Meine Einschätzung: Neue „Gold-in-Euro“ Optionsscheine
Michael Vaupel in Traders Daily zum Thema Optionen und Optionsscheine
vom 24. Februar 2010, 12:00 Uhr
ENL5462
*** Gestern schrieb ich an dieser Stelle:
„Es gibt eine Neuemission der Deutschen Bank. Gold-Optionsscheine, bei denen es kein Währungsrisiko für Euro-Investoren gibt. Also gehebelt auf Gold setzen, mit Währungssicherung. Ob das was für uns sein könnte - mehr dazu morgen!"
Und „morgen" ist „heute". Hier also meine Bewertung:
Ist keine besonders famose Sache. Und das mit dem „kein Währungsrisiko für Euro-Investoren" war ein Schnellschuss von mir gestern. Inzwischen habe ich mir die Sache genauer angesehen.
*** Hier die Fakten: Die Deutsche Bank hat Optionsscheine (Calls und Puts) auf den Goldpreis in Euro herausgegeben.
Goldpreis in Euro, das bedeutet: Mit diesen Scheinen sind Sie sehr wohl von der Entwicklung des Währungspaares Euro/Dollar abhängig. Denn es wird a) die Entwicklung des Goldpreises und b) die Entwicklung des Euro/Dollar in den Kurs des Basiswertes einfließen.
Konkret für einen Gold-in-Euro-Call bedeutet das: Der profitiert von einem steigenden Goldpreis und von einem fallenden Euro gegenüber dem Dollar. (Denn der Goldpreis notiert in Dollar; wenn der Euro fällt, dann steigt der Goldpreis in Euro.)
Ein „normaler" Gold-Call würde hingegen von einem steigenden Goldpreis und einem steigenden Euro profitieren.
Ein Gold-in-Euro-Put hingegen profitiert von einem fallenden Goldpreis und einem steigenden Euro.
*** Meine Einschätzung: Nun, wenn ich auf Gold setze, setze ich am liebsten direkt auf Gold. Währungsfaktor blende ich aus, wenn das via „Quanto = Währungsabsicherung" geht. Hier wird das übliche Währungsrisiko/Währungschance einfach umgedreht.
Wenn Sie eine klare Meinung sowohl zum Goldpreis als auch zum Währungspaar Euro/Dollar haben, dann können diese Scheine sehr wohl was für Sie sein.
Ansonsten eben nicht.
Übrigens gefallen mir Optionsscheine generell derzeit nicht so gut. Die haben eben einen hohen Zeitwertverlust, anders als die Turbos.
Beispiel einer der neuen „Gold-in-Euro-Calls". Der Schein mit der WKN DB6UST hat einen Basispreis von 900 Euro. Euro, wohlgemerkt, nicht Dollar. Und der Goldpreis in Euro notiert derzeit bei rund 818 Euro. Mit anderen Worten: Wenn der Goldpreis in Euro bei Laufzeitende in rund 10 Monaten bei 900 Euro oder darunter steht, gibt es einen Totalverlust. Bedeutet im Umkehrschluss: Jede Woche, die der Goldpreis nicht steigt, sollte der Schein fallen. Zeitwertverlust eben.
So etwas (Zeitwertverlust) ist etwas, was ich bei den von mir empfohlenen Scheinen nur im Ausnahmefall akzeptiere.
Fazit: Sind die neuen Scheine „ein großer Wurf"?
Hier kann ich nochmals mein Februar-Lieblingswort anbringen: Mitnichten!
In bestimmten Situationen, mit eindeutiger Prognose etc. und in Zeiten niedriger Volatilität (dann ist der Zeitwertverlust tenndenziell geringer) könnten sie was für mich sein, sonst nicht.
Hoffe, Ihnen mit meiner Einschätzung weitergeholfen zu haben!
Mit herzlichem Gruß,
Ihr
Michael Vaupel
ähnliche Beiträge:
- Aktuelle Einschätzung zu Gold
- Gold: Korrekturen sind Kaufchancen
- Arten von Handelsinstrumenten/ Optionsscheine
- S&P 500 - Folgen jetzt neue Jahrestiefs?
- Dax - Falsche Einschätzung
- Die Schlussfolgerungen meiner China-Analyse
- Meine Einschätzung zum US-Dollar...
- Meine Prognose für die Preisentwicklung der Seltenen Erden
- Gibt es noch eine Weihnachtsrally oder nicht?
Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Uli Suesser (24.02. 2010 21:40 Uhr):
Hallo Herr Vaupel, seit Jahren lese ich mit Vergügen Ihren Trader's Daily und möchte Ihnen zunächst einmal an dieser Stelle für diese überaus hilfreichen Beiträge danken. Heute habe ich eine konkrete Frage. In der Finanzwissenschaft scheint die Meinung verzuherrschen, dass technische Aktienanalyse/Charttechnik zu keiner nachhaltigen Performanceverbesserung im Portfolio gegenüber einem Vergleichsmarkt führt (perfekte Märkte, jedem steht quasi alles Wissen zeitgleich zur Verfügung; Kursentwicklung kann man nicht vorhersagen, Treffer sind rein zufälliger Natur etc.). Demgegenüber stehen ja viele Trader die - zumindest angeblich - über viele Jahre den Markt schlagen und eine fantastische Performance erzielen . Sind das Einzelfälle die einfach Glück hatten anstatt angeblichem Können? Bewegen diese Trader sich in kleinen, nichtperfekten Märkten? Oder gibt es eben doch Handelssysteme mit denen sich der Markt über Jahre hinweg schlagen lässt? Ihre Meinung zu diesem Thema würde mich brennend interessieren. Mit freundlichen Grüßen aus dem auftauenden Süden. U. Süßer
Antworten
Artikel weiterempfehlen