Jürgen Nowacki in Investoren Wissen zum Thema Chartanalyse
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Die landläufige Börsenweisheit „Gaps werden geschlossen" stimmt für gewöhnliche Kurslücken nur bedingt. Wer sich mit dem Informationsgehalt von Kurslücken in Verbindung mit Volumendaten und Chartformationen auseinandersetzt, kann wertvolle Hinweise für die weitere Kursentwicklung gewinnen.
In den letzten beiden Tagen haben wir uns mit Ausbruchs-GAPs und gewöhnlichen GAPs befasst. Am interessantesten erscheint mir aber die Erschöpfungslücke zu sein und ich werde Ihnen in den nächsten 3 Minuten sagen warum.
Wie oft, liebe Leser, ist es Ihnen passiert, dass der DAX morgens mit einem Kurssprung eröffnete und Sie das Gefühl hatten, etwas zu verpassen?
Mit der Technik, die ich Ihnen gleich zeige, können Sie zukünftig leichter unterscheiden, ob es sich lohnt, dem Markt hinterherzulaufen, oder ob es aussichtsreicher ist, sich gegen den Nachfrageüberhang zu stellen und zu verkaufen. Am besten klappt das, wenn Sie Erschöpfungslücken identifizieren. Wenn alle Ihre Kursziele erreicht wurden, Ausbruchs- und Fortsetzungslücke bereits vorgekommen sind, dann erwarten Sie die Erschöpfungslücke - wie am Montag, dem 11. Juni im Gold. Erschöpfungslücken sind so etwas wie das letzte Aufbäumen im Markt. Die Marktteilnehmer wurden über Monate hinweg immer wieder mit den gleichen verheißungsvollen Formeln gefüttert, wie: Gold sei der beste Schutz gegen Inflation und stelle eine neue Währung dar oder man müsse Gold haben. Ähnlich war es 1999, als die Medien täglich den Babyboomer zitierten, der Aktien als Altersversorgung kaufe usw. Irgendwann aber ändert sich die Meinung. Während die Anhänger der fundamentalen Notwendigkeiten immer wieder Gold kaufen, sind es die Charttechniker, die darauf warten, dass alle Investoren an Bord sind und eine immer geringer werdende Anzahl von Neueinsteigern das ambitionierte Kursniveau nicht mehr oben halten kann.
Diese an sich einfache Logik können Sie im Chart finden. Aber wonach suchen wir genau?
Dazu betrachten wir uns den Chart von Delta Air Lines, Inc. und gehen nach dem Ausschlussprinzip vor. Wenn Sie die rechte Charthälfte einmal abdecken, also bis zum oberen Kursabriss, und jetzt einmal hinterfragen, ob es sich auf diesem Niveau, nach dem vorherigen Kursanstieg um ein Ausbruchs-Gap handeln könnte, werden Sie schnell zum Schluss kommen, dass es sich hier nicht um ein Ausbruchs-GAP handeln kann. Bleibt also nur noch die Frage, ob es sich um ein gewöhnliches GAP oder um eine Erschöpfungslücke handelt, richtig? Beide Varianten sind einladend für Short Trader. Denn entweder wird die Lücke geschlossen oder der Markt dreht. Noch ein Hinweis: Betrachten Sie sich bitte die Umsätze im unteren Teil des Charts. Nach diesem Anstieg haben Sie extrem hohe Umsätze, die das GAP auslösen. Aber der Folgetag, an dem das Fenster geschlossen wird, zeigt Ihnen, dass der Markt dreht, weil sich vor allem Kleinanleger durch gute Börsennachrichten in den Markt haben hineinziehen lassen, während die großen Investoren ausgestiegen sind.
Eine ähnliche Situation können Sie beobachten, wenn der Markt eine Ausverkaufssituation bewältigt. Aber dazu kommen wir dann am Freitag.
Viel Erfolg am Markt wünscht Ihnen
Jürgen Nowacki,
Chefredakteur Target Trader