Meine erste Einschätzung zur Facebook-Aktie

in Traders Daily zum Thema Aktien
vom


So, nun ist also Facebook an der Börse. Am Freitag war bekanntlich der erste Handelstag - und die Nachfrage war auf jeden Fall vorher gewaltig. Erst zwei Tage vorher konnte Facebook es sich leisten, die Preisspanne zu erhöhen (auf 34 bis 38 Dollar), und auch die Zahl der angebotenen Aktien mal eben um 25% auf 421 Mio. Dollar zu vergrößern.

War alles kein Problem, die Nachfrage war da, zugeteilt wurde zum oberen Ende der Preisspanne, sprich 38 Dollar.

Am ersten Handelstag dann pendelte der Kurs zwischen kurz erreichten 45 Dollar und dem Ausgabepreis 38 Dollar. (Vielleicht wurde da aus "kosmetischen Gründen" von bestimmten Stellen = am Börsengang beteiligten Banken darauf geachtet, dass der Ausgabepreis nicht unterschritten wurde). Am Handelsende stand der Kurs mit 38,23 Dollar nur knapp über dem Ausgabepreis.

Was ist nun von dieser Aktie zu halten?



Zunächst einmal würde ich mir als Käufer etwas vera..... vorkommen. Die Aktien sind hoch bewertet - und gewähren ein Stimmrecht von einer Stimme pro Aktie. Wird "Klasse A" genannt.

Alle Aktionäre sind gleich? Nein. Es gibt Aktionäre, die sind gleicher als die anderen. Diese "B-Aktionäre" bekommen 10 Stimmen je Aktie. So kommt es, dass der Facebook-Gründer mit dem schönen deutschen Namen Mark Zuckerberg immer noch die absolute Kontrolle über das Unternehmen hat. Zum Zeitpunkt des Börsengangs kontrollierten die Alt-Aktionäre satte 96% des Unternehmens.

Dann zur Bewertung der Aktie. Zu den Kennzahlen:

Da mache ich es vereinfacht so, dass ich die aktuellen Zahlen fürs erste Quartal 2012 aufs Jahr hochrechne. Ist dann nur ein Richtwert, aber der reicht meiner Ansicht nach für einen Überblick bzw. Schnelleinschätzung aus.

Konkret: Im ersten Quartal vermeldete Facebook einen Umsatz von gut einer Milliarde Dollar (+45% gegenüber Vorjahreswert), Gewinn von 205 Mio. Dollar (sogar leicht gesunken). Aufs Jahr hochgerechnet sind das gut 4 Mrd. Dollar Umsatz, 820 Mio. Dollar Gewinn.

Dieses kann ich in Relation setzen zur Marktkapitalisierung von 104 Milliarden Dollar. (Die Marktkapitalisierung entspricht der Anzahl der Aktien mal dem Börsenkurs.)

Bedeutet: Ein Kurs-Umsatz-Verhältnis von 26, und ein Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von knapp 127.

Bei beiden Werten gilt: Je niedriger, desto besser. Bei "Value"-Aktien habe ich als Faustregel, dass das Kurs-Umsatz-Verhältnis unter 1,5 liegen sollte (erfreulich sind Werte unter 1), und das KGV bei Werten unter 15.

Bei Wachstumsunternehmen können die Werte drüber liegen. Faustregel da: KGV so hoch wie die jährliche Wachstumsrate.

Wenn ich diesen Wert für Facebook nehmen würde, als Wachstumsrate das jüngst vermeldete Umsatzwachstum von 45% nehme (wobei der Gewinn gar nicht entsprechend gewachsen ist, doch das lasse ich mal wohlwollend beiseite) - dann komme ich bei einem Gewinn von 820 Mio. Dollar auf eine Marktkapitalisierung von 36,9 Mrd. Dollar.

Stattdessen sind es 104 Mrd. Dollar.

"Pi mal Daumen" sehe ich die faire Bewertung der Aktie entsprechend entsprechend eher bei 12,19 Dollar als bei 38,23 Dollar.

Bedeutet als Schlussfolgerung: Keineswegs kaufen!

Was nicht bedeutet, dass der Kurs der Aktie nicht steigen kann. Denn an den Märkten haben wir es - entgegen der herrschenden Meinung - keineswegs mit perfekter Rationalität zu tun. Es gibt irrationale Übertreibungen, davon bin ich überzeugt. Und wenn die Massen kaufen, dann steigt der Kurs eben.

Was ich aber sagen kann: Aus rein fundamentaler Sicht ist der Kurs überteuert. Ich weiß, meine Analyse war wie die bevorzugte Leberwurst, nämlich grob -  doch wenn diese erste Analyse bereits ein so eindeutiges Ergebnis bringt, sollte auch eine präzisere Analyse zu keinem völlig anderen Ergebnis kommen. Das Unternehmen "an sich" ist sicher gut, doch es ist eben eine Frage des Preises. Und der ist mir eindeutig viel zu hoch. (Siehe heutiges Zitat des Tages...)

Mit herzlichem Gruß!

Ihr

Michael Vaupel

Diplom-Volkswirt / M.A.

Chefredakteur Trader´s Daily


von
Michael Vaupel
Michael Vaupel

Michael Vaupel ist einer der führenden Rohstoff- und Derivate-Experten. Bereits während seiner Studienzeit hat er als Finanzjournalist und Analyst gearbeitet.

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Kommentar von reinhold Boehmke

Hallo Herr Vaupel, Ihre Berechnung bestätigt ja die allgemeine Meinung, dass Facebook um ein vielfaches zu teuer an die Börse gekommen ist. und gleichzeitig die Facebook user motzen, weil sie keine Aktienzuteilung erhalten haben. Kann wohl an der Organisation liegen, weltweit von fast 1 Mrd. Nutzern die Aktien nach Voranfrage zuteilen zu können. Was mich mehr fuchst und das wird zu wenig dargestellt, warum eine einzelne Person für sich soviel Kapital haben muss, statt zu teilen. Wo wäre das Problem gewesen sagen wir mal 10 US$ pro Aktie einzusammeln und dafür mehr private Aktionäre zu gewinnen, statt Banken oder hedge Fonds? Diese Art von Gier war doch bereits in der VErgangenheit öfters ein Hinweis, vorsichtiger sein Geld an den Börsen zu investieren. Dazu kommen die Immobilien Probleme jetzt in Spanien und in Deutschland machen die offenen Immobilienfonds Spargelder kaputt, ganz zu schweigen von den Problemen bei den Lebensversicherungsgesellschaften, die wohl ein dreifaches Auszahlungsversprechen für die nächsten 20 Jahre haben, gegenüber dem aktuellen vorhandenen Guthaben und Kapital gezwungener Maßen in deutsche Minizinspapiere anlegen müssen. Wird Facebook für Amerika das, was Deutsche Telekom für Deutschland war oder ist? Ich bin gespannt, wie viel Fondsmanager auf diese Aktie hüpfen und damit wahrscheinlich des Sparers Kapital vernichten. Was Mut machen könnte ist der Aktienverlauf von Apple, wobei im Vergleich dort der 100 fache Umsatz gegenüber Facebook vorhanden ist, aber nur der 10 fache Aktienpreis. Der Gewinn ist wohl 40 mal höher. Falls ich diese Relation richtig wieder gegeben habe, erscheint mir Facebook als ein nachhaltiges Gaunerstück, dass hier in Deutschland vor Jahren, dank Deutsche Bank, auch mit Ricardo.de getrieben wurde. Ich persönlich finde Facebook nicht besonders gelungen und bin nur sporadisch eingelockt.

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