Milch, Chicago und Dr. Faust
Michael Vaupel in Traders Daily
vom 03. August 2007 12:00 Uhr
ENL5454
Thema Milch.
(Haben Sie ja sicher mitbekommen, Stichwort in Deutschland angekündigte drastische Preiserhöhungen.)
Dazu kann ich direkt eine Leser-Frage zu beantworten. Also - Trader´s Daily-Leser Ronald W. schreibt:
„Zunächst möchte ich mich für ihr geschriebenes Buch bedanken, habe sehr viele neue Erkenntnisse daraus gewonnen. (So soll es sein!) Aus gegebenem Anlass hätte ich heute mal eine Frage an Sie. Und zwar geht es um das Thema Milch. Nicht erst seit den letzten Wochen scheint sich am Milchmarkt ein Wende abzuzeichnen. Die Frage hierzu wäre nun: Wie kann ich davon als Investor profitieren? Ich weiß zwar das an der Chicago Mercantile Exchange neben Milch in verschiedenen Qualitätsstufen auch Milchpulver und Ähnliches gehandelt werden, habe aber kein entsprechendes Papier hierzu Lande gefunden. Vielleicht könnten Sie mir im Traders Daily hierzu kurz antworten?“
Meine Antwort:
Im Prinzip hat der Leser seine Fragen direkt selber beantwortet.
- An der riesigen Rohwarenbörse Chicago gibt es Milch-Futures, das ist sozusagen der Milch-Weltmarktpreis. Diese Futures könnten Grundlage für hierzulande handelbare Milch-Zertifikate sein. Doch…
- …es gibt hierzulande kein einziges Milch-Zertifikat. Da sehen die Emittenten keine Notwendigkeit, mangels Interesse der Anleger.
Damit können wir das Thema „Milch als Anlageobjekt“ für uns als Trader direkt abhaken.
Interessant jedenfalls, so am Rande: In Chicago ist der Milchpreis in einem schönen Aufwärtstrend. Im letzten Jahr stand er bei 12,90 Dollar (für 45,359 Kilo = 100 amerikanische Pfund), aktuell schon bei 19,56 Dollar.
Es ist also so, dass der Weltmarktpreis für Milch durchaus steigt. Gründe dafür u.a. Dürre in Australien (Vieh ist negativ betroffen), steigender Preis für Futtermittel, und auch ein gewisser sich abzeichnender „Shift“ der US-Farmer, weg von Milchvieh, hin zum derzeit profitableren Anbau von Mais. (Für Ethanol!) Und natürlich, mal wieder, die Chinesen mit ihrer steigenden Nachfrage nach fast allem.
(In der EU sind zusätzlich regionale Faktoren wichtig, wie EU-Subventionspolitik etc.)
*** Ein erfreuliches Erlebnis diese Tage für mich: Aufführung von Goethes „Faust“, im Innenhof eines regionalen Klosters.
Positive Überraschung: Keine „moderne“ Aufführung im Sinne eines sich durch möglichst abgefahrene Inszenierung selbst verwirklichenden Regisseurs, stattdessen schlicht und einfach die texttreue Aufführung eines deutschen Klassikers. Sehr gut!
*** "Die Kunst ist lang! Und kurz ist unser Leben." – in diesem Sinne: Ich wünsche Ihnen ein angenehmes Wochenende,
Ihr
Michael Vaupel