facebook betrachtet, der letzte Woche Freitag an der Technologiebörse Nasdaq ordentlich in die Hosen ging. Anstatt ein Kursfeuerwerk und Jubelgesänge unter den Börsianern auszulösen, sorgte die Facebook-Aktie gleich am ersten Handelstag für lange Gesichter. Der erste Kurs der Aktie wurde mit 42,05 Dollar schon niedriger als ursprünglich erwartet festgelegt. Die Wertpapiere notierten nach teils heftigem Auf und Ab zum Börsenschluss wieder fast unverändert beim Ausgabepreis von 38 Dollar. Börsenexperten hatten hingegen mit einem Anstieg bis über 50 Dollar gerechnet. Am Ende eines nervenaufreibenden und von technischen Pannen begleiteten chaotischen Handelstages an der Nasdaq schloss das Papier am Freitag nur 23 Cent höher - ein dünnes Plus von 0,61%.


Dass die erwarteten Kurs-Steigerungen anders als bei vielen anderen Börsengängen ausblieben, bedeutet letztlich, dass die meisten Investoren wohl nicht viel Raum für Wachstum über die bereits gigantische Bewertung von über 100 Mrd. Dollar hinaus sehen. Möglicherweise sorgten auch technische Probleme der Technologiebörse Nasdaq beim bisher größten Börsengang eines Internet-Unternehmens dafür, dass der Kurs nicht abhob. Facebook-Alteigentümer haben jedenfalls ihre Aktien mit 38 Dollar zum höchstmöglichen Preis losgestoßen, den sie kriegen konnten. "Sie haben die Zitrone ausgepresst, bis sie trocken war", erläuterte Investment-Manager Dan Veru von Palisade Capital Management der Finanznachrichtenagentur Bloomberg.

Facebook fürchtet 15-Millionen-schwere Schadensersatzklage

Der misslungene Start aufs Börsenparkett ist aber noch nicht alles, worüber sich das Online-Netzwerk in den kommenden Tagen Gedanken machen muss. Unmittelbar nach dem holprigen Börsengang fürchtet Facebook nun einen Milliarden-Schaden. US-Internetnutzer reichten eine Sammelklage wegen angeblicher Verletzung ihrer Privatsphäre ein. Sie werfen Facebook vor, unrechtmäßig Aktivitäten von Nutzern im Internet beobachtet zu haben und das sogar nachdem sie sich aus dem Netzwerk ausgeloggt hatten. Die Klage bündelt insgesamt 21 Fälle aus mehr als einem Dutzend US-Bundesstaaten aus den Jahren 2011 und 2012. Die Anwälte der Kläger verlangen nun bis zu 10.000 Dollar Schadensersatz je Nutzer. Insgesamt belaufen sich die Schadensersatzforderungen auf bis zu 15 Mrd. Dollar (rund 11,8 Mrd. Euro).

Der Hype um die Facebook-Aktie scheint erst einmal auf Eis gelegt. Die nächsten Wochen und Monate werden zeigen, in welche Richtung sich das Papier bewegt. Auch heute tingelt die Aktie wieder nur im Bereich unterhalb ihres Ausgabekurses herum (aktuell 34,03 Dollar). Auf das "Facebook-Märchen" in diesem Sommer müssen wir wohl noch ein wenig warten.

Ich wünsche Ihnen dennoch einen guten Börsentag.

Ihre

Kathrin Dörfeld


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