Jürgen Nowacki in Investoren Wissen zum Thema Chartanalyse
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Charts sind wie Noten in der Musik. Der Schlusskurs des Vortages bildet gewöhnlich die Orientierung für den Eröffnungskurs am nächsten Tag. Hoch- und Tiefkurse eines Tages überlappen dabei die Tagesrange des Vortages und bilden dann am Ende des Tages einen Schlusskurs, der etwas höher oder tiefer liegt als der Schluss des Vortages. Daraus ergibt sich über Wochen und Monate ein Bild, in dem sich Trends, Unterstützungs- und Widerstandslinien bilden.
Fenster, Gaps oder Kurslücken, manchmal auch als Kursabriss bezeichnet, entstehen, wenn es in der Chartanalyse vor allem infolge kursrelevanter Nachrichten zu größeren Unterbrechungen zwischen Schlusskurs des Vortages und Anschlussnotierung des Folgetages kommt. Um im Beispiel der Musiknoten zu bleiben: Der Akkord endet abrupt, als ob eine Note verschluckt wurde. Diese Kurslücken werden oft lapidar mit der Börsenweisheit Kurslücken werden geschlossen" kommentiert. Dabei steckt sehr viel Information in solch einer Kurslücke, jedenfalls für den, der sie zu deuten weiß. Oder um noch eine Analogie zu bringen: Was in unseren Ohren disharmonisch klingt, kann uns in der Börsenwelt wertvolle Dienste leisten.
Lücke ist nicht gleich Lücke
Damit uns nichts an Informationen verloren geht, ist es wichtig, dass wir uns über die Unterscheidungsmerkmale von Kurslücken ein Bild machen. Lassen Sie mich gleich mit dem gewöhnlichen GAP (Common GAP) beginnen. Hier zeige ich Ihnen, wo der Börsenspruch Gaps werden geschlossen" herkommt. Der erste Kreis in Chart 1 zeigt Ihnen zwischen dem Schlusskurs des Vortages und dem Tiefpunkt des Folgetages eine Lücke im Chart. Sie resultiert daraus, dass es Anfang April, vermutlich nach Börsenschluss, gute Unternehmensnachrichten gab und der Kurs der Microsoft-Aktie am nächsten Tag gleich mit einem Nachfrageüberhang und Kurssprung eröffnete. Die beiden blauen Linien machen deutlich, dass es 10 Handelstage dauerte, bis der Aktienkurs auf das Schlusskursniveau im Kreis zurückfand und so den Kursabriss im Chart schloss. Im zweiten Szenario Ende April wiederholte sich die Situation. Gute Unternehmensnachrichten nach Börsenschluss ließen den Eröffnungskurs am Folgetag von 26 auf 27,30 US-Dollar springen (blauer Kreis 2). Diesmal dauerte es nur 5 Handelstage bis der Aktienkurs auf das Ausbruchsniveau zurückfiel (untere blaue Linie) und das Gap geschlossen wurde. Das ist aber nicht zwingend, sondern nur, wie der Name schon sagt, beim gewöhnlichen Kursabriss der Fall.