Moderne Kommunikation und Aktienmärkte
Bill Bonner in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 26. August 2010, 07:30 Uhr
ENL5462
Ich möchte heute das Thema moderne Kommunikation und Aktienmärkte" ansprechen. Der Einfluss der modernen Kommunikationsmittel auf die Verhaltensweise der Privatanleger kann kaum überschätzt werden.
So sorgten z.B. die Sendungen, die die Geschäfte der Wall Street seit Anfang der neunziger Jahre in zunehmendem Maße in die Haushalte trugen, dafür, dass der Aktienmarkt immer stärker und oft mit übertriebenen Verheißungen in das öffentliche Bewusstsein rückte. Ohne das Büro oder gar das Bett verlassen zu müssen, konnte ein Investor sich dem heiligen Schauer des Handels hingeben, als ob er sich auf dem Börsenparkett selbst befunden hätte.
Der große Verdienst des Internet war, dass es den Menschen erlaubte, sich einzurühren in den großen Topf, der gefüllt war, mit den Gedanken und Gefühlen einer öffentlichen Masse... und diese geschmacklich auch beeinflussen zu können.
Mitte der Neunziger waren Tausende davon überzeugt, dass man mit dem täglichen Aktienhandel von ihren Arbeits- oder Heimcomputern aus reich werden könne. Der Service des 24-Stunden-Chat erlaubte es den Menschen, egal von welchem Punkt der Erde aus, an den haarsträubendsten Hetzkampagnen teilzunehmen. Sie konnten sich aufregen über die Monika Lewinsky Affäre, über Enron oder über irgendetwas anderes und fühlten sich dabei, als befänden sie sich persönlich in den Tuilerien während der Französischen Revolution. Sie konnten sich dem Mob anschließen, ohne das Haus zu verlassen!
Weit hallte das Wort vom Internet, das die Menschen schlauer machen würde, weil es beinahe ungehemmten Zugang zu Informationen gewähre.
Was es WIRKLICH bewirkte war, dass sich der Mensch zusehends im Gleichklang der Masse bewegte - denn plötzlich wurden seine eigenen ganz persönlichen Gedanken im Internetuniversum zu Mikroteilchen pulverisiert. Der Einzelne hätte seine ganz persönlichen Erfahrungen, ob nun gute oder schlechte, mit dem Internet gemacht. Doch einmal angeschlossen, verzichtete er, überwältigt vom Gefühl der kollektiven Empfindung, auf die Verfertigung seiner Gedanken aufgrund des eigenen Erfahrungsschatzes. Doch hat man erst einmal den Gesang der Sirenen gehört, ist es schwer, ihm zu widerstehen, egal wie misstönend er in Wirklichkeit sein mag.
Wir befinden uns weiterhin im Zeitalter der Massen...
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Gunter Held (26.08. 2010 09:10 Uhr):
Danke Bill Bonner ! Ihre erfrischenden Kommentare als Querdenker helfen, abseits der Hammelherde, eigene Pfade zu finden.
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