Miss Börse und der Dax
Tom Firley in Investors Daily zum Thema Dax 30
vom 1. Juli 2011, 18:00 Uhr
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wie verhalten Sie sich in einer Marktphase, in der Sie davon ausgehen, dass Sie Miss Börse (z.B. im Dax) sowieso ärgern wird?
Meine Wenigkeit geht zum Beispiel davon aus, dass sich der Dax in den nächsten Wochen (eigentlich bis zum Herbst) kaum für eine eindeutige Richtung entscheiden wird. Und falls es dann doch danach aussieht, laufen sowohl die Bären, als auch die Bullen Gefahr in die jeweiligen Fallen zu tappen. Daher:
Schauen wir uns das große Bild an, und zwar aus zwei Blickwinkeln. Zum einen betrachten wir den Pessimisten, der jetzt nichts mehr mit der Börse zu tun haben will (aber dennoch täglich auf die Dax-Kurse schielt). Zum anderen schauen wir auf den Optimisten, der nach Einstiegschancen sucht.
Der Dax aus Sicht des Pessimisten
Ich fasse mich kurz und langweile Sie nicht mit allzu vielen Prozentzahlen (ein paar müssen es aber sein...). Was also sagt sich der Pessimist?
Der Pessimist sagt sich: „Ach, der Dax hat ja eh nur noch Platz bis zum Allzeithoch, dann schmiert er wieder ab."
Aus heutiger Sicht wäre dies ein Anstieg von etwa 9,5 Prozent (von aktuell 7400 Punkten bis zum Allzeithoch bei 8.105 Punkten).
Weiter sagt sich der wehleidige Pessimist: „Jetzt ist es zu spät. Damals im Sommer 1996 und im 2003 und zuletzt im März 2009... da hätte ich einsteigen sollen. Dann hätten sich meine Einsätze vervielfacht. Jetzt ist es zu spät..."
Die genannten Zeitpunkte habe ich im Chart grün eingekreist. Klar, beim Einstieg an diesen Tiefpunkten hätten Sie satte Gewinne erzielt. Der Dax hat sich danach jeweils verdoppelt und verdreifacht (übrigens hatte ich Ihnen im Investors Daily im März zu 2009 erste kleine (!) Einstiege ans Herz gelegt, aber das ist ein anderes Thema...).
Kurzum: Der Pessimist denkt, dass sich der Einstieg jetzt nicht mehr lohnt.
Der Dax aus Sicht des Optimisten
Was denkt der Optimist?
Der Optimist sagt sich: „Klasse, wenn es der Dax schafft, das Allzeithoch zu knacken, liegt jeder Dax-Investor mit seiner Anlage im Gewinn."
Dem ist nichts hinzuzufügen, das ist logischerweise bei einem neuen Allzeithoch immer so. Auch wenn es bei einem heutigen Einstieg (mit ETFs zum Beispiel) „nur" etwa 9 Prozent wären.
Der (zugegegeben seeehr zuversichtliche) Optimist denkt weiter: „Zum Beispiel im September 1995. Da hat der Dax ein knackiges Allzeithoch überwinden können. Nach einem kurzen Rücksetzer hat sich der Dax dann weit mehr als verdreifacht!"
Dax bei 20.000 in 5 Jahren?
Diesen historischen Moment habe ich im Chart grün eingekreist. Klar, diese Entwicklung ist eher unwahrscheinlich. Denn momentan glaubt kein Mensch, dass sich der Dax in den nächsten 5 Jahren verdreifachen kann, mithin die 20.000er Marke überwindet. Aber ausschließen können wir es nicht.
Ein etwas weniger optimischer Gedankengang: Der Dax hat sich seit dem Tief im März 2009 (3.666 Punkte) bis heute etwa verdoppelt. Übertragen wir diese Entwicklung auf das Tief im März 2003. Damals lag der Tiefpunkt bei 2.202 Punkten. Die Verdopplung, also den Stand von 4.400 Punkten, habe ich im Chart rot eingekreist. Wie Sie unschwer erkennen, hatte der Dax dann noch eine Reise von etwa 84 Prozent vor sich (von 4.400 auf 8.105 Punkte). Das wäre aus heutiger Sicht immerhin ein sattes Kursziel von weit über 13.000 Punkten (!). Doch bleiben wir auf dem Teppich:
Zuerst müssen sich die Schulden-Nebel lichten
Wohin der Dax, mithin natürlich auch die US- und alle anderen Welt-Börsen, in den nächsten Monaten wandern wird, kann nicht wirklich seriös prognostiziert werden. Die aktuelle Schulden- und Währungsproblematik in USA und Euroland ist dafür einfach zu undurchschaubar und die möglichen Auswirkungen unwägbar. Das kann ruhig einmal gesagt werden. Jedoch:
Klammer auf
(Wenn es zu einem Worst-Case-Katastrophen-Währungsschnitt käme... wo läge dann wohl der Dax drei Jahre danach? Die Wirtschaft läge ja nicht brach. Im Gegenteil. Ich zumindest wüsste, was ich machen würde, wenn sich die Wogen erst einmal geglättet haben. Aber so weit muss es ja gar nicht kommen. Überprüfen Sie aber bitte Ihre Edelmetall-Bestände...)
Klammer zu
Fazit: Schauen Sie noch einmal auf den Dax-Chart. Der deutsche Leitindex bewegt sich - nach wie vor - in einem Aufwärtstrend. Solange Sie sich der Risiken (des Pessimisten) bewusst sind, aber auch die Chancen (des Optimisten) erkennen, dürfte Ihnen die ab und an zickige Miss Börse doch noch recht viel Freude bereiten.
Als Gradmesser für das „große" Bild können Sie zum Beispiel den 256-Tage-GD nutzen (in beiden Charts der grüne Verlauf). Soll bedeuten: Reiten Sie den Trend, solange er läuft.
Viel Erfolg an der Börse und ein schönes Wochenende
Ihr
Tom Firley
PS: Heute habe ich Ihnen als Gastbeitrag das „Interview mit einem VolumenTrend-Trader" mitgebracht. Der Investor-Verlag bietet zu diesem neuen Börsendienst gerade einen 3-Monats-Gratis-Test an. Allerdings werden nur 200 Testleser aufgenommen. Ich hatte Ihnen ja versprochen, Sie darauf hinzuweisen, wenn es wieder solch ein - eher seltenes - Angebot gibt.
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Schweizer (01.07. 2011 18:42 Uhr):
Ich gehöre eindeutig zu den Dax-Optimisten. Zu dumm nur, dass der Dax in Falschgeld abgerechnet wird und vermutlich auch vor allen Dingen aus diesem Grunde steigt. Wenn ich in richtiges Geld - wie zum Beispiel den Schweizer Franken - umrechne, bleibt nichts übrig. Grüsse aus der Schweiz
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