Nach dem G7-Treffen
Investors Daily
vom 09. Februar 2004 18:00 Uhr
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"Es sieht so aus, als ob das erste, was die Händler diese Woche tun werden, der Verkauf ihrer Dollar sein wird", so Xinyi Lu, Chef-Analyst bei der UFJ Bank in Tokio gegenüber Reuters. Die Trader der Welt bereiten sich darauf vor, was die erste Phase eines "sehr unordentlichen Rückzugs" des Dollars sein könnte – normalerweise als "wilde Flucht" bekannt.
"Jeder wird am Montag sehr früh da sein", so Rick Lloyd, Kopf der asiatischen Devisenhandelsabteilung (für G7-Währungen) von ABN Amro Holdings, über seine Kollegen. "Wir sehen zahlreiche Gründe für eine fortgesetzte Dollarschwäche", fügte Trevor Dinmore, Währungsanalyst bei der Deutschen Bank, hinzu. Und vor dem G7-Treffen wollte sich niemand so recht positionieren, da man nicht wusste, ob es keine Überraschungen geben würde.
Die G7-Finanzminister hatten sich ja in Florida getroffen. Zu den G7-Staaten gehören – nach Wirtschaftsgröße sortiert – die USA, Japan, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien und Kanada. Was dabei herausgekommen war: Nicht überraschend hatten sie sich "optimistisch" in Bezug auf die weltweite Wirtschaftserholung gezeigt, und starke Wechselkursschwankungen als unerwünscht bezeichnet. Nicht mehr und nicht weniger.
Loyale Investor's Daily Leser könnten ein Problem nennen, mit dem sich die Finanzminister hätten befassen sollen: Eine arrogante Bush-Administration und eine ausgabenfreudige Fed, die darauf setzen, dass der Rest der Welt keinen besseren Platz als die USA findet, um sein Geld zu investieren.
"Das Vertrauen auf geliehenes Geld mag nicht nachhaltig sein", so Alan Greenspan letzten Monat in einer Rede gegenüber deutschen Zentralbankern. Aber dann, fügte er hinzu, dass "es im Moment wenige Hinweise für Stress (ha!) gibt ... der zurückgehende Dollarwert ist ein Signal eines abnehmenden ausländischen Appetits auf Dollar-Vermögensanlagen, aber die Inflation, das typische Symptom einer schwachen Währung, bleibt untätig."
Was wirklich untätig bleibt, ist der US-Präsident, wenn es darum geht, das Geldausgeben zu stoppen. Um die Kriege und Abhängigkeiten der Nation finanzieren zu können, will das US-Finanzministerium diese Woche für 24 Milliarden Dollar dreijährige Staatsanleihen emittieren, für 16 Milliarden Dollar fünfjährige und für 16 Milliarden Dollar zehnjährige. Im gesamten ersten Quartal sollen es 177 Milliarden Dollar an Netto-Neuverschuldung werden. "So ein großes Angebot ist noch nie an den Markt gekommen", kommentierte Andrew Lombara, Rentenhändler in New York. "Offensichtlich muss das irgendwo platziert werden" ... aber wo, frage ich mich?
Wegen diesen Zweifeln werden die Devisenhändler heute schon ganz früh am Morgen in ihren Büros gewesen sein.
Niemals zuvor ist das nationale Scheckbuch mit so schnellem Tempo verbraucht worden. Dan Denning betont, dass die meisten Leute die steigenden US-Verteidigungsausgaben kritisieren – dass es aber auch jede Menge Möglichkeiten für andere Kritik gibt.
Denning zeigt, dass die Bush-Administration einen Betrag von 466 Milliarden Dollar für Ermessensprojekte außerhalb des Verteidigungssektors vorgeschlagen hat (Quelle: Tax Foundation) ..."ein Zuwachs von 123 Milliarden Dollar, oder 36 % über dem Betrag, den Präsident Clinton in seinem letzten Amtsjahr dafür ausgegeben hatte."
"Trotz der Tatsache, dass die Administration diese Ausgaben real gesehen im nächsten Haushaltsjahr einfrieren will", so die Tax Foundation, "werden diese Ausgaben während des aktuellen Haushaltsjahres um durchschnittlich 6 % gestiegen. Das ist die höchste reale Wachstumsrate bei den Ermessensprojekten seit 25 Jahren."
Und auch der Ausgabenblock für Zahlungen, zu denen die US-Regierung gesetzlich verpflichtet ist, wird während des laufenden Haushaltsjahres voraussichtlich um fast 5 % wachsen – ein Zuwachs, der nur von George Bush I. übertroffen wurde. Die Tax Foundation schreibt dazu: "Der Anteil dieses Ausgabenblocks wird 57 % der gesamten Bundesausgaben erreichen. Das bedeutet, dass der Anteil dieser Ausgaben um 11 Prozentpunkte über dem Anteil liegt, der 1989, dem letzten Fiskaljahr der Amtszeit von Präsident Reagan, erreicht worden war."
Wie wichtig die USA für die Weltwirtschaft sind, dürfte bekannt sein: "Die USA waren seit 1996 für 96 % des weltweiten Wirtschaftswachstums verantwortlich", schreibt mein Freund John Mauldin, "sie sind der Wachstumsmotor der Welt. Allerdings haben die USA ein noch wachsendes Handelsbilanzdefizit, das derzeit bei über 500 Milliarden Dollar liegt. Das ist ein Trend, der nicht von Dauer sein kann. Wenn der Dollar seinen Rückgang fortsetzt, dann wird die Welt ab einem bestimmten Punkt aufhören, die amerikanischen Defizite in ihrer heutigen Höhe zu finanzieren."
"Allerdings ist das für die Zentralbanker der Welt ein Dilemma. Wenn Sie den Dollar zu weit oder zu schnell fallen lassen, oder die US-Wirtschaft sonst irgendwie schädigen, dann wird damit auch die Hauptquelle ihres eigenen Wirtschaftswachstums verringert. Wenn die US-Wirtschaft einen Schnupfen bekommt, dann könnten auch viele Nationen der Welt angesteckt werden, oder es könnte sich ein daraus eine wirtschaftliche Lungenentzündung entwickeln."
Der Fed-Gouverneur Ben Bernanke plauderte letzte Woche vor einer Gruppe von Geschäftsleuten aus South Carolina, wobei er sagte, dass der "wirtschaftliche Gegenwind überwunden" sei, und dass er bald mit einem starken Wachstum der Arbeitsplätze rechnet. Aber die wöchentliche Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe ist in der letzten Januarwoche um 17.000 auf 356.000 gestiegen – das höchste Niveau der letzten 5 Wochen.