Meine Biosprit-Empfehlung: Jatropha
Miriam Kraus in Rohstoff Daily zum Thema Rohstoffe
vom 7. Dezember 2009, 20:00 Uhr
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Als eifriger Daily-Leser erinnern Sie sich bestimmt daran, dass ich bereits vor 2 Jahren einmal von einer bis dahin weitgehend noch sehr unbekannten Pflanze berichtet hatte, welche ich für eine der besten Alternativen auf dem Biosprit-Markt halte.
Heute möchte ich das Thema erneut aufgreifen und zwar aus einem ganz bestimmten Grund: denn morgen möchte ich Ihnen von einer hoch interessanten Chance berichten, nämlich der - in meinen Augen - besten Biosprit-Aktie der Welt. Es handelt sich hierbei um eine der aktuellen Neu-Empfehlungen für die kommende Ausgabe des Tiger&Dragon, an welcher Andreas Lambrou und ich gegenwärtig wieder einmal unter Hochdruck arbeiten.
Doch, vielleicht haben Sie auch noch nie von Jatropha gehört! Deshalb möchte ich Ihnen heute zunächst etwas über diese Pflanze erzählen, damit Sie nachvollziehen können, wie wichtig Jatropha in meinen Augen für die künftige Energieversorgung ist.
Jatropha
Jatropha ist ein Wolfsmilchgewächs, dass früher als Abführmittel genutzt wurde. Bekannt ist das Gewächs auch unter dem Namen Purgiernuss.
Warum erzähle ich Ihnen von dieser Nuss? Nun, diese Pflanze ist inzwischen zum Hoffnungsträger großer Automobil- und Ölkonzerne geworden. Aus Jatropha lassen sich nämlich nicht nur Dieselkraftstoff, sondern auch Seife, Futtermittel und sogar ein Bio-Pestizid gewinnen.
Schön, denken Sie jetzt, aus anderen Ölsaaten kann man ja auch Biokraftstoffe gewinnen.
Stimmt! Im Gegensatz zu Raps oder Palmöl beispielsweise, weist Jatropha aber eine ausgeglichene Klimabilanz auf. Das heißt, die Nuss setzt beim Verbrennen als Biokraftstoff nur genauso viel CO2 frei, wie sie auch zuvor als Pflanze aufgenommen hat. Besonders für Klimawandler interessant.
Ich persönlich finde es wesentlich interessanter, dass die Pflanze ein wahres Wüstengewächs ist. Sie gedeiht noch auf den kärgsten Böden der Welt. Zum Beispiel in Afrika. In Tansania wird sie beispielsweise angebaut. Das Öl wird zum Betrieb von Generatoren genutzt, der Presskuchen als natürlicher Dünger.
Überdies ist die Pflanze nicht essbar, konkurriert also nicht mit den als Lebens- oder Futtermittel genutzten Getreidesorten.
Sie wissen ja, das ich mich noch nie mit dem Gedanken anfreunden konnte Lebensmittel in den Tank zu werfen. Mal abgesehen davon, dass wir im Moment ja schon den Salat haben. Die weltweit seit Jahren sinkenden Gesamtgetreidebestände gehen zwar nicht nur, aber doch auch zu einem Teil auf Kosten der Biokraftstoffindustrie.
Bei Jatropha ist das anders.
Mit Jatropha durch Indien
Das hat inzwischen auch Automobilkonzern Daimler erkannt. Die Stuttgarter betreiben bereits seit 2003 ein Jatropha-Projekt in Indien, in Zusammenarbeit mit der Uni Stuttgart. Im indischen Bundesstaat Gujarat wurde Jatropha auf Versuchsplantagen angebaut, vor Ort raffiniert und schon Anfang 2004 in Testfahrzeugen eingesetzt. Im April des gleichen Jahres, brauste bereits ein Mercedes, betrieben mit Jatropha-Öl, über 5.900 km durch Indien. Mittlerweile ist das Projekt ein Gemeinschaftsprojekt von Archer Daniels Midland, Bayer CropScience und Daimler geworden.
Die indische Regierung hat mittlerweile ganz klar die Vorteile der Biosprit-Nuss erkannt, den bislang muss das Land rund 70% seines Erdölbedarfs aus Importen decken. Bis 2011 will die indische Regierung deshalb 20% ihres Dieselverbrauchs durch alternative Quellen ersetzen - stärkster Favorit ist die Jatropha.
Aber nicht nur Indien ist von dem genügsamen Gewächs angetan, auch in China werden mittlerweile große Flächen mit Jatropha angebaut (mehr zu Asien und der einzigen echten Jatropha-Aktie der Welt gibt's morgen) - und endlich sind nun auch in Afrika große Farmen geplant.
Wenn diese Entwicklung weiter so voranschreitet, dann hoffe ich, dass wir auch in ein paar Jahren die Entstehung eines Jatropha-Ölmarkts erleben werden.