Militärcoup in einem der wichtigsten Uran-Förderer der Welt
Michael Vaupel in Traders Daily
vom 26. Februar 2010, 12:00 Uhr
ENL5462
*** Trader´s Daily-Leser Florian N. schrieb mir:
„Wo sind in diesem Newsletter denn die „Aussichten 2010" für den Uranpreis zu finden? Haben Sie wohl ganz vergessen - schade, dieses Thema hätte mich (als langjährigen Leser) SEHR interessiert!"
Meine Antwort:
Hatte ich das nicht "durch die Blume" mitgeteilt? Für den Uranpreis bin ich aus den angesprochenen Gründen für 2010 sehr bullish. Wenn ich derzeit meine Favoriten aus dem Rohstoff-Universum für 2010 nennen sollte...würde ich sagen:
Silber, Gold, Mais, Uran.
Kurzfristig könnte der Uranpreis aus einem ganz anderen Grund steigen: Im Niger (Niger, nicht Nigeria) gab es einen Militärcoup, die Regierung wurde gestürzt und die Revolutionäre übernahmen die Macht. Es gab mindestens drei Tote.
Hat das für die Finanzmärkte mehr Bedeutung als ein dort nicht vorhandener Sack Reis, welcher umfallen würde?
In der Tat.
Denn Niger gehört zu den Großen, wenn es um die Produktion von Uran geht. „Yellowcake" (erste Verarbeitungsstufe von Uranerz) macht mehr als 70% der Exporte Nigers aus.
Wichtigster Abnehmer: Die ehemalige Kolonialmacht Frankreich, welche auch nach der Unabhängigkeit Nigers enge Beziehungen pflegte und mit langfristigen Lieferverträgen (durchaus zum Vorteil beider Seiten, wegen Preisbindung etc.) seine Uranlieferungen sicherte.
In Frankreich werden etwa drei Viertel des Stroms mit Atomenergie hergestellt. Und vom benötigten Uran kommen 40% aus Niger.
40% von drei Viertel...da komme ich auf rund 30%. Also fast ein Drittel der Stromproduktion Frankreichs, die von diesen Importen aus Niger betroffen ist.
Also zumindest für die französischen Mitglieder der Trader´s Daily-Gemeinde (zumindest im Elsass gibt es ein Ehepaar der Gemeinde, wenn ich mich richtig erinnere) eine durchaus wichtige Nachricht!
Die meinem Eindruck zufolge von der „allgemeinen Presse" so gut wie gar nicht thematisiert worden ist.
Tja, und nun ist die Frage, wie die neue Regierung Nigers zum mit der französischen Areva geschlossenen Vertrag steht. Demzufolge darf die Areva ein neues, gewaltiges Vorkommen mit dem schönen Namen „Inouraren" ausbeuten. Ab 2012 soll die Produktion aufgenommen werden, und dann könnten sich die Uran-Exporte Nigers noch mal verdoppeln. Dann könnte Niger weltweit die Nummer 2 werden, was die Uran-Exporte angeht.
Wenn die Regierung Nigers den Vertrag mit Areva aufhebt, wäre das für Frankreich durchaus unerfreulich. Die neue Regierung kann auch die Produktionsaufnahme verzögern, oder bessere Konditionen für Niger verlangen (was ich gut fände, wenn es denn dem Volk zugute kommen würde).
So oder so: Unsicherheit. Und das bedeutet: Wenn die Marktteilnehmer Sorgen haben, könnte der Uranpreis erstmal steigen. Ist schon öfter so gewesen. Also nicht wundern, wenn der Uranpreis im März anspringen sollte.
Wie auf Uran setzen? Es gibt keinen schönen Uran-Future, auf den es 1:1 Zertifikate etc. gibt. Ich selbst gehe den Umweg über einen Explorer, welcher nun selber ein Vorkommen ausbeuten möchte.
(Bzw. „ich selbst" stimmt nicht: Ich persönlich lege mein Geld nicht in Uran-Aktien an, da ich diese ablehne und auch bei der Geldanlage meine Prinzipien habe. In meinem Börsendienst Rohstoff Signale habe ich aber eine entsprechende Aktie mit gewaltigen Vorkommen empfohlen, nachdem ich selbst vor Ort in Afrika recherchiert hatte. Wie üblich darf ich diese hier nicht nennen, wissen Sie ja.)
Ich wünsche Ihnen ein angenehmes Wochenende!
Ihr
Michael Vaupel
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