Möget ihr in interessanten Zeiten leben
Patrick Cox in Traders Daily
vom 17. Juli 2009, 12:00 Uhr
ENL5454
Sie kennen vielleicht den alten chinesischen Fluch „Möget ihr in interessanten Zeiten leben!" Ich habe ihn zum ersten Mal vor 30 Jahren von einem Wirtschaftsprofessor gehört - er war sogar mein Mentor. Er hat sich mit den Problemen auseinander gesetzt, die die österreichischen Wirtschaftsmodelle für den Fall vorhersagen, dass das Bankenwesen von der Regierung kontrolliert wird.
Ich weiß, es gibt Politiker und Schreiberlinge, die die Schuld an der Finanzkrise einem „Mangel an Regulierung" zuschreiben. Offen gestanden, jeder der das sagt, hat den Intelligenztest nicht bestanden - und vielleicht auch den Ethiktest nicht. Was auch immer der praktische Nutzen, so ist das amerikanische Bankensystem nach wie vor eine Branche der Bundesregierung. Das ist es schon seit Jahrzehnten.
Ohne die Garantien der Regierung, gedeckt von den Steuerzahlern, hätten Fannie Mae und Freddie Mac niemals ein solches Maß an Vertrauen von den Anlegern erzielen können, wie sie haben. Die Kredite am unteren Ende der Skala und die Immobilienblase hätten anders nie finanziert werden können.
Und auch die Politiker hätten nicht den Hebel gehabt, um die Banken dazu zu drängen, schlechte Kredite anzubieten. Und was vermutlich am wichtigsten ist, die Finanzunternehmen hätten keinen Grund gehabt, gewaltige Beiträge zu den Wahlkampagnen beizusteuern und bequeme Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen für die politischen Klassen.
Die Bankenkrise ist momentan aber nicht meine erste Sorge. Es ist trotz zahlreicher und jahrelanger Warnungen von vernünftigen Ökonomen und Kommentatoren dazu gekommen. Und sie wird vorübergehen. Es ist ein strukturelles Problem und die Umstrukturierung geht auch im Moment vor sich.
Die so genannte Rettung wird das Entstehen neuer Institutionen verzögern, aber sie wird es nicht aufhalten können. Alternative Institutionen werden entstehen, die viele der vergangenen Fehler vermeiden werden. Einige davon werden sich vermutlich im Ausland befinden. Sogar Wladimir Putin spricht von einer auf Metallen basierenden Währung. Es ist ein ironischer Beweis, dass andere die Lektionen lernen, die unsere politische Klasse vergessen hat.
Meine momentane Sorge gilt dem Bundeshaushalt und den fortgesetzten Defiziten. Diese neue Expansion von Regierungsausgaben und Schulden ist kein einmaliges Ereignis, das der Markt reparieren kann. Dem Haushaltsbüro des Kongresses zufolge, haben sich die jährlichen Defizite vervierfacht. Unabhängige Ökonomen des Haushaltsbüros prognostizieren, dass sie sich in einem Jahrzehnt auf einem Niveau von ungefähr dem Dreifachen des Niveaus aus der Zeit vor dem Konjunkturprogramm einpendeln werden.
Um offen zu sein, habe ich vergessen, die Größe dieser kommenden Steigerungen des Haushalts vorherzusagen. Ich rechnete mit Anstiegen und habe dem Kandidaten Obama nie geglaubt, als er versprach, dass er die Ausgaben senken würde. Ich habe aber auch nie erwartet, dass er sie in diesem Ausmaß steigern würde.
Es ist jedoch unvermeidlich, dass dieses Ausgabenniveau gesenkt werden wird. Es wird aus einer ganzen Reihe von Gründen passieren. Zum einen wird ein solches Niveau das Wirtschaftswachstum hemmen, an das die Amerikaner gewohnt sind. Es wird die Produktivität lähmen und die Einnahmen aus den Steuern reduzieren. Wie immer in der Vergangenheit wird dies das politische Pendel von einem großen Staat wegschwingen lassen.
Entsprechend sind die Behauptungen, dass die Steigerung der Ausgaben entweder Rettung oder Stimulierung seien, Unsinn. Niemand hat jemals ernsthaft versucht, zu erklären, wie Ausgaben, die nicht aktuell stattfinden, die Wirtschaft auf kurze Sicht stimulieren sollen. Dennoch werden weniger als 24% des Konjunkturprogramms in diesem Jahr eingesetzt. Die weiteren 76% werden nichts anderes stimulieren können, als die Befürworter von Staatsausgaben.