Menschen, die ich bewundere
Tom Firley in Investors Daily
vom 25. März 2009, 18:00 Uhr
ENL5454
Liebe Leser,
wer heute Morgen mein Investors Daily Update gelesen hat, der weiß, dass heute ein ganz besonderer (und ereignisreicher) Tag für mich ist. Meine Tochter Paula wird heute zwei Jahre alt und ich denke, dies ist ihr erster Geburtstag, den sie tatsächlich als solchen wahrnimmt.
Postwendend erhielt ich dann von einem Investors-Daily-Leser eine nette Mail, die mich sehr freut:
Sehr geehrter Herr Firley,
Ich möchte Ihnen zu Ihrem Entschluss gratulieren, heute mit Ihrer Tochter zu feiern. Ihre Tochter wird nie wieder Ihren 2. Geburtstag feiern können, deshalb genießen Sie diese wunderbare Kinderzeit mit Ihr.
Den Aktienkurs werden Sie dagegen noch öfters in solchen Turbulenzen verfolgen können...
Ein treuer Leser
Reinhard H.
Da uns die Börse bislang (heute Nachmittag) den Gefallen tut und sich etwas ausruht bzw. die Rally fortsetzt, möchte ich Ihnen kurz von einem Menschen erzählen, den ich sehr schätze, fast bewundere. Und an diesen Menschen werde ich immer denken, wenn Paula Geburtstag hat.
Es ist die Hebamme, die meine Frau und mich damals bei Paulas Geburt begleitet hat... Na ja, vielmehr habe ich die Hebamme begleitet und bin ihren Anweisungen gefolgt. Ihr Name ist Judith.
Stellen Sie sich jetzt eine etwas ältere Dame mit weißen Häubchen über leicht ergrauten Haaren vor?
Dann stellen Sie sich jetzt genau das Gegenteil vor.
Judith war vor nicht allzu langer Zeit die jüngste ausgebildete Hebamme Deutschlands und ist recht flippig. Ein passenderes Wort fällt mir nicht ein. In Ihrem Job als Hebamme ist sie wohl eine der Besten.
Alleine die Tatsache, dass mit Ihrer Hilfe die Geburt von Paula reibungslos verlief, macht sie für mich schon zu einem besonderen Menschen. Sie müssen wissen, dass meine Frau und ich nicht mehr die Jüngsten sind und somit zur Risikogruppe gehörten. Was Judith zu einem außergewöhnlichen Menschen macht:
Fast das ganze Jahr 2008 war sie unterwegs (hauptsächlich in Kanada), um französisch zu lernen und eine Zusatzausbildung zu absolvieren. Ihr Ziel: Die Arbeit bei einer medizinischen Nothilfe-Organisation.
Natürlich hat sie alle Hürden meisterhaft genommen. Und nach einem kurzen Zwischenstopp ging es dann nach Darfur.
Ich denke, langsam wird Ihnen bewusst, dass es Judith darum geht, in echten Krisengebieten zu helfen. Darfur ist eine sudanesische Krisenregion. Allerdings hat es dort aus sicherheits-politischen Gründen nicht geklappt und Judith musste mit zahlreichen anderen Team-Mitgliedern das Land wieder verlassen.
Als Europäer können Sie sich sicherlich nicht vorstellen, unter welchen Bedingungen hier Hebammen, Ärzte, Krankensschwestern, Arzthelfer arbeiten (ich konnte es auch erst nach Judiths Erzählungen fassen). Da wird aus einem einfachen Arzt ein Spezialist für so ziemlich alles: Kinderarzt, Chirurg, Frauenarzt, Infektologe, Zahnarzt etc.
Wollen Sie wissen, wo sie dann kurz danach gelandet ist? Hier ihre jüngste Mail an ihre Bekannten und Freunde in Deutschland. Mit dieser Mail möchte ich den heutigen Beitrag schließen und hoffe, dass ich recht bald wieder von unserer Hebamme im Krisengebiet höre.
Bis morgen
Ihr Tom Firley
Hier die etwas gekürzte Mail von Ju
Hallo Ihr Lieben,
nach einem kurzen Zwischenstopp in Rwanda bin ich jetzt also im Congo angekommen und morgen geht es auch gleich los ins Project. Wir haben ein Krankenhaus und diverse Gesundheitszentren fern ab jeglicher Zivilisation so ca. auf 2800 m in den Bergen...
DRC ist sehr schoen, sehr gruen / das extreme Gegenteil zu Darfur. Es regnet jeden Tag, kalt isses... aber dafuer gibt es keine Muecken. Ansonsten brauch ich einfach noch eine Weile um mich einzugewoehnen und um mit Franzoesisch klarzukommen. Hatte heute meine Briefings und so wie es aussieht, gibt es eine Menge zu tun.
Bin mal sehr gespannt. Ich freu mich gerade so euch diese Mail hier schreiben zu koennen, denn normalerweise gibt es hier kein Internet...Telefon wird es auch nicht geben ausser ueber Satellit...
Ab dem WE bin ich dann ereichbar - fuer ganz normale emails, aber bitte keine Photos oder Anhaenge mitschicken. In 6 Wochen werde ich fuer 2 Erholungstage ins Hauptbuero zurueckkommen - vermutlich hauptsaechlich um E-mails zu lesen....(-: und um auszuschlafen....wir fangen hier schon immer sehr frueh an...
Ich denk an euch, Viele Gruesse Eure Ju