"Moral Hazard"

in Traders Daily
vom


*** Noch ein interessanter Nachtrag zu Fannie und Freddy (Fannie Mae und Freddie Mac).

 

Das bemerkenswert schlechte Abschneiden dieser Unternehmen steht in auffälligem Kontrast zur Entwicklung der Bezüge der Firmenlenker:

Beispiel CEO („chief executive officer", entspricht in etwa dem Vorstandsvorsitzenden einer deutschen AG) von Fannie Mae.

 

Das ist der 48jährige Daniel Mudd.

 

Er kassierte im Jahr 2007 an Bezügen 13,4 Millionen Dollar. Das war ein Anstieg gegenüber dem Vorjahr um 7%. Und das in einem Jahr, in dem Fannie Mae bereits rote Zahlen schrieb, und der Aktienkurs 33% abgab.

 

Noch krasser die Entwicklung beim CEO von Freddie Mac:

 

Da konnte sich der CEO Dick Syron im vergangenen Jahr über Bezüge von 18,3 Millionen Dollar freuen. Ein Zuwachs von 25% gegenüber dem Vorjahr.

 

Dabei machte Freddie Mac alleine im dritten Quartal 2007 einen Verlust von rund 2 Mrd. Dollar. Wieso dann sogar noch ein Anstieg der Vorstandsbezüge?



Wenn ich solche Zahlen lese, wird mir unwohl. Da läuft doch etwas gewaltig schief...

 

*** Darüber habe ich gestern noch mit einem amerikanischen Freund diskutiert, beim Feierabendbier im örtlichen Biergarten.

 

Wir waren uns einig: Die Fed bzw. der amerikanische Steuerzahler sollten nicht jede aufgrund von unverantwortlichem Risikomanagement in Schwierigkeiten geratene amerikanische Bank retten.


Denn sonst kann es zu „moral hazard" kommen.


Was damit gemeint ist, konkret in Bezug auf die US-Banken:

Wenn diese wissen, dass im Falle des Scheiterns sowieso der Steuerzahler für ihre Verluste aufkommt - dann gehen sie überhöhte Risiken ein.

 

Und genau das ist ja offensichtlich in den letzten Monaten bzw. eigentlich schon den letzten beiden Jahren geschehen.

 

Dagegen würde helfen: Die Fed bzw. die US-Regierung lässt mal eine Bank, die besonders schlechtes Risiko-Management betrieben hat, Pleite gehen.

 

Vor diesem Hintergrund gefällt mir die Aussage von Ben Bernanke „No one is to obig to fail - niemand ist zu groß, um nicht scheitern zu können" recht gut. Denn sie soll andeuten, dass der Staat eben nicht automatisch einspringt.

Ok, bei Fannie Mae und Freddie Mac muss der Staat wirklich einspringen, es sind ja auch halbstaatliche Unternehmen. Und die sind auch wirklich das Rückrat des US-Hypothekenmarktes.

 

Aber wieso allen Banken das Signal geben, dass sie im Notfall staatlich gerettet werden?

Hier wäre eine „erzieherische Maßnahme" gar nicht schlecht.

 

Ist es nicht auch etwas ironisch, dass gerade Bankenvertreter dann, wenn sie in eine selbst verschuldete Krise geraten sind, nach dem Staat rufen - wo doch sonst alles der „freie Markt" regeln soll....

 

Mit herzlichem Gruß,

 

Ihr


Michael Vaupel


von
Michael Vaupel
Michael Vaupel

Michael Vaupel ist einer der führenden Rohstoff- und Derivate-Experten. Bereits während seiner Studienzeit hat er als Finanzjournalist und Analyst gearbeitet.

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