Milliardäre unter den Wirtschaftswissenschaftlern
Mark Skousen in Investors Daily
vom 12. Mai 2005 18:00 Uhr
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Ich unterrichte private Wirtschaft an der Columbia Universität und am Rollins College und dort diskutieren wir die verschiedenen wirtschaftlichen Probleme, denen sich die Leute gegenübersehen. Ich frage meine Studenten oft "Was ist die wirtschaftliche Lösung, wenn man hoch verschuldet ist und nicht genug verdient oder einen schlechten Job hat und so weiter?" Die Antworten drehen sich immer um eine Sache: Wie kann man mehr Geld verdienen? Einen besseren Job finden, mehr Einkommen kriegen, in der Lotterie gewinnen. Niemand kommt auf die Idee überflüssige Ausgaben zu beschneiden. Erinnern Sie sich an die Äußerung von Andrew Carnegie: "Der Schlüssel zu jedem erfolgreichen Unternehmen ist, sich der Kosten bewusst zu sein." Kein Geld zu verschwenden ist ein starkes Konzept, aber es wird oft außer Acht gelassen.
Während ich in meinen Kursen unterrichte, erzähle ich oft die Geschichte von zwei Professoren aus dem Gebiet der Finanzen. Einer ist älter und fest angestellt und der andere Professor ist jünger und immer noch grün hinter den Ohren. Die beiden spazieren über den Campus, als sie plötzlich eine Hundertdollarnote finden. Als er sie sieht rennt der jüngere Professor los und will sie aufheben. Der ältere hält ihn davon ab und sagt: "Kümmern Sie sich nicht darum, junger Mann. Sie existiert gar nicht, denn wenn sie es doch täte, hätte sie schon längst jemand anderes aufgehoben. Lassen sie uns daher weitergehen und ignorieren, was sie gesehen haben."
Jetzt kommt meine Frage: Liegen die hundert Dollar immer noch dort? Gibt es in Ihrem Leben Hundertdollarnoten, die man aufheben kann und bei denen man sagen kann: "Guckt mal was ich gefunden habe!"
Da draußen gibt es eine Menge Geld, aber man darf nicht darauf warten, dass es zu einem kommt. Man muss aufstehen und losgehen, um es zu kriegen. Man muss kämpferisch sein, wenn man im Leben Erfolg haben will. Man kann sich nicht einfach zurücklehnen und erwarten, dass das Geld oder die Leute zu einem kommen. Es gibt kein kostenloses Mittagessen.
Nun weiß man jedoch, dass die meisten Wirtschaftswissenschaftler in Elfenbeintürmen sitzen und sich in endlose abstrakte Theorien verstricken. Ihre Ideen haben nur selten praktischen Wert. Oder; wie Jean Baptiste-Say, der große französische Wirtschaftswissenschaftler sagte: "Sie sind die idealen Träumer, die keinen praktischen Wert bieten." Aber immer öfter bieten die Wirtschaftswissenschaften praktische Fähigkeiten und Techniken. Einige haben die Möglichkeiten akribisch erforscht, am Markt richtig zu handeln und sie haben sehr interessante Einsichten. Eines der wichtigeren Gebiete nennt sich "Behavioral Economics". Es ist ein neuer Bereich, den es erst seit 20 oder 30 Jahren gibt. Viele Nobelpreisträger unter den Wirtschaftswissenschaftlern haben das Verhalten der Topmanager und der einzelnen Anleger untersucht. Sie haben herausgefunden, dass die einzelnen Anleger oft bessere Leistungen erbringen als die professionellen Geldmanager. Im Grunde sagen sie nur, dass man eine bessere Chance hat, den Markt zu schlagen, wenn man seine Hausaufgaben macht und sich konträr zu den großen Geldmanagern und zum Establishment verhält.
Die Wahrheit ist, dass man, wenn man die Makroökonomie außer Acht lässt, besser davon ausgeht, dass man Geld verlieren wird. Es ist mir egal, wo sie ihr Geld angelegt haben. Wenn es dazu kommt, dass ein Terrorist eine Atombombe auf New York fallen lässt und der Aktienmarkt für wer weiß wie lange geschlossen bleibt, dann werden die Märkte, die irgendwann wieder eröffnen, deutlich tiefer liegen als zuvor. Ich werde nie den 11. September vergessen und die Woche danach und auch Sie sollten das nicht vergessen, denn was ist damals passiert? An dem Montag, als die New Yorker Börse wieder aufmachte, nachdem sie eine Woche lang geschlossen geblieben war, drängten sowohl der Präsident der Vereinigten Staaten als auch der Präsident der New Yorker Börse die Anleger dazu, nicht zu verkaufen. Sie haben die Leute eher ermutigt zu kaufen.
Was mich am meisten erstaunte war, dass alle Aktienmärkte überall sonst auf der Welt um zehn bis zwanzig Prozent gefallen waren und dass die Terroristen diese Länder doch gar nicht angegriffen hatten. Und ich dachte, dass das der dümmste Rat gewesen sei; natürlich würden die Märkte an diesem Tag fallen und natürlich fielen sie auch an der Wall Street. Sie müssen also aufmerksam auf diese Dinge achten, es gibt viele Ereignisse, die die Stimmung am Markt beeinflussen könnten. Firmen, denen es heute gut geht, geht es in der Zukunft vielleicht schlechter. Ich denke, Sie sollten den Zeichen Ihre Aufmerksamkeit zukommen lassen.
