Mobilcom 3. Akt "Rettung vor Insolvenz?"
Jochen Steffens in Investors Daily
vom 16. September 2002 18:00 Uhr
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Natürlich, es war unschön von der France Telekom, ihren Rückzug so kurz vor der Wahl anzukündigen. So ist es nicht verwunderlich, dass sich die SPD Regierung zum Handeln veranlasst gesehen hat. Die Frage ist, ob es sinnvoll ist, ob es wirklich eine Insolvenz vermeiden kann.
Laut Schröder hat Mobilcom "hohe Schadensersatzansprüche" gegenüber der France Telekom. Sollten diese rechtlich Bestand haben, könnte die daraus fließenden Mittelzuflüsse einen weiteren wichtigen Punkt für eine Fortführung der Mobilcom Geschäftstätigkeit erschließen. Bevor jedoch rechtlich Schritte eingeleitet werden, solle es zu Verhandlungen mit der französischen Regierung kommen. Schröder hatte heute morgen schon erste Gespräche mit dem französischen Präsidialamt geführt. Sowohl Schröder, wie auch Schmid hatten sich davon überzeugt gezeigt, dass die France Telekom für die Schulden in Höhe von 6 Mrd Euro gerade stehen müssen.
Unlängst war jedoch zu erfahren, dass die Erfüllung der Schadensersatzforderung France Telekom letztendlich preiswerter zu stehen komme, als die Fortführung des Mobilcoms Engagement. Das war wohl auch der Grund, warum sie sich am Donnerstag zu einem Rückzug aus dem Geschäft entschlossen hatten.
In einer Pressekonferenz legte Schröder Wert darauf zu betonen, dass es sich bei den zugesagten Hilfen für den Konzern in Höhe von 400 Mio Euro um "bankübliche Darlehen" und nicht um eine staatliche Intervention handle. Damit wollte er, wie es Angela Merkel ausdrückte: "den schalen Beigeschmack, dass hier wieder aus wahltaktischen Erwägungen schnell geholfen wird" vorbeugen.
Gewinner ist natürlich Gerhard Schmid, Mehrheitsaktionär und Firmengründer. Er kommentierte seine Freude mit den Worten: "Mobilcom befinde sich nun nach Zusage der staatlichen Millionenhilfe in einer "Position der Stärke". Damit ist sicherlich die Rückendeckung durch die Regierung gemeint.
Bundeswirtschaftsminister Müller versicherte, dass es sich bei Mobilcom um ein kerngesundes Unternehmen handle, die Zahlungsfähigkeit sei mit der finanziellen Zusage bis weit ins nächste Jahr hinein gesichert.
Vorstandsmitglied Thorsten Grenz beeilte sich dann auch drei Strategien aus dem Hut zu zaubern, um das Unternehmen weiterhin im UMTS-Geschäft halten zu können.
Als erstes sei eine Kooperation mit einem deutschen Telekom Unternehmen denkbar, dass noch nicht am Markt sei. Dann sei eine Zusammenarbeit mit einem kleinerem "der heutigen Netzbetreiber in Deutschland" möglich. Als letzte Möglichkeit gäbe es den Aufbau des Netzes aus eigener Kraft, was zu einer Netzabdeckung zwischen 50 und 60 Prozent führen könnte. Um eine flächendeckende UMTS-Abdeckung erreichen zu können, würden dann Roaming-Verträge mit anderen Unternehmen eingegangen. Bei den Analysten bestehen hingegen Zweifel, ob ein Engagement in UMTS aufrechterhalten werden kann. Mobilcom solle sich nun wieder auf das Reseller Geschäft konzentriere. Das könnte diese Firma retten.
Wie gesagt, schade, dass France Telekom nicht bis nach der Wahl warten konnte. Ohne wahltaktische Einflüsse wäre besser abzusehen, wo der Weg hingehe ... So lässt sich noch nicht abschließend klären, ob es sich tatsächlich um wahltaktisches Kalkül oder eine vernünftige Hilfe handelt. Zu viele Unsicherheitsfaktoren sind noch zu klären. Der Kurs beruhigte sich bei ca 3,20 € knapp 200 % höher als der Schlusskurs am Freitag.
Kurz möchte ich anführen, dass natürlich die Netzwerkausrüster ganz besonders unter dieser Krise bei Mobilcom leiden könnten, die auch Folge der große Krise in der gesamten Telekommunikationsbranche ist. Das sind unter anderem die Techniklieferanten Nokia, Ericsson, Motorola, Nortel und Lucent. Nokia kann diese Verluste mit den hohen Gewinnen aus anderen Segmenten, z.B. Handyherstellung ausgleichen. Auf die Schwierigkeiten bei Ericsson und Sony hatte ich bereits hingewiesen, ebenso wie bei Lucent.
Aber ich hatte auch darauf hingewiesen, dass mehrere große Institutionelle ihre Hightechsinvests zu Gunsten der Telekomunternehmen umschichten. Hier wird also damit gerechnet, dass dort der Boden erreicht wird.