Meine Bewertung der neuen Finanztransaktionssteuer

in Traders Daily
vom


 

*** Meine Einschätzung:

Ich begrüße Punkt 2 SEHR. Eine Steuer von 0,01% auf den Handel mit Kreditausfallversicherungen (CDS) und für den Hochfrequenzhandel = high frequency trading = HFT.

Auf HFT habe ich einen regelrechten Hals. Denn: Beim HFT kommt es verstärkt zu sogenannten „Flash Orders". Und das hat nichts mehr mit positiven Dingen wie „Spenden von Liquidität", „Arbitragegeschäften" etc. zu tun.

Bei den Flash Orders geht es darum: Via HFT werden Hunderttausende Kauf- oder Verkaufsorders platziert. Aber nur für den Bruchteil einer Sekunde! So kurz, dass sie gar nicht ausgeführt werden (das sollen sie nämlich auch gar nicht). Aber das reicht, um den Markt zu beeinflussen.

Nach dem Motto: Wir rufen jetzt alle bei einem Versandhändler an, bestellen was - legen aber alle kurz vor Abschluss der Bestellung wieder auf. Dann sind alle Leitungen des Versandhändlers