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Michael Vaupel in Traders Daily
vom 5. September 2008, 12:00 Uhr
ENL5454
*** Gerade liegt eine ganz interessante Aufstellung vor mir:
Die Länder, aus denen die USA Erdöl beziehen - und deren Anteil an den US-Erdölimporten.
Hier eine entsprechende Grafik dazu:
Länder, aus denen die USA Erdöl importieren
Versetzen wir uns mal in die Lage einer verantwortungsbewussten, rationalen, das Gesamtwohl maximierenden amerikanischen Regierung (also nicht zwangsläufig die aktuelle Regierung, um es mal so auszudrücken).
Folgendes müsste uns dann auffallen:
Der größte Lieferant von Erdöl ist Kanada. Das ist gut, denn dieses ist ein politisch stabiles Land, direkt vor der Haustür. Und Kanada hat gewaltige Vorkommen an Ölsand, welche bei erhöhtem Ölpreis ausgebeutet werden können, wenn die „herkömmlichen" Ölvorräte aufgebraucht sind. Gut.
Zweitgrößter Lieferant ist Saudi Arabien. Ein fragwürdiger Verbündeter...in dem es religiöse Apartheid gibt. Eine christliche Messe kann mit dem Tod bestraft werden, Steinigungen und Handabhacken, das volle Programm. Politisch derzeit zwar stabil, doch muss das so bleiben? 15% des amerikanischen Erdöls werden aus Saudi Arabien importiert, ein signifikanter Anteil.
Der drittgrößte Lieferant von Erdöl ist Mexiko. Gut ist, dass dieses Land ebenfalls vor der Haustür liegt und politisch relativ stabil ist. Weniger gut ist, und das wissen Trader´s Daily-Leser(innen) seit dem 1. August (Trader´s Daily Ausgabe „Mexiko: peak oil erreicht"): In Mexiko hat die Erdölförderung ihren Zenit überschritten. Von gut 3,0 Mio. Barrel pro Tag ging es bereits auf aktuell rund 2,839 Mio. Barrel pro Tag nach unten. Tendenz fallend.
Platz Nummer 4: Venezuela. Dort ist noch reichlich Erdöl vorhanden, das Land liegt auch nicht so weit entfernt, auf der anderen Seite der Karibik. Allerdings sind die politischen Beziehungen mit Venezuela „nicht so toll". Erste Maßnahme sollte es deshalb sein, Anstrengungen zur Verbesserung der bilateralen Beziehungen zu unternehmen. (Und nicht das Gegenteil, wie es derzeit geschieht.)
Auf Platz 5 steht Nigeria. Ein politisch stabiles Land sieht anders aus - dort gibt es keine Entführungen von Ingenieuren, und die Machthaber stecken die Royalties auch nicht nur in die eigene Tasche und treiben das Volk praktisch zum Aufruhr.
*** Nun, so wirklich beruhigend ist das nicht. Wie sollten wir da als vernünftige US-Regierung die Versorgung unserer Volkswirtschaft mit Rohöl sicherstellen? Dadurch, dass wir unsere Naturschutzgebiete in Alaska zerstören, um dort Öl zu fördern, welches im Endeffekt nur einen minimalen Förderrückgang eines der Lieferanten ausgleichen würde?
Ich denke, wenn Sie diese Aufstellung vor Augen haben, sehen Sie die strategische Notwendigkeit für Ersatz-Treibstoffe wie Ethanol. Ich weiß - der Treibstoff der „ersten Generation" ist keine überzeugende Lösung, aber da müssen wir durch, sonst kommt es nicht zur „zweiten Generation" (bei der auch Erntereste etc. verwendet werden können).
Aber unabhängig von Klimadebatte & Co.: Ethanol können die USA im eigenen Land herstellen. Derzeit aus Mais, welcher im Überfluss vorhanden ist. Die USA verbrauchen ihren eigenen Mais nicht annähernd, er geht in den Export. So verkehrt ist es da gar nicht, wenn ein Teil von diesem Mais nicht exportiert wird, sondern zu Treibstoff verarbeitet wird.
Denn das bedeutet im Umkehrschluss, dass weniger Erdöl importiert werden muss. Die USA tauschen also: Weniger Mais-Exporte gegen geringere Öl-Importe.
Mit obiger Aufstellung im Hinterkopf würden wir als US-Regierung wahrscheinlich auch zu diesem Ergebnis kommen, oder?
Ich wünsche Ihnen ein angenehmes Wochenende!
Ihr
Michael Vaupel