Alexander Hahn in Investoren Wissen
vom
Liebe Leser,
stellen wir uns doch einmal die folgende Situation vor:
In einem gut bewohnten Stadtteil Ihres Wohnorts brennt ein Mehrfamilienhaus. Glücklicherweise stirbt niemand hierbei und die Verwundeten werden im Krankenhaus gut versorgt. Ein paar Tage später stellt sich heraus, dass ein einschlägig bekannter Pyromane das Feuer gelegt hat und auch noch für eine Reihe weiterer Feuer in Ihrem Ort und in den Nachbarstädten verantwortlich ist, bei denen zahlreiche Menschen schwer zu Schaden kamen.
Was würde man mit so jemandem wohl tun? Richtig. Vor Gericht bringen und verdientermaßen für eine längere Zeit einsperren - und ihm natürlich die Feuerzeuge abnehmen. Die gefährliche Zündelei hätte somit erst einmal ein Ende.
Pyromanie im weltweiten Finanzsystem scheint hingegen etwas zu sein, dem seitens zahlreicher Regierungen anders entgegengetreten wird. Statt den entsprechenden Pyromanen im Finanzbereich das Handwerk zu legen, stellt man ihnen trotz all ihrer Taten noch den randvollen und unbeaufsichtigten Tankwagen zum Spielen vor die sprichwörtliche Haustür. Die Pyromanen sagten ja, sie würden nie wieder zündeln. Somit ist jetzt natürlich alles wieder gut und es gibt keinen Grund, sich irgendwelche Sorgen zu machen. Schließlich ist ja bald Wahl... Wer will da schon schlechte Stimmung haben? "Yes, we can auch!" in Dschörmoney...
Dass solche Äußerungen und Annahmen natürlich völliger Blödsinn sind (was man wohl auch in weltweiten Regierungskreisen weiß, aber gerne der Bankenlobby trotzdem gönnerisch einen Gefallen nach dem anderen auf Kosten der Allgemeinheit erweist), bewies kürzlich die amerikanische Investment-Bank Morgan Stanley.
Ganz getreu dem Motto: "Was kümmert's uns? Ihr Idioten zahlt doch, wenn wir Probleme haben.", wurde die Kreditverpackungsmaschine wieder angeworfen. Sie erinnern sich sicherlich noch an diese "wunderbaren" Instrumente im Zusammenhang mit der Häuserkrise (Stichwort AAA-Ratings für Müllhypotheken und Schrottanleihen)?
Weitere Banken sind schon auf den Zug aufgesprungen...
Wie die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtet, springen weitere Banken bereits auf den Zug auf und haben ähnliche Pläne.Das Konzept klingt vom Prinzip her bereits bestens bekannt: Bündelung von Schrottpapieren mit etwas besseren Papieren, um ein AAA-Rating zu erhalten und dieses "Wertpapier" dann an andere Banken weiterzuverkaufen...
Ja, Sie lesen richtig. Der gleiche "Spaß" geht wieder los! Diesmal werden z.B. Hypotheken auf Gewerbe-Immobilien verpackt. Wie schön es um diesen Marktbereich steht, muss ich Ihnen angesichts der zwei sehr deutlichen Warnungen vor großem Ärger in diesem Sektor, die mein US-Kollege Herr Fessler Ihnen bereits vor Wochen mitteilte, sicher nicht sagen. Die Wertpapier-Müllfabriken laufen also wieder an.
Da ist es offensichtlich völlig egal, wie sehr die Finanzsysteme schon am Abgrund standen. Die Zockerei geht weiter, bis das gesamte Casino einstürzt und auf die Grundmauern niederbrennt oder aus der Staatskasse keine Rettungsmilliarden mehr zu plündern sind, da man selbst in Schulden ertrinkt bzw. Probleme am Kreditmarkt mit der eigenen Refinanzierung bekommt. Hauptsache, die fetten Millionen rollen weiter in die eigene Tasche... Koste es, was es wolle. Die alles dominierende Geilheit auf den Bonus und die panische Angst, evtl. das eigene (inzwischen für einige Leute schon absolut selbstverständliche) Luxusleben auf großem Fuß aufgeben zu müssen, siegen anscheinend erneut. Der Rest zählt natürlich nicht (ganz wie der prototypische Spielsüchtige, der im Rausch des Casinos die gesamte Realität um sich herum vergisst).
Genau solche Punkte sind es, warum (nicht nur) ich von Anfang an forderte, sämtliche Pleitebanken ordentlichst gegen die Wand fahren zu lassen. Nicht nur hätte man damit das Prinzip des freien Marktes gerettet (denn es gab durchaus Banken, die seriös und vernünftig wirtschafteten), sondern man hätte sich auch einiges an Staatsverschuldung sparen können. Darüber hinaus hätte man manch einen völlig größenwahnsinnigen Banker von seinem hohen Ross heruntergeschleudert und mittels einer harten Landung wieder beigebracht, für seine Verluste gerade zu stehen. Auch würde der völlig überdimensionierte Finanzsektor endlich auf ein gesundes Maß schrumpfen.
Doch was haben wir nun?
Nicht nur extrem gestiegene Staatsverschuldung, sondern einen Bankenfeudalismus, in dem sich eine ausgewählte Kaste an "systemrelevanten" Finanzgöttern, wohl im Hinterzimmer über die Dummheit der Massen laut lachend, die Taschen bis zum Platzen vollstopft, während der Rest auf Befehl die Geldbörse zücken und sich auf drastische Einschnitte, womöglich Arbeitslosigkeit und massiven Wohlstandsverlust "freuen" darf (mit Ausnahme des kleinen Teils entschlossener Anleger, die dies für sich zu verhindern wissen...).
Vielleicht denken Sie einmal daran, wenn Sie bald an der nächsten Bundestagswahl teilnehmen und Ihr Kreuzchen machen oder nach der Wahl die Mehrwertsteuer ordentlich steigt (um nur ein Beispiel zu nennen...)?
Soweit hätte es nicht kommen müssen, denn die Sackgasse, in die wir hineingebracht wurden, war schon früh genug zu erkennen und es gab genug warnende Stimmen. Dumm eben nur, dass diese seitens der damaligen (und ironischerweise auch noch heutigen) "Experten" als Alarmisten und "Verschwörungstheoretiker" ausgelacht und verspottet wurden.
Denken Sie einmal drüber nach: Freie Märkte sind nicht nur zum Spaß vorhanden, sondern sie bilden ein wichtiges Fundament jeglicher demokratischen und auf Freiheit basierenden Grundordnung.
So lange sich die Staaten weltweit allerdings weiterhin brav der Bankenlobby unterwerfen bzw. diesen gefährlichen Krebs nicht in seine Grenzen weisen, wird diese Krise nicht gelöst werden. Im Gegenteil, der richtige "Spaß" geht dann wahrscheinlich erst noch los...Unterschätzen Sie die aktuelle Lage also bitte nicht.
Nach wie vor Millionenboni für Pleitebanker - trotz staatlicher Hilfe
Erinnern Sie sich übrigens noch, welchen Proteststurm die Bonuszahlungen des verstaatlichten amerikanischen Versicherungsriesen AIG damals auslösten? Den Verantwortlichen ist dies inzwischen anscheinend auch egal, denn auch hier fließen nun bald wieder die Millionen-Boni, wie es scheint - unter Staatsaufsicht wohlgemerkt! Auch in Deutschland fließen übrigens die Bonusmillionen an Pleitebanker nach wie vor weiter.
Wie ich schon seit Monaten immer wieder schreibe: Wir drehen uns im Kreis und die Probleme werden nicht gelöst. Stattdessen mästet man einen privilegierten Stand mit Steuergeldern durch und versucht durch Augenwischereien bei den öffentlichen Arbeitslosenzahlen und dem Feiern von negativen Wirtschaftsdaten, die ja "besser als erwartet" ausfallen, die reale Situation verzweifelt bis zur Wahl zu vernebeln.
Die ganze Situation stinkt m.E. gewaltig zum Himmel. Die eigentliche Rechnung (und diese wird hoch), kommt erst nach der Bundestagswahl.
Lassen Sie sich also bis dahin bitte nicht auf den Arm nehmen bzw. einwickeln. Genug Versuche durch hohle Versprechen und geschickt lancierte PR-Meldungen wird es jetzt erst recht geben - wie in der Vergangenheit auch.
Beste Grüße
Alexander Hahn