Wer betätigt sich überhaupt am Devisenmarkt?
Alexander Hahn in Investoren Wissen zum Thema Devisen & Devisenhandel
vom 20. Januar 2010, 16:00 Uhr
ENL5462
welche Marktteilnehmer tummeln sich überhaupt am Devisenmarkt? Und aus welchen Gründen handeln diese ausländische Währungen?
Um den Devisenmarkt besser kennen zu lernen und auch die Motive und Reaktionen der Handelspartner besser verstehen zu können, ist es unabdingbar diese Fragen vor dem eigentlichen Handel mit Devisen zu klären. Darun geht es im zweiten Teil der Serie „Devisen für Einsteiger“.
Die Marktteilnehmer des Devisenmarkts lassen sich grob in sechs verschiedene Gruppen unterteilen:
Privatpersonen:
Privatpersonen kommen am häufigsten bei Auslandsreisen mit Fremdwährungen in Kontakt. In den letzten Jahren sind aber auch Fremdwährungskredite (aufgrund günstigerer Zins- & Darlehenskonditionen) und Auslandskonten (in einer Fremdwährung) „in Mode“ gekommen.
Der Umsatz von Privatpersonen und Privathändlern am gesamten Devisenhandel (man schätzt, dass der Devisenmarkt mit einem Tagesumsatz von über $4 Billionen der größte Finanzmarkt weltweit ist) ist eher klein und wirkt sich in den wichtigsten Währungspaaren kaum auf den Wechselkurs aus.
Privathändler:
Private Investoren wetten mit einem Teil ihres Kapitals auf die zukünftige Entwicklung eines oder mehrerer Devisenpaare (z.B. EUR/USD-Wechselkurs). Neben Währungsabsicherungen versuchen private Personen meist mittels Derivaten (Zertifikate, Optionscheine), ETFs oder Optionen vom Devisenhandel zu profitieren.
Zentralbanken:
Zentralbanken haben i.d.R. nicht das Ziel, am Devisenmarkt mit dem Handel von Devisen Gewinne zu machen, sondern eher makroökonomische Zielmarken, z.B. bei der Währungsstabilität, der Inflation, der Geldmenge und dem Wirtschaftswachstum zu erreichen.
Die Zentralbanken nutzen ihre Reserven (hauptsächlich ausländische Währungen, Edelmetalle und Sonderziehungsrechte) zur Abwicklung und Vermittlung der über sie laufenden Fremdwährungszahlungen und Devisengeschäfte.
Neben dem normalen kommerziellen Handel können Zentralbanken auch ganz bewusst durch Interventionen die Preisfindung des freien Marktes manipulieren, was zu einem beabsichtigten Einfluss auf die freien Wechselkurse führt, um z. B. der eigenen Wirtschaft ein besseres Wechselkursniveau zu verschaffen.
Als wichtigste „Player“ unter den Zentralbanken gelten die (private) US-Notenbank FED, die EZB und die japanische Notenbank (BoJ)
Kapitalanlagegesellschaften:
Zu dieser Kategorie gehören u.a. Versicherungen, Pensionsfonds und Hedgefonds. Während erste v.a. ihre Fremdwährungspositionen per Devisenhandel sichern (hedgen), verfolgen Hedgefonds oftmals das Ziel, durch Wechselkursspekulationen Gewinne zu erwirtschaften (ein Paradebeispiel dafür ist die Wette des ehemaligen Hedgefonds Managers „George Soros“ gegen das britische Pfund 1992).
Vor allem Hedgefonds handeln aufgrund der niedrigen Margin-Anforderungen und der hohen Liquidität gerne am Devisenmarkt.
Handels- und Geschäftsbanken:
Diese sind mit Sicherheit die wichtigsten Marktteilnehmer.
Neben dem Eigenhandel durch sogenannte „Proprietary Trader“ (Händler, welche versuchen im Namen der Bank Gewinne zu erwirtschaften), sind viele Banken auch als Market Maker oder Broker am Devisenmarkt präsent.
Im Gegensatz zu den Aktien- oder Futuresmärkten ist der Handel mit Devisen nicht zentralisiert. Es besteht jedoch ein loses Netzwerk aus Banken und Brokern, welche untereinander Devisen handeln, der sog. „Interbanken-Markt“. Die Marktteilnehmer handeln direkt und meist ohne Zwischeninstanz (also ohne eine Börse) untereinanter „over the counter“.
Handelsunternehmen:
Importeure und Exporteure setzen sich beim Handel von Produkten immer dem Risiko von Währungsschwankungen aus. Am Devisenmarkt sichern sich die Unternehmen gegenüber Währungsrisiken ab, um Verluste aus Währungsschwankungen weitgehend zu vermeiden. Die Absicherungsgeschäfte der Handelsunternehmen sind meist langfristiger Natur und fundamental begründet.
Nächste Woche setzen ich die Serie mit dem Thema „Funktionsweise des Devisenhandels“ weiter fort...
Beste Grüße
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