Ich möchte Ihnen eine Beispiel für einen großen und was noch wichtiger ist, einen praktischen Wirtschaftswissenschaftler geben. David Ricardo ist vielleicht einer der brillantesten Wirtschaftswissenschaftler aller Zeiten. Er wurde im 18. Jahrhundert geboren und er war spürbar präsent zu Zeiten der Napoleonischen Kriege im frühen 19. Jahrhundert. Ricardo stammte aus einer alten jüdischen Familie aus London und er war ein Börsenspekulant. Er machte einen Markt mit Regierungsanleihen, der in Britannien als der Consol-Markt bekannt wurde. Wie sie vielleicht wissen, befanden sich England und Frankreich im Krieg und bekämpften einander ständig. Während der Napoleonischen Kriege machte die britische Regierung viele Schulden.
Zu dieser Zeit stand Ricardos Firma im Wettbewerb mit den Rothschilds und den Goldsmids und anderen Händlern mit Regierungsanleihen. Ricardo war sehr erfolgreich, wenn es darum ging, Verträge mit der Regierung abzuschließen und er wurde in der Folge ein sehr reicher Mann. Sein Anspruch auf Ruhm resultiert aus dem Geld, dass er am 15. Juni 1815 machte. Was geschah an diesem Tag? Die Schlacht von Waterloo. Der britische General Wellington gewann die Schlacht.
Viele Leute erinnern sich nicht mehr daran, was Ricardo in dieser Zeit tat. Es steht im Schatten der bekannteren Geschichte von Baron Rothschild. Die Familie Rothschild wurde berühmt, weil sie sich ein bisschen mit dem Insidertrading während Waterloo befasst hatte. Das taten sie deshalb, weil es in der Familie fünf Brüder gab, die überall in Europa verteilt waren. Der französische Rothschild war mit seinem Agenten in Waterloo; er wusste sofort, wer die Schlacht gewonnen hatte. Das Ergebnis war natürlich ein Schock, denn niemand hatte erwartet, dass die Briten die Franzosen besiegen könnten und der Markt für Regierungsanleihen spiegelte diese Erwartung. Die Preise fielen jäh ab und Ricardo selbst hatte wegen seines Vertrauens in das britische Königreich eine sehr schlechte Position. Seine Entscheidung Geld zu verdienen lief dem zuwider, was alle als Ergebnis dieser großen Schlacht erwartet hatten.
Da der französische Rothschild sofort den Ausgang der Schlacht wusste, schickte er Brieftauben nach England, so dass die Rothschilds die ersten waren, die von dem Ausgang der Schlacht wussten. Dann ging Nathan Rothschild in den Tradingbereich und gab ein Zeichen, dass man anfangen sollte, die Anleihen zu verkaufen. Er tat das, um Panik auf dem Anleihenmarkt auszulösen. Anfangs gelang es Rothschild, alle glauben zu machen, dass Wellington die Schlacht verloren hatte und dann kaufte er nachdem alle verkauft hatten. Sie machten natürlich damit jede Menge Geld und gingen als die Prinzen des Marktes in die Geschichte ein.
Aber zurück zu David Ricardo, der hartnäckig festhielt und zum George Soros seiner Tage wurde. Ricardo wurde ein sehr reicher Mann – er machte an einem einzigen Tag eine Million Pfund Sterling. Nachdem er so reich war entschloss er sich, dass er sich nun mit den Wirtschaftswissenschaften befassen wollte und er wollte einen großen Beitrag leisten. Er entdeckte das Gesetz des Wettbewerbsvorteils, das eine geschickte, tief schürfende Doktrin ist, die beim Handeln verwendet wird. Aber ich mag die Idee, dass man wirklich an die Grundlagen seines Konzepts glaubt und dann daran festhält. Man mag kurzfristig Verluste einstecken und doch langfristig Gewinne einfahren.
Zwei meiner Lieblingswissenschaftler, die Voraussagen machten, sind Ludwig von Mises uns Frederick Hayeck. Sie arbeiten an der Universität Wien. Sie sahen beide die große Depression voraus, ich will aber nicht verheimlichen, dass Mises schon 1925 damit anfing, was bedeutet, dass er den Bullenmarkt verpasste. Wir wären gerne in der Lage, einen Bullenmarkt vorherzusehen und rechtzeitig auszusteigen. Aber das ist natürlich sehr schwierig. Es gab Dauer-Bären und Dauer-Bullen. Die Leute, die einsteigen, unmittelbar bevor ein Bärenmarkt beginnt sind Ausnahmen. Man kann die Wirtschaftswissenschaftler und Finanzberater, die unter diese Kategorie fallen, an einer Hand abzählen.
In den Zwanzigern und Dreißigern gab es nur eine einzige Person, die an der Spitze verkaufte und auf dem Boden 1932 kaufte und das war Joe Kennedy. Er ist wegen einer berühmten Äußerung bekannt geworden. Nachdem er 1928 ein bisschen zu früh ausgestiegen war und nach Florida gegangen war, um dort Immobilien zu kaufen, machte sich wieder Sorgen, dass er zu früh ausgestiegen war. Er dachte gerade darüber nach, während er sich von einem Schuhputzerjungen die Schuhe polieren ließ. Als dieser ihm einen Börsentipp gab, wusste er, dass es klug gewesen war, ausgestiegen zu sein und dass er Recht behalten würde.
Nehmen wir an, Sie gehen in die Kirche und jemand sagt zu Ihnen: "Ich denke darüber nach, die XYZ Aktien zu kaufen." Das ist das Zeichen, dass wir die Spitze erreicht haben. Alle großen Investoren handelten entgegengesetzt. Es ist schwer, dass zu tun. Man ist so immer in der Minderheit.