Mr. Market – ein Gut-Wetter-Freund.
Bill Bonner in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 30. Oktober 2008, 07:30 Uhr
ENL5454
Bis zuletzt klammert man sich an die Hoffnung... und dann ist es zu spät.
Am Dienstag schoss der Dow um 889 Punkte nach oben. Markiert das das Ende des Abwärtstrends... die Talsohle des Bärenmarktes... heißt es, dass das Schlimmste hinter uns liegt?
Alle hoffen darauf. Aber Sie sollten sich nicht darauf verlassen. Es gibt fast immer eine große Erholung, ehe der endgültige Tiefpunkt erreicht wird. Hoffnung... und darauf folgt Enttäuschung. Oft mehrere Male hintereinander weg. Während einer langen Zeitspanne. Und wenn die letzte Talsohle kommt, sind die Investoren so pleite, so deprimiert und sie haben derart die Schnauze voll, dass es sie nicht mehr interessiert.
Der japanische Markt hat seinen Höchstwert mit 30.000 am Nikkei Dow im Januar 1990 erreicht. Die Aktien stürzten. Die Investoren warten seither auf eine Erholung. In diesem Jahr haben die japanischen Aktien beispielsweise die Hälfte ihres Wertes eingebüßt... und der Wert des Index ist in den Bereich von 8.000 Punkten gefallen. Das ist der geringste Wert seit 1982.
Verglichen mit den langfristigen Investoren von General Motors haben die Japaner noch Glück gehabt. GM wird heute im Bereich von 5 Dollar gehandelt - ein Preis, den man zuletzt gesehen hat, als ich vor 60 Jahren das Licht der Welt erblickte. Aber selbst das könnte noch schlimmer werden."
"Das Ende der Reise für die amerikanischen Autohersteller?", fragt eine Schlagzeile in der Los Angeles Times.
Derweil scheint Detroit zu einer Geisterstadt zu werden... oder zu einem Höllenloch wie Port-au-Prince, Haiti - mit Eis. Die Häuser, die einst den Magnaten der Automobilindustrie gehörten, werden heute für 100.000 Dollar und weniger verkauft. Aber warten Sie nur, bis die Automobilindustrie endgültig dicht macht.
Wo und wann wird der Bärenmarkt in den Vereinigten Staaten enden? Niemand weiß es. Aber er könnte an einem traurigen Tag in 20 Jahren enden. In der Zwischenzeit gibt es bei einem großen Bärenmarkt aber normalerweise eine zweite Möglichkeit, noch auszusteigen. Nach dem Crash im Oktober 1929 haben die Aktien bis April eine Erholung erlebt... und dann fingen sie wieder an abzurutschen und sie haben sich bis in die Fünfziger nicht wieder erholt - es hat mehr als 20 Jahre gedauert.
Auf dem heutigen Niveau sind die amerikanischen Aktien nicht allzu überteuert. Wenn man sich den Aktienmarkt der vergangenen 100 Jahre ansieht, dann stellt man fest, dass die Aktien normalerweise in einem Bereich gehandelt wurden, der dem heutigen gleicht. Sie haben, wie die Analysten sagen, einen marktgerechten Preis" wenn der Dow irgendwo zwischen 6.000 und 9.000 Punkten liegt. Aber die Erträge gehen zurück. Doch wenn sich die Erste Weltweite Krise - EWK, für die Geschichtsbücher - so abspielt, wie ich erwarte, dann könnte es sein, dass die Aktien bei deutlich niedrigeren Preisen einen marktgerechten Preis" erreicht haben werden.
Die andere Sache, die vermutlich passieren wird, ist, dass der Aktienwert "ungerecht" wird. Es war ungerecht, dass man den Investoren 90 Dollar für eine Aktie von Micron abnahm... oder 120 Dollar für einen Anteil an Yahoo... oder 70 Dollar für KB Homes. Schon bald könnte es gleichermaßen ungerecht" sein, wenn man den Investoren nur noch 5 Dollar für die Aktie von KB Homes gibt, oder für Yahoo... oder nur noch 50 cent für eine Aktie von General Motors.
Normalerweise übertreiben es alle. Es kommt und geht. Wenn es aufwärts geht, lassen sie sich mitreißen und zahlen zu viel. Wenn es abwärts geht, brechen sie in Panik aus... dann verlieren sie das Interesse... und werden nicht mehr genug bezahlen. Sie schießen um die Hälfte mehr über das Ziel hinaus - zumindest während des Abwärtstrends. D.h. dass die Aktien meist zuerst auf die Werte einbrechen, die man als marktgerecht" bezeichnen würde... und anschließend um weitere 50%. Wenn beim Dow also 8.000 Punkte ein gerechter Wert sind, dann darf man damit rechnen, dass der Dow die Marke von 4.000 Punkten erreichen wird, ehe er wieder nach oben klettert.
Aber ich bewege mich immer auf der Sonnenseite. Meine optimistische Vermutung ist, dass der Dow auf 5.000 Punkte fallen wird. Vermutlich eher früher als später.
Mr. Market ist schon ein seltsamer Typ, nicht wahr? Wenn er die Preise nach oben treibt, dann lieben ihn alle. Aber wenn er sie in Grund und Boden tritt, dann holen die Massen einen Strick und jagen hinter ihm her. Selbst die Baisse-Spekulanten sind dann gegen ihn, denn ohne Zweifel lässt er auch sie im Regen stehen - weil er dafür sorgt, dass die Aktien sich auch inmitten eines großen Bärenmarktes in großem Stile erholen.
Ob Sie es glauben oder nicht, doch heute verlangen die Kapitalisten, dass man ihnen erlauben sollte, Mr. Market insgesamt außen vor zu lassen. Sie wollen gerechte Preise" bei der Abrechnung ihrer Buchhaltung. Sie mögen das Angebot von Mr. Market nicht. Also hoffen sie, dass die Investoren ihre Vorstellung davon, was Aktien und Anlagewerte wert sein sollten, eher akzeptieren, als das, was sie wirklich wert sind. Neubewertungsprozesse" für Anlagewerte sind ungerecht" sagen sie.
Ich kann mich nicht erinnern, dass sie sich beklagt hätten, als die Bewertungsprozesse die Preise ihrer Anlagewerte deutlich über dem wahren Wert einstuften. Abgesehen davon möchte ich wissen, wer behauptet hat, dass Mr. Market gerecht spielen würde.
ähnliche Beiträge:
weitere Ausgaben von
Kapitalschutz Akte
weitere Artikel dieser Ausgabe:
Freitag, 25. Mai 2012
Donnerstag, 24. Mai 2012
Mittwoch, 23. Mai 2012
alle AusgabenBörsenbrief: Sicheres Geld
Der exklusive Börsendienst, der Ihr Vermögen zuverlässig schützt
Klicken Sie hier für weitere Informationen zu Börsenbrief: Sicheres Geld