Merkwürdigkeiten
Henrik Voigt in DAX Daily
vom 30. März 2011, 08:30 Uhr
ENL5454
die jüngsten Meldungen aus Japan entbehren nicht einer gewissen Skurilität. Da wird gemeldet, dass der Stand radioaktiven Wassers in Reaktor 1 zurückgegangen ist (Erfolgsmeldung), dass der Betreiber nicht genug Tanks zur Aufnahme dieses Wassers habe und dass die Strahlung im Meerwasser um das Atomkraftwerk 3355-fach überhöht sei. Nanu, wie kommt das Zeug denn bloß ins Meer? Vielleicht einfach reingepumpt? Wird ja so schön verdünnt da. Gleichzeitig erfahren wir heute, dass der Chef der Betreiberfirma Tepco wegen Schwindelgefühlen ins Krankenhaus eingeliefert werden musste. Nun, wenn man so viel schwindelt wie dieser Mann in den letzten Wochen, dann streikt der Körper wohl irgendwann.
Die internationale Atomenergiebehörde IAEA hat inzwischen hochgiftiges Plutonium in der Umgebung des Kernkraftwerkes nachgewiesen. Greenpeace misst gefährlich erhöhte Strahlung auch weit außerhalb der offiziellen Evakuierungszone von 20 km. Diese Zone wird trotzdem nicht ausgeweitet. Egal, Hauptsache den schönen (?) Schein wahren, herunterspielen, beschwichtigen. Lieblingssatz der letzten Wochen : "Es besteht kein Grund zur Sorge." Die Menschen sterben eh erst in ein paar Jahren an den Spätfolgen der Verseuchung, wenn man nicht mehr im Amt ist. Was in Japan läuft, ist in höchstem Maß menschenverachtend.
Die EU-Kommission erhöhte am Sonntag unterdessen die Grenzwerte für die radioaktive Belastung von Lebensmitteln teilweise um das 20-fache. Offizieller Grund: Im Falle eines "nuklearen Notstandes", der am Samstag in der EU in Kraft getreten sei, sei dies zulässig, um einer "Nahrungsmittelknappheit" vorzubeugen. Ich wusste gar nicht, dass wir derart von japanischen Lebensmitteln abhängen, dass die Regale ansonsten leer wären (kleiner Scherz). Verbraucherschützer sagen hingegen, dass diese Maßnahme lediglich dazu diene, weiter japanische Lebensmittel importieren zu können. Ist ja auch egal. Das Zeug kauft hier sowieso keiner mehr. Man kann sich schon fragen, wozu es eigentlich Grenzwerte gibt, wenn diese im Notfall einfach beliebig heraufgesetzt werden können, Entweder, das Zeug ist giftig oder nicht. Aber es besteht ja auch kein Grund zur Sorge.
Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Albrecht Landgraf (30.03. 2011 09:31 Uhr):
Unsere ganze unfähige Regierung in Berlin gehört weg ! Sie ist nicht in der Lage, einfach einen Einfuhrstopp für Nahrungsmittel aus Japan zu verhängen.
Antworten - Kommentar von klaus Morian (30.03. 2011 10:33 Uhr):
Wenn die Erhöhung um das 20 fache breiter beknnt wird kauft KEINER mehr japanische Lebensmittel - das alles ist sehr kontraproduktiv
Antworten - Kommentar von Hartmut Fischer (30.03. 2011 10:39 Uhr):
Und es gibt ja auch Gesetze und Verträge, die je nach "Bedarf" beiliebig manipuliert und gebrochen werden. (z. B. Maastricht") Dann werden eben mal kurz "alternativlose Notwendigkeiten" aus dem Hut gezaubert. Im übrigen läuft in Japan auch ein Menschenopfer- und -vernichtungsprogramm, da die hoch verstrahlten "Havarie"-Reaktoren auf unbestimmte und alle absehbare Zeit zu "reparieren" bzw. "kontrollieren" versucht werden müssen. So weit ich sehe, hat das noch niemand thematisiert, noch nicht einmal Greenpeace oder irgendwelche Menschenrechtler. Sind wir also alle mit dieser "alternativlosen Notwendigkeit" einverstanden? Hartmut Fischer
Antworten - Kommentar von Jürgen Gaube (30.03. 2011 21:12 Uhr):
Sehr geehrter Herr Voigt, Sie haben vollkommen Recht. Merkwürdig ist noch stark untertrieben. Abgesehen von den widersprüchlichen Meldungen ist ja auch die Bewegung des Nikkei 225 äußerst bemerkenswert oder besser gesagt grandios.Heute Steigerung um 2,64 % auf einen Wert von 9708,79, der Nikkei-Future schaffte es heute sogar über 9800. Was heißt hier Verstrahlung usw. Bei allem Durcheinander, welches sich bei der Bekämpfung des schon begonnenen GAUs zeigt, scheint es doch noch klar denkende Money-Player zu geben, die sich konsequent darum "kümmern", dass der Nikkei nicht verkümmert. Grandios ist der einzige Ausdruck, der mir passend erscheint. Mit freundlichen Grüßen und Dank für Ihre offenen und treffenden Beiträge Jürgen Gaube
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