Mit Indexing umgehen Sie die Abgeltungsteuer erfolgreich!
Franz-Josef Buskamp in Investors Daily
vom 8. Dezember 2008, 18:00 Uhr
ENL5454
Lieber Investor,
von politischer Seite wird unablässig gepredigt, dass sich jeder, vor allem junge Menschen, um die Altervorsorge kümmern sollte. Der Staat kann diese Aufgabe immer weniger übernehmen. Es wird immer mehr Abstriche bei den Renten geben. Dieser drohende Versorgungs-GAU war zwar schon Ende der 60er Jahre absehbar, Problemlösungsstrategien wurden von den Politikern aber immer wieder vertagt („nicht finanzierbar") oder gar nicht erst ernsthaft diskutiert.
Um keine Wählerstimmen zu verlieren, folgt man inzwischen der Salami-Taktik: keine bedeutenden Rentenerhöhungen mehr, kein Inflationsausgleich und ein für die jüngere Generation späterer Renteneintritt. Die jüngeren Zeitgenossen können daraus aber nicht ableiten, Planungssicherheit zu erhalten. Rente mit 67? Daraus kann irgendwann Rente mit 70 oder 75 werden. Und wer früher in Rente gehen will, kann das natürlich machen.
Im Gegenzug wird die- bzw. derjenige drastische Abzüge in Kauf nehmen müssen. Aber die private Vorsorge soll ja größere oder kleinere Rentenlücken schließen. Natürlich gibt es diesbezüglich schon seit einigen Jahren etliche Angebote: angefangen bei den Versicherungsgesellschaften mit Privatrenten-Angeboten über Riester- und Rürup-Rente. Die langfristigen Kalkulationen sind jedoch mehr als ernüchternd. Sogar wer bei den staatlichen Privatrenten-Konzepten die Höchstbetrag-Varianten wählt, erhält mit Blick auf die späteren Ausschüttungen eher magere Zusatzrenten. Ob die die Ansprüche bei der Lebensqualität in späteren Jahren tatsächlich sicherstellen, darf bezweifelt werden.
Bei der Altersvorsorge wird durchweg mit zu niedrigen Einnahmen kalkuliert
In den 60er Jahren waren beispielsweise so genannte Aussteuerversicherungen beliebt. Eltern schlossen für ihre Töchter eine Aussteuerversicherung in einem Volumen von 10.000 bis 20.000 DM ab, die 20 Jahre später zur Auszahlung kommen sollte. Damals waren 20.000 DM viel Geld. Nur 20 Jahre später verhielt sich dies anders.
Über die Inflationsentwertung hatten die 20.000 DM deutlich an Kaufkraft verloren. Wer also heute Rentenlücken schließen möchte und glaubt, die späteren kalkulatorischen Auszahlungen wären ausreichend, kann diese Beträge gleich halbieren, da der inflationär bedingte Kaufkraftverlust berücksichtigt werden muss.
Ein sorgloses finanzielles Leben? Dazu ist aktuell ein liquides Vermögen von ca. 3 Mio. erforderlich - ohne Berücksichtigung vorhandener Immobilien. In 15 bis 20 Jahren muss sich dieses Vermögen verdoppelt haben, wenn der Lebensstandard beibehalten werden soll. Was an der Abgeltungsteuer in der Tat ärgerlich ist ist, dass ein systematischer Vermögensaufbau unter Berücksichtigung von Finanzmarktzyklen erschwert wird. Zudem motiviert die Höhe der Abgeltungsteuer zur Kapitalflucht ins Ausland. Deutschland ist in Europa hinsichtlich der Höhe der Abgeltungsteuer führend. Da hat man in Berlin wieder einmal kein Fingerspitzengefühl bewiesen. Ein Steuersatz von 15% hätte eine wesentlich größere Akzeptanz gefunden. Mit der Abgeltungsteuer sollte alles vereinfacht werden. Tatsächlich wird gerade in der Übergangszeit alles komplizierter, weil man sowohl
seitens des Bundesrates als auch in Berlin bemüht ist, jede noch so kleine gesetzliche Lücke zu schließen. Was im Zuge des aktuellen Jahressteuergesetzes 2009 dabei herauskommt, sorgt mehr für Verwirrung als für Klarheit.
In der jetzigen Regelung liegt bereits der Kern des Scheiterns, und man wird sich in Berlin wundern, wie wenig von den ursprünglich geplanten Einnahmen übrig bleiben wird. Dies bietet aber später die Chance zur Anpassung. Änderungen, Anpassungen, das sind die einzigen verlässlichen Konstanten der Politik geworden. Also gehen Sie nicht davon aus, dass es bei den jetzigen Regelungen auf Dauer bleiben wird.
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Herzlichst,
Ihr
Franz-Josef Buskamp, Chefredakteur Value Investor