Michael Vaupel ist einer der führenden Rohstoff- und Derivate-Experten. Bereits während seiner Studienzeit hat er als Finanzjournalist und Analyst gearbeitet.
Michael Vaupel in Traders Daily
vom
*** War diese Woche bei meinem Co-Autor, dem Metallhändler Gunther Maassen. Seit Juli springt die Nachfrage nach einigen Metallen sprunghaft nach oben! Mehr dazu auf der Facebook-Seite von Tom Firley und mir, "Der Börsentreff". Hier der Link:
Ich weiß, Facebook, Datenschutz etc. pp. Ich sehe es pragmatisch: Solange man nur Dinge einstellt, die nicht sensibel sind....ist es eine super Möglichkeit, um z.B. mit Mitgliedern der Trader´s Daily-Gemeinde in Kontakt treten zu können. Und fachliche Diskussionen können uns nur weiterbringen...
*** Ansonsten plagt mich gerade eine Sommergrippe.
Da ich eben zum Thema "Value Investing" recherchierte, befasste ich mich auch mit einem historischen Rückblick. Investieren in Zeiten der Inflation.
Dazu mache ich es mir heute einfach und zitiere mich selbst mit einem "Klassiker", damit ich mich ein wenig der Pflege meiner sterblichen Hülle widmen kann. Also:
Ein Meister in dieser Disziplin war ein Mann mit gepflegtem Vollbart, grimmigem Blick und Bürsenhaarschnitt: Hugo Stinnes. Er war Erbe einer Rhein-Ruhr-Industrie-Dynastie.
Der Erste Weltkrieg traf das Familien-Unternehmen hart: Fast die gesamte Handelsflotte ging verloren, und Beteiligungen an Erz- und Rohstoff-Vorkommen in Elsass-Lothringen gingen verloren, als Frankreich dieses vorige Reichsland annektierte.
Nun, Hugo Stinnes schaute nach vorne: Als sich in Deutschland wegen des massivem Drucks von Geld eine starke Inflation abzeichnete, nahm er auf seine im Ruhrgebiet vorhandenen Bergbau- und Stahlwerke so viele Schulden auf, wie er konnte.
Und dann ging er auf Einkaufstour, kaufte mit diesem Geld Value-Aktien bzw. gleich ganze Unternehmen. Stahlwerke, Bergbauwerke, Schiffe, Lagerhallen, Druckereien. Sachwerte eben. Und diese belieh er dann direkt auch wieder, und mit dem weiteren Geld kaufte er weitere Sachwerte.
In der öffentlichen Wahrnehmung galt er als ein Industriebaron, welcher Deutschland aufkaufen möchte.
Es gibt dazu eine schöne Karikatur aus dem Jahr 1920 („Stinnes kauft alles!"), welche Sie unter diesem Link aufrufen können.
Stinnes Vorgehensweise brachte ihm gewaltigen Erfolg: Denn als die Hyperinflation einsetzte, waren seine Schulden schlagartig entwertet. Milliardenschulden konnte er wirklich „mit einem Butterbrot" abbezahlen. Die damit gekauften Stahl- und Bergbauwerke, Schiffe, Lagerhallen, Druckereien etc. konnte er natürlich behalten, die hatte er im Endeffekt damit „für lau" erhalten. Letztendlich hatte er 1.600 Unternehmen unter seiner Führung, dazu gehörten Atlantik-Schiffsriesen, die mit im Ruhrgebiet in eigenen Gruben geförderter Kohle fuhren und zuvor in eigenen Werften gebaut worden waren.
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- Kommentar von klaus M
Es fehlt noch das Ende: "1925 Stinnes gerät in Liquiditätsprobleme. Teile des Unternehmens werden durch Banken veräußert." (aus http://www.stinnes.com/history.php ) So zeigt diese Geschichte nicht nur was möglich ist, sondern auch dass man rechtzeitig aufhöhren muß mit Schuldenmachen.
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