Money, Money, Money!
Klaus Buhl in Nebenwerte Daily zum Thema Nebenwerte
vom 15. September 2008, 17:00 Uhr
ENL5462
Blick nach vorne, nicht zurück!
Ohne die Folgen der Bankenkrise für die gesamte Weltwirtschaft verharmlosen zu wollen, sehe ich zum historischen Crash keine Parallelen, aber einen riesigen Unterschied: LIQUIDITÄT!!!
Alleine am frühen Montag haben die europäischen Notenbanken den Markt mit 30 Milliarden Euro frischem Geld versorgt. Damit soll die Abwicklung des Hauptproblems der Lehman-Pleite erleichtert werden, nämlich die Derivate der Bank. Auch die FED wird am Nachmittag den US-Markt mit schätzungsweise 70 Mrd. $ stützen. Aber auch die Geschäftsbanken waren nicht untätig und haben in einer Blitzaktion einen 70 Milliarden Fonds aufgelegt, mit dem sie sich gegenseitig stützen werden. Alle diese Maßnahmen werden meiner Meinung nach genügend Liquidität und Vertrauen bereitstellen, um einen echten Crash zu verhindern. Übrigens entscheidet am Dienstag die FED turnusmässig über die Veränderung des Zinssatzes. Einige Marktteilnehmer erwarten hier eine Zinslockerung, obwohl die Märkte bis dahin bereits ausreichend mit Liquidität versorgt sein sollten. Die Wetten am Terminmarkt deuten mittlerweile auf eine Zinssenkung. Obwohl ich kürzlich noch skeptisch gegenüber Lockerungen war, haben sich die Parameter dafür stark verschoben. Denn durch das Platzen der Öl-Blase und den Preisrückgang bei den meisten Rohstoffen hat hier die FED wieder einigen Spielraum. Die schnell sinkenden Inflationsdaten bei den Erzeugerpreisen haben dies in der vergangenen Woche deutlich gezeigt. Auch der wieder stärkere Dollar würde eine Maßnahme der FED flankieren.
Die FED gewinnt Vertrauen zurück
Diese Aussage könnte Sie erstaunen, ich halte es aber für wahrscheinlich, dass die FED gestärkt aus dieser Krise hervorgehen wird. Denn jetzt wird, entgegen der Erwartung der Kritiker, die Akte Lehman" nicht durch staatliche Hilfe sozialisiert. Es wird eben keinen neuen Fall von Sozialismus für die Reichen geben"! Dahinter steht die klare Aussage, dass das US-Finanzystem stark genug für eine Bankpleite vom Kaliber Lehman ist. Diese Botschaft könnte auch den Dollar weiter stabilisieren helfen. Ansonsten würde der Greenback" allmählich seine Funktion als Krisenwährung verlieren, was nicht zuletzt das Vertrauen der amerikanischen Bevölkerung untergraben würde. Meiner Meinung nach reichen die konzertierten Maßnahmen der Notenbanken aus, um einen Kollaps des Finanzsystems zu verhindern. Obwohl ich kein Zyniker bin, darf man die Resultate des Wochenendes auch einmal praktisch betrachten. Von fünf führenden Banken bleiben uns noch zwei erhalten und die Bankenlandschaft bereinigt sich! Ganz nebenbei ist auch durch die Übernahme von Countrywide und die quasi-Verstaatlichung von Fannie und Freddie der Hypothekenmarkt stark bereinigt. Sollte sich irgendwann die Lage endlich wieder normalisieren, werden die verbliebenen Geschäftsbanken den Markt unter sich aufteilen. Mir persönlich ist es viel lieber, wenn dann diejenigen Banken profitieren, die am Hypothekenmarkt etwas vorausschauender und weniger gierig agiert haben. Und nicht diejenigen, die während der jetzigen hektischen Rettungsaktionen die besten Kontakte in Washington haben.
Nicht zuletzt die nach der Bear-Stearnes-Misere geschaffenen Möglichkeiten für Geschäftsbanken, sich unproblematisch bei der FED Liquidität zu beschaffen, werden nun greifen und den Markt stützen.
Aber auch die Psychologie der hartgesottenen Börsianer könnte die zittrigen nun überraschen. Ich würde mich nämlich nicht wundern, wenn sich der Rauch erst in zwei bis drei Tagen verzogen hat, dass wir heute das zyklische Tief sehen, auf das viele Investoren seit langem warten. Schließlich wollen wir ja alle am Tief kaufen, was aber nur den wenigsten gelingt.
Mit ein wenig Glück haben wir heute den Sell-Out" gesehen, der den Markt bereinigt!
Sollten wir heute oberhalb von 6.000 Punkten im DAX schließen, wäre das ein gutes Zeichen. Ansonsten liegen die nächsten Unterstützungen bei etwa 5.850 und 5.550 Punkten!
Warten wir es ab und halten nicht als erste unsere Ersparnisse ins Höllenfeuer"!
Trotz der Aufregung wünsche ich Ihnen gute Nerven und eine angenehme Woche!
Mit herzlichen Grüßen
Ihr Klaus Buhl
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