Meine Konfrontation mit Ben Bernanke (Teil 2)
Dr. Mark Skousen [US-Korrespondent] in Investoren Wissen
vom 4. Februar 2010, 16:00 Uhr
ENL5454
(Fortsetzung des Artikels vom Dienstag)
Seifenblasen, heiße Luft aus der Politik und Nebelkerzen
Nach unserer etwas ungünstigen Konfrontation setzte ich mich hin und hörte Bernankes neuer Rede zu.
Er trat ans Podium, völlig realitätsverweigernd, und wies in seiner Rede, gegen den einfachen und gesunden Menschenverstand, einen Zusammenhang zwischen der Niedrigzinspolitik der FED aus den Jahren 2002-2004 und den Ursachen der Häuserblase bzw. der Finanzkrise zurück. Bernanke gab stattdessen von sich, der Boom im Häuserbereich sei global gewesen und hätte nichts mit der US Geldpolitik zu tun gehabt.
Er übernahm jedoch ein wenig Verantwortung dafür, dass entsprechende Regulierungsstandards im Bankbereich im Zusammenhang mit der Häuserkrise gefehlt hätten. Gemäß Bernanke wären die Bemühungen der FED, den Subprime-Hypothekenmarkt zu regulieren, "zu wenig und zu spät" gewesen.
Nachdem Bernanke seine Rede beendet hatte, nahm er Fragen entgegen. Wahrscheinlich hätte er sich gewünscht, ich hätte meinen Mund gehalten und nicht nochmals gefragt, doch natürlich stellte ich ihm weitere Fragen!
Dr. Mark Skousen: "Herr Bernanke ... in Ihrer Rede sprachen Sie über die Höhe der Zinsen und den Preis des Geldes, aber Sie sagten nichts über die Geldmenge. Würden Sie kurz die Tatsache kommentieren, dass die "adjusted monetary base" (eine Art Girokonto der FED) inzwischen wieder mit einer Rate von 80% wächst? Bedeutet das, dass Sie bald eine erneute Finanzkrise oder eine Kreditklemme befürchten?"
Ben Bernanke: "Nein, der Anstieg in der monetären Basis kommt ausschließlich durch die Käufe von Hypothekenpapieren durch die FED zustande."
Dr. Mark Skousen: "Ich verweise darauf, dass ausländische Zentralbanken wie die Bank of India und die Bank of China inzwischen tonnenweise Gold kaufen. Ist das ein Anzeichen dafür, dass das Ausland das Vertrauen in das auf US-Dollar basierende Weltwirtschaftssystem verliert?"
Ben Bernanke: "Das Weltfinanzsystem ist gesund."
Was mir an Bernankes Antworten wirklich seltsam auffiel, war seine "Was... ich und mir Sorgen machen?"-Einstellung. Er zeigte keinerlei Besorgnis über den stetigen Wertverfall des US-Dollars oder den dramatischen Anstieg des Goldpreises seit Bernanke Vorsitzender der FED wurde.
Ich verließ den Veranstaltungsort mit dem folgenden Fazit: Zählen Sie niemals auf den FED-Chairman oder irgendeinen anderen hohen Regierungsbeamten um zu erfahren, was wirklich los ist, und warten Sie niemals darauf, dass von diesen genannten Personen jemals ein Fehler zugegeben werden wird.
Sicherlich teilen viele Amerikaner diese Ansicht auch...
Gutes Investieren,
Mark Skousen
ähnliche Beiträge:
Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Ellen N (06.02. 2010 00:44 Uhr):
Ich gebe zu, dass Bernankes Antworten nicht befriedigend waren. Aber warum hat Spanien eine Häuserkriese, obwohl die spanischen Banken keine Schrottpapiere (CDO usw.) kaufen durften? Somit geht es diesen Banken relativ gut, aber dennoch ist der spanische Staat hoch verschuldet.
Antworten