Mit Schrott Geld verdienen
Michael Vaupel in Traders Daily
vom 20. Juni 2005 12:00 Uhr
ENL5454
Trader's Daily-Leser Hans von S. fragt:
"Eines verstehe ich nicht, aber die Tatsachen stimmen: die Stahlindustrie verlangt von uns für Baustahlgewebe kurzfristig 10 % mehr und begründet das mit den Verhältnissen. Parallel dazu habe ich eine andere Firma, wo erhebliche Mengen Stahlschrott anfallen. Bisher gab es dafür richtig Geld. Jetzt – urplötzlich – will die Industrie dafür nichts mehr bezahlen sondern wir sollen für die Abfuhr jedes Containers ca. 60 Euro bezahlen. Also scheint der Schrottmarkt doch zusammengebrochen zu sein. Haben Sie die Möglichkeit, das zu prüfen. Oder haben wir es hier mit einer örtlichen Preisabsprache zu tun? Dann wäre ich interessiert, einen anderen Abnehmer zu finden."
Meine Antwort:
Ich rate Ihnen, umgehend nach einem anderen Abnehmer für den Stahlschrott zu suchen!
Denn Stahlschrott ist auf dem Weltmarkt sehr gefragt, bringt mindestens 200 Euro je Tonne ein. Wer kauft denn Stahlschrott? Wieder einmal China!
China kauft ja praktisch alles, was es an Rohstoffen und Rohwaren auf dem Weltmarkt zu kaufen gibt.
Aktuell kauft China jährlich z.B.
- 7-8 % der weltweiten Erdölproduktion
- 25 % der weltweiten Aluminiumherstellung
- 40 % der weltweiten Zementproduktion
- 25 % aller Industriemetalle (vor 20 Jahren waren es erst 5 %)
Und eben auch Stahlschrott! Habe dazu letztens noch eine Analyse gelesen. Die genauen Zahlen habe ich gerade nicht parat, aber ich erinnere mich daran, dass sich der Preis für Stahlschrott seit der Jahrtausendwende mehr als verdoppelt hat.
Daran wird sich meiner Einschätzung nach nichts ändern, da der Bullenmarkt bei Rohstoffen/Rohwaren weiterhin anhält (ja eigentlich gerade erst so richtig beginnt, ein Überhitzen ist noch weit entfernt). Nicht ohne Grund sind ja Rohstoffe aktuell meine Lieblingsanlagekategorie.
Da sollte sich doch ein Abnehmer für Stahlschrott finden, der nicht für die Abfuhr Geld verlangt – sondern im Gegenteil einen fairen Preis zahlt.
Ich wünsche Ihnen eine erfolgreiche Woche!
Michael Vaupel