MLP bleibt im Dax
Jochen Steffens in Investors Daily zum Thema Dax 30
vom 12. Februar 2003 18:00 Uhr
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Der Finanzdienstleiter MLP (WKN 656990), der im letzten Jahr durch viele Skandale zu trauriger Berühmtheit gelangt ist, hat nun seine Zahlen vorgelegt und damit die Anleger vergrault. Dabei war MLP gestern noch dem Rausschmiss aus dem Dax knapp entgangen. Eigentlich waren viele Trader in diesem Fall von steigenden Kursen ausgegangen. Aber es ist wie so oft: An den Börsen kommt es erstens anders und zweitens als man denkt.
So meldete MLP heute, dass letztes Jahr ein Verlust in Höhe von 114,5 Mio. Euro nach einem Gewinn von 150 Mio Euro im Vorjahr zu verzeichnen gewesen sei. Damit wurden sowohl die eigenen Prognosen als auch die der Analysten, die von einem Vorsteuerergebnis in Höhe von 85 Mio Euro ausgegangen waren, deutlich verfehlt. MLP wies jedoch darauf hin, dass in diesem Ergebnis nicht die Erlöse aus dem Verkauf der MLP-Lebensversicherung Wien in Höhe von 85 Mio € enthalten sein.
Als Grund für das überraschend schlechte Ergebnis wird eine neue Bilanzierungspraxis angegeben. Aufgrund der Medienkritik wurden viele Bilanzpositionen konservativer bewertet. So sei das Ergebnis durch Rückstellungen, Risikovorsorge und Wertberichtigungen in Höhe von 145,6 Mio Euro belastet worden. Dadurch hat MLP allein im vierten Quartal einen Vorsteuerverlust von 175,3 Mio Euro ausgewiesen, nach einem Gewinn von 81,8 Mio Euro im Vorjahresquartal. Die Erlöse seien hingegen mit 1,06 Mrd Euro gleich geblieben.
Das Geschäft mir Finanzierungen verschlechterte sich um 21 % auf 888 Mio Euro. Besser ist es bei der Vermittlung von Kranken- und Lebensversicherungen gelaufen. Hier ist die Beitragssumme um 5 % gestiegen.
Beim Ausblick auf das laufende Geschäftsjahr 2003 zeigt sich MLP nun auch konservativer und gibt nur einen verhaltenen Ausblick: Das Unternehmen erwartet ein Vorsteuerergebnis von mindestens 65 Mio. Euro.
Im Prinzip muss man MLP für diesen gewagten Schritt gratulieren. Tatsächlich könnte hier ein Anfang zu neuem Vertrauen in die Aktie gewagt worden sein. So wird sich in den nächsten Jahren zeigen, ob das Geschäftsmodell tatsächlich tragfähig ist.
Schon fangen einige Analysten jedoch an, leise an dem Stuhl von Konzernchef Termühlen zu sägen. Schließlich war er es, der MLP mit geschickter Bilanzierungstaktik von Gewinn zu Gewinn getrieben hatte. Spätestens seit diesen Zahlen dürfte das bewiesen sein. Also sehen einige Analysten die Gefahr, dass Termühlen wieder "rückfällig" werden könnte, frei nach dem Motto: Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht. Man kann es jedoch auch anders sehen: Gebranntes Kind scheut das Feuer.
In 3 Monaten wird erneut über die Dax-Zusammensetzung entschieden. Für MLP wäre es sicherlich besser gewesen abzusteigen, dann hätten Sie nach dieser Bilanzierungsbereinigung vielleicht eine kleine Position aufbauen können. So bleibt das Damoklesschwert "Daxabstieg", dass die Aktie zu sehr zu einer Zockeraktie macht. Schade eigentlich: Kein Kauf.