Mr. Greenspan, werden Sie nüchtern!
Dan Denning in Investors Daily
vom 20. Februar 2004 18:00 Uhr
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In den letzten beiden Tagen wurden einige wichtige US-Wirtschaftszahlen veröffentlicht. So ist die Zahl der beginnenden Hausneubauten im Januar gegenüber dem Rekordwert vom Dezember um 8 % gefallen ... aber vielleicht ist das einfach ein saisonales Phänomen. Laut der Vereinigung der Hypothekenbanker ist der Kaufindex, ein Maßstab für Anträge auf neue Hypotheken, um 2,9 % gestiegen. Aber gleichzeitig fiel der Housing Index, ein Maßstab für die Stimmung der Häuslebauer, von 69 auf 65 Punkte.
Geht der Boom bei den Hausneubauten zu Ende? Ist die Spekulationsblase bei den Hypotheken kurz davor, zu platzen? Ein Monat macht noch keinen Trend, aber zumindest kommen sowohl die Hausneubauten als auch die Zahl der Käufe von ihren Rekordwerten zurück. Wir beginnen, Anzeichen dafür zu sehen, dass sich die zinssensitive Nachfrage verlangsamt, während sich das Angebot an Häusern erhöht. Wie Scott Winningham, Volkswirt bei Stone and McCarthy Research in einem Reuters-Artikel sagte: "Es gibt eine wachsende Divergenz zwischen den Verkäufen von neuen Häusern ( ...) und den Verkäufen von Häusern, die sich bereits auf dem Markt befinden."
Natürlich wird die Hypothekenaktivität durch steigende Zinsen negative beeinflusst. Und an der Zinsfront müssen erst einmal die Nachrichten verdaut werden, dass die Schulden der US-Regierung das erste Mal in der Geschichte der amerikanischen Republik auf über 7 Billionen Dollar gestiegen sind!
Die Anleihenkurse haben auf diese News noch nicht reagiert. Aber die offensichtliche Frage ist: Werden die steigenden Staatsschulden die Fed dazu zwingen, den Dollar schließlich doch zu verteidigen, indem sie die Zinsen erhöht, bevor sie es eigentlich will? Schließlich sind 7 Billionen Dollar eine ziemlich große Summe ... obwohl das US-Finanzministerium offiziell mitgeteilt hat, dass "daran nichts Besonderes sei". Aber laut dem Kongressabgeordneten Baron Hill aus Indiana "ist es einfach unmoralisch, Staatsschulden von über 7 Billionen Dollar zu haben, von denen unsere Kinder und Enkelkinder für die Rückzahlung jedes einzelnen Cents verantwortlich sein werden."
Der Dollar hat sich gerade ein bisschen gegenüber dem Euro erholt. Aber das Feuerwerk hat gerade erst begonnen, und ein großer Dollareinbruch kann kurz bevorstehen. Otmar Issing, der Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank, hat vorgestern im Wall Street Journal einen Seitenhieb gegen Alan Greenspan abgegeben: " ... Wir haben wiederholt Situationen erlebt, in denen es die Marktteilnehmer gewinnbringender fanden, einem Trend zu folgen, als gegen diesen Trend zu setzen, auch wenn ihre eigene Ansicht war, dass diese Entwicklung nicht nachhaltig war. Es ist bemerkenswert, dass im Nachhinein, z.B. nach dem Platzen einer Spekulationsblase, fast jeder zuzustimmen scheint, dass eine 'Spekulationsblase' geplatzt ist. Ist es dann nicht schwierig, zu akzeptieren, dass es völlig unmöglich sein sollte, irgendeine Einschätzung ex ante (vorher) zu treffen? Sollte es nicht die Rolle der Zentralbanken sein, Bedenken in angemessener Form zu kommunizieren und dabei zu versuchen, zu einer besseren Einschätzung der Kursentwicklungen beizutragen?"
Was damit gemeint ist: "Hey Mr. Greenspan, werden Sie nüchtern, Ihnen klebt da eine Spekulationsblase an ihren Händen." Es scheint oft so zu sein, dass eine eigene starke Währung Zentralbanker rhetorisch arroganter macht. Aber Issing hat Recht. Er hat seine US-Kollegen kritisiert: "Man sollte nicht übersehen, dass die außergewöhnlichen Preissteigerungen bei Aktien und Immobilien mit einer starken Zunahme der Geldmenge und/oder von Krediten zusammenfielen. So wie eine Konsumentenpreisinflation oft als eine Situation beschrieben wird, in der 'zuviel Geld auf zu wenig Güter trifft', so könnte eine Inflation auf der Ebene von Vermögensanlagen ähnlich charakterisiert werden, als 'zuviel Geld, das auf zu wenige Vermögensanlagen trifft.'"
Die Fed beginnt, das zu ernten, was sie im monetären Wirbelsturm geerntet hat. Und der Dollar wird das Hauptopfer sein (allerdings nicht das einzige). Am meisten profitieren werden Devisen-Spekulanten ... und natürlich das Gold. Wie Thomas Donlan diese Woche im Barron's Magazin schrieb: "Wenn der Dollar fällt, dann ist das ein Zeichen dafür, dass bei uns (in den USA) etwas falsch läuft. Wie jeder Argentinier mittlerweile weiß, mahlen die Mühlen der Märkte langsam, aber gut. Und derzeit drohen die Märkte, den Dollar zu Pulver zu zermahlen."
Genießen Sie die Pause ... solange sie anhält.