Morsches Gebälk und blanke Nerven
Ronald Gehrt in DAX Daily
vom 13. August 2007 08:30 Uhr
ENL5454
Das dritte Anklopfen an die charttechnische Unterstützung bei 7.360/7.380 hat nun ein kleines Loch in das morsche Gebälk dieser Unterstützung geschlagen. Der Dax brach hindurch und notierte am Freitag im Tief sogar schon leicht unter 7.300, bevor sich die Kurse dann stabilisierten. Im nachbörslichen Handel ging es dann sogar wieder bis knapp über 7.400 nach oben.
Doch wie oben bereits beschrieben, muss man solche charttechnischen Linien im Moment mit höchster Vorsicht betrachten. Am Morgen Verkaufs-, am Abend Kaufsignal? An der Wall Street wurden zwar zeitweise heftigere Verluste wieder fast aufgeholt, aber das als Wende zum Guten anzusehen ist definitiv zu gewagt. Weder die Charts noch die Rahmenbedingungen deuten eine Entwarnung an.
Daher sollten Sie, falls wir heute früh plötzlich wieder über 7.400 gehen sollten, skeptisch bleiben. Eine Gegenreaktion nach oben ist jederzeit drin, sicherlich. Aber eine wirkliche Wende ist noch nicht zu erwarten ... das Risiko nach unten in Richtung 7.028 und damit den Februar-Hochs ist hingegen groß.
Man darf nicht übersehen, dass der Dax gerade in den letzten Tagen mehrfach am Fallen gehindert wurde. Im Daily Observer habe ich heute mal aufgezeigt, wie das so funktioniert. Das sind Operationen, die keine dauerhafte Wirkung haben können. Und so besteht das Risiko, dass der Dax blitzschnell den anderen Indizes hinterher fällt, wenn diese Auffangversuche plötzlich wegbleiben sollten.
Sehen Sie sich zum Vergleich einmal den MDax an: Hier sind die Notierungen bereits klar unter die Februar-Hochs, sprich unter das Pendant von 7.028 im Dax, gefallen. Mit einem Verlust von 6,8% von Donnerstagshoch zum Freitagstief nahmen die Verkäufe schon fast crashartige Züge an. Darüber hinaus hat sich hier ein klarer Abwärtstrendkanal gebildet, dessen untere Begrenzung am Freitag zwar erreicht und erst einmal verteidigt wurde, was aber bislang kein ausreichendes Argument für eine Stabilisierung darstellt. Trauen Sie daher dem Dax momentan nicht zuviel Potenzial nach oben zu!
FAZIT UND EMPFEHLUNG:
Jetzt gilt erst recht: Langfristig ausgerichtete Anleger nutzen nun jede Aufwärtskorrektur zum Positionsabbau und/oder sichern sich bei steigenden Kursen durch eine kleine Put-Position ab. Verstärkter Abbau von Positionen unter 7.380 im Dax auf Schlusskursbasis.
Kurzfristig operierende Trader müssen sich darüber klar sein, dass sie mit engen Stopps binnen Minuten ausgestoppt sein können und weiter gesetzte Stopps brisante Verlustrisiken bergen. Die Trading-Chance Short bei Kursen unter 7.380 hat ihre Brisanz am Freitag gezeigt, nachdem der Dax nachbörslich einfach wieder über 7.400 lief. Es ist völlig unklar, ob dies per heute Wirkung zeigen wird. Ich wiederhole daher: Nur Trader mit beinharten Nerven sollten sich aktuell in den Markt wagen.
Kurzfristige Widerstände: 7.630, 7.750, 8.106
Kurzfristige Unterstützungen: 7.380 (noch nicht signifikant unterschritten), 7.028
Viel Erfolg und einen angenehmen Tag!
Ronald Gehrt

