Mit Freunden wie diesen ...
Christoph Amberger in Investors Daily
vom 14. März 2003 18:00 Uhr
ENL5454
An einem Junitag im Jahr 1982 ... ich erinnere mich, dass es ein ungewöhnlich heißer Tag war ... befand ich mich mit Tausenden anderer Leute im Garten des Charlottenburger Schlosses im damaligen West-Berlin. Wir warteten auf den amerikanischen Präsidenten: Einen Mann, der in Europa wegen seiner Art oft als "Cowboy" bezeichnet wurde.
Kommt Ihnen das bekannt vor? Nun, ich zitiere dazu Geoge Santayana: "Die, die sich nicht an die Geschichte erinnern, sind dazu verdammt, sie zu wiederholen." Und die letzten 6 Monate scheinen ihm Recht gegeben zu haben.
1982 war halb Berlin auf den Beinen, um Ronald Reagan willkommen zu heißen. Es war eine richtige Mobilisierung: Gegendemonstranten aus Westdeutschland reisten an ... und sie wurden von DDR-Grenzern, die einem normalerweise das Leben so schwer wie möglich machten, einfach durch gewunken. Ein Spruch von ihnen: "Wir wollen Sonnenschein und keinen Reagan."
Das waren Zeiten ... an jedem Wochenende gab es riesige Demonstrationen in Berlin, die sich gegen Atombomben, die Politik des Berliner Senats und gegen die Außenpolitik von Reagan richteten (so gegen das Programm des "Kriegs der Sterne" und gegen die Platzierung von amerikanischen Raketen in Deutschland).
Die Rede, die Reagan an diesem Junitag 1982 gab, war nicht besonders bemerkenswert (erinnern Sie sich: Gorbatschow kannte noch niemand). An ein Zitat von ihm erinnere ich mich aber noch: "Was immer sei, Berlin bleibt frei."
Seit der "Wende" in Mittel- und Osteuropa (und in der Sowjetunion) ist schon mehr als eine Dekade vergangen. Und heute wird wieder ein US-Präsident als "Cowboy" bezeichnet. Aber entschuldigen Sie mich, wenn ich es Ländern wie Russland, China und Frankreich einfach nicht abnehme, dass sie sich plötzlich über den Weltfrieden so große Sorgen machen. Keins dieser Lände ist ein pazifistisches Land. Russland hat keine Bedenken, gegen die Tschetschenen brutalste militärische Gewalt anzuwenden. China hat einen Schrank voll mit Skeletten. Stichwort. Tibet.
Und Frankreich? Jaques Chirac wollte wiedergewählt werden, um seine Immunität gegenüber der Strafverfolgung zu erhalten (wegen Korruptionsvorwürfen). Wenn die Diplomatiekünste von Donald Rumsfeld wie ein Vorschlaghammer sind, dann ist die französische Diplomatie laut Christopher Hitchins "voreingenommen mit dem Erzielen von Vorteilen und Prestige aus den Problemen seiner Alliierten."
Was mich an dem derzeitigen Ringen im UN-Sicherheitsrat wundert ... ist die Frage, warum gerade jetzt? Warum entdecken die Staaten ihre Friedensliebe, wenn es um Saddam geht? Im Gegensatz zur allgemeinen Ansicht ist meiner Ansicht nach Frieden ... oder zumindest die Abwesenheit eines militärischen Konflikts ... in der internationalen Politik eben kein absoluter Wert. Sondern er ist wie der Krieg nur eine Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln.