Momente, in denen der Lärm des Geldes verstummt
unserem Korrespondenten Bill Bonner in Investors Daily
vom 02. Oktober 2003 18:00 Uhr
ENL5454
*** Die Zahlen zu Wirtschaftswachstum, Produktivität und Aktienkursen sind meiner Meinung nach nicht mehr als attraktive Nervensägen; sie sind eine Einladung zu Verletzungen, denn sie sprechen derzeit dafür, dass die Dinge besser sind, als sie es wirklich sind.
Die Zahlen vom Arbeitsmarkt sprechen eine andere Sprache, eine sehr viel pessimistischere.
"Der schwache Arbeitsmarkt bedroht die Erholung und wahrscheinlich produziert er auch die Deflationsängste der Fed", so Bob Reid im Barron's Magazin. Obwohl man dem Arbeitsmarkt oft vorwirft, dass er ein nachlaufender Indikator ist (also einer, der erst mit einer Zeitverzögerung von einigen Monaten die tatsächliche Lage widerspiegelt), ist die fortgesetzte Trägheit bei der Nachfrage nach Arbeit kein normales zyklisches Phänomen.
Warum gibt es so wenig neue Jobs?
Weil es keine reale Erholung gibt.
Warum gibt es keine reale Erholung?
Weil es keine wirkliche Rezession gab, von der man sich erholen könnte; die Konsumausgaben und das Schuldenmachen sind während der letzten "Rezession" und danach weitergegangen und sogar gestiegen.
Warum gab es keine reale Rezession?
Weil die Fed und die US-Administration alles versucht haben, das zu vermeiden; die kurzfristigen Zinssätze wurden unter die Inflationsrate gesenkt ... was bedeutet, dass die realen Kosten zum Leihen von Geld negativ geworden sind ... und die US-Bundesregierung hat den größten Wechsel aller Zeiten beim Staatshaushalt hinbekommen – von einem Überschuss hin zu einem Rekord-Defizit.
Sollten Fed und US-Regierung nicht genau das machen?
Laut den meisten Ökonomen ja. Aber die meisten Ökonomen liegen falsch. Wie wir gesehen haben, liebe(r) Leser(in), war das wirkliche Problem der Wirtschaft nicht, dass die Kosten des Geldes (bestimmt durch Zinssätzen und Geldpolitik) zu hoch waren ... sondern dass sie zu niedrig waren. Dadurch, dass das Geld so billig war, wurde die Situation nur verschlimmert und der Tag des Erwachens verzögert.
Zumindest sehe ich das so.
Könnte ich damit Unrecht haben?
Ja.
*** "Wie war die Beerdigung?" fragte ich meine Frau gestern Abend.
"Es war sehr, sehr traurig. Die ganze Stadt war da (mein Freund Guilleaume ist der Bürgermeister von Montmorillon; seine Tochter starb letztes Wochenende bei einem Autounfall). Sie waren von Freunden und Verwandten umringt ... aber was kann man sagen?"
Man hätte ihnen sagen können, dass sie gerade im Lotto gewonnen oder eine Million Euro verloren hätten – es wäre ihnen egal gewesen. Es gibt Zeiten im Leben, wenn der Kummer so klar spricht; plötzlich ist der Lärm des Geldes völlig uninteressant.
Ein neuer Freund von mir, Byron, hat mir dies geschrieben:
"Deine Bemerkungen über den Tod eines jungen Mädchens haben mich dazu gebracht, über andere Zeiten und Umstände nachzudenken, als das Schicksal einen leeren Stuhl am Familientisch hinterlassen hat."
"Wenn das Telefon mitten in der Nacht klingelt, dann sind das selten gute Neuigkeiten. 'Irgendetwas ist passiert. Die Dinge haben sich verschlechtert. Kannst Du schnell hier sein?' Und wenn man dann von dort, wo man ist, dahin, wo man sein soll, hinfährt, dann gehen einem viele Gedanken durch den Kopf. Man ist zuerst ungläubig, dann hat man Angst, dann Wut, Frustration, vielleicht Verzweiflung. 'Wenn nur ...', denkt man. 'Aber was ist mit ...', fragt man sich. 'Vielleicht kann jemand was tun ...', hofft man. 'Aber was tun?' ist die Frage, auf die es zu diesem bestimmten Zeitpunkt keine Antwort gibt."
"Alles, was man wirklich tun kann, ist hoffen. Es gibt Dinge, die einfach außerhalb Deinen Händen liegen, außerhalb Deiner Kontrolle. Das Schicksal wird seinen Weg nehmen. Ob es Dein Vater ist, der an Krebs stirbt. Oder ein alter Freund an Aids. Oder ein Kumpel, der mit seinem Motorrad frontal auf der Straße mit einem Wagen zusammenstößt, der gerade jemanden überholen wollte. Oder der kleine Junge auf der Straße, der Freund Deiner Kinder, mit einem nicht operierbaren Gehirntumor. Man erinnert sich an die Zeiten, die man zusammen verbracht hat, und man hofft, dass die letzten Minuten des gerade Verstorbenen nicht zu schlimm waren, und dass er oder sie nicht leiden mussten. Und irgendwie tut es einem leid. Es tut einem leid, ... alles, das man für diese Person getan hat und die Zeit, die man mit ihr verbracht hat ... dass man nicht noch mehr getan hat. Und man hofft, wenn man gegenüber dem/der anderen einen Fehler begangen hat und man es weiß und es einem leid tut, dass es einen besseren Platz jenseits des Flusses gibt. Und so etwas führt dazu, dass man selbst ein besserer Mensch sein will."
"Die Leute sagen, dass Gott auf mysteriöse Weise arbeitet. Man sagt, dass er die Gerechtigkeit belohnt und die Ungerechtigkeit bestraft. Aber es sieht so aus, dass viele, die leben, ihre wertvolle Zeit auf der Erde verschwenden, und man fragt sich, ob es dafür später eine Strafe geben wird. Und viele, die sterben – besonders die, die jung sterben – verdienen das Leben, zumindest denke ich so. Wir wissen, was wir wissen, aber können wir wirklich verstehen? Lesen Sie in der Bibel bei Jesaja 53 nach:"
"Aber wer glaubt dem, was uns verkündet wurde, und wem ist der Arm des Herrn offenbart? Er schoss auf vor ihm wie ein Reis und wie eine Wurzel aus dürrem Erdreich. Er hatte keine Gestalt und Hoheit. Wir sahen ihn, aber da war keine Gestalt, die uns gefallen hätte. Er war der Allerverachtetste und Unwerteste, voller Schmerzen und Krankheit. Er war so verachtet, dass man das Angesicht vor ihm verbarg; darum haben wir ihn für nichts geachtet. Fürwahr, er trug unsre Krankheit und lud auf sich unsere Schmerzen. Wir aber hielten ihn für den, der geplagt und von Gott geschlagen und gemartert wäre."