Mit Sicherheit
Bill Bonner in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 29. Oktober 2007 07:30 Uhr
ENL5454
Ich fragte mich, was passiert ist ... ich meine, was ist schief gelaufen? Wie ist es dazu gekommen?“
Wir standen vor der amerikanischen Botschaft in Buenos Aires. Vermutlich ist die Botschaft das scheußlichste Gebäude in der ganzen Stadt. Ein monströses Gebilde, es sieht so aus, als sei es von Josef Stalin entworfen worden - mit massiven, bombensicheren Wänden ... braunen Zement ... und einem Wald von Antennen, der sich auf dem Dach erhebt.
Die Botschaften sollen den Fremden ein Gefühl von dem geben, wie das Land ist … und wie es sein soll. Wenn dem so ist, dann steckt Amerika in Schwierigkeiten ... die amerikanische Botschaft sieht aus wie ein Gefängnis.
“Es scheint so, als hätten wir einige gewaltige Veränderungen durchgemacht“, sagte mein Cousin. „Als ich aufwuchs, hatte man noch nicht so viel Angst vor allem.“
Wir sind ohne Helme mit unseren Fahrrädern den Hang hinuntergefahren ... und ohne GPS-Implantate. Wenn wir uns verirrt hatten, dann sind wir immer davon ausgegangen, dass man einen Fremden nach dem Weg fragen kann; womöglich würde er uns sogar nach Hause fahren.
Wir sind auch in den Flüssen geschwommen … zwischen all den darauf treibenden Bierdosen und Quallen. Niemand hat sich je über die Gesundheitsrisiken Gedanken gemacht. Wir sind ohne Sicherheitsgurt Auto gefahren. Wir haben auf dem gefrorenen Fluss Eishockey gespielt. In einem Winter ist der See zugefroren, und ein Schulbusfahrer hat sich entschlossen, lieber über das Eis zu fahren, als den ganzen Weg außen herum. Heute frieren die Seen nicht mehr zu ... und den Busfahrer würde man verhaften.
“Und was mir auch auffällt ist”, fuhr er fort, “dass die Leute heute keine Zeit mehr haben. Sie sind so damit beschäftigt, Geld zu verdienen und all die anderen Dinge zu tun, von denen sie glauben, dass sie sie tun müssen. Ich kann mich noch erinnern, dass ich in einem Sommer unten an der Werft gearbeitet habe ... das muss in den frühen Sechzigern gewesen sein. Nun, manchmal haben wir ganz einfach überhaupt nicht gearbeitet. Natürlich haben wir dann auch kein Geld verdient. Aber es schien nicht so, als würden wir so viel Geld brauchen.“
“Dann kam jemand mit seinem Boot, an dem irgendetwas gemach werden musste und der alte Captain Crandall, dem der Betrieb gehörte, erzählte ihm einfach, dass wir zu viel zu tun hätten, obwohl es in Wirklichkeit nichts zu tun gab. Manchmal saßen wir einfach nur rum und unterhielten uns ... oder angelten am Pier ... oder sind, wenn die Jagdsaison begann, einfach jagen gegangen. Heute geben sie einem nicht einmal mehr einen einzigen Tag.“
Einmal habe ich gegenüber den Lesern, die schon länger unter diesem Newsletter leiden, nahegelegt, dass Geld nicht alles ist. Und dass nicht jeder die Effizienz maximieren will, mit der man die ganze Zeit Geld verdient. Die Leute haben häufig anderen Wünsche und Ziele – oft gut versteckt, selbst vor sich selbst. Ich habe auch die Meinung vertreten, dass die Leute weder gut noch schlecht sind, sondern Opfer der Beeinflussung. Und unter dem Einfluss der modernen Wirtschaft fangen die Leute seltsamerweise mehr zu handeln an, als die Wirtschaftler sagen würden, dass sie handeln sollten. Das soll heißen, dass je mehr die Wirtschaftler – und die Medien – den Leuten sagen, dass sie sich um ihr Geld Gedanken machen sollen, desto mehr machen sie sich um ihr Geld Gedanken. Je öfter man ihnen sagt, dass sie ihre Zeit effizient nutzen sollen, um ihre Einkünfte zu maximieren, desto mehr neigen sie dazu, genau das zu tun. Und je häufiger man ihnen die großen Katastrophen dieser großen schlechten Welt zeigt ... desto eifriger sind sie bemüht, sich zu schützen.
Die Leute fangen an, logischer zu handeln ... und das Leben verliert seine anmutige Einfachheit.