Mitleid mit Bernanke
Bill Bonner in Investors Daily
vom 04. November 2005 18:00 Uhr
ENL5454
Ich habe Mitleid mit Bernanke. Als damals Paul Volcker, der Vorgänger von Alan Greenspan, die Fed übernahm, war seine Mission klar: Die Fehler der vorangegangenen Fed-Vorsitzenden rückgängig machen. Als Greenspan übernahm, war der Bullenmarkt der Anleihen, den Volcker gestartet hatte, immer noch stark. Das einzige was Greenspan zu tun hatte, war, die Sache nicht zu verbocken.
Und jetzt kommt Bernanke und die Situation ist eine völlig andere. Der Bullenmarkt der Anleihen scheint vorbei zu sein. Die Renditen der 10jährigen Anleihen sind weiter gestiegen. Und all die Dinge, die so dringend einer Korrektur bedurften, als Volker zur Fed kam, sind heute so weit in die andere Richtung gegangen, dass sie bereit sind für eine Umkehrung. Aktien werden für Kurs-Gewinn-Verhältnisse von 20 verkauft. Immobilienpreise sind so stark gestiegen, dass sich jemand mit einem durchschnittlichen Verdiener kein gewöhnliches Haus mehr leisten kann. Immobilien könnten (selbst bei den sehr niedrigen nominalen Zinssätzen) noch die nächsten 20 Jahre steigen, und nicht fallen, so wie sie es in den letzten 24 Jahren getan haben.
Bernanke sieht seine Aufgabe darin, den Boom andauern zu lassen, den Alan Greenspan geschaffen haben soll. In der London Times beschreibt Anatole Kaletsky die Fußstapfen, in die Bernanke jetzt treten will: "Mr. Greenspan wird zusammen mit seinem Vorgänger Volker und, wenn alles gut geht, auch mit dem gerade angekündigten Nachfolger Bernanke, auf dem Ehrenpodest stehen, wenn zukünftige Historiker versuchen werden, die Verwandlung der soliden, goldenen Welt von Midas und Mammon in die moderne globale Wirtschaft zu beschreiben, in der vollständig wertlose Papierstückchen und kodierte elektronische Signale ausreichen, um alle materiellen Träume und Bestrebungen zu ersetzten und Milliarden von Menschen dauerhaft in ihren Bann schlagen."
Ich glaube jedoch nicht, dass dieser Mann selbst mit einer modernen deutschen Druckerpresse in der Lage wäre, das zu tun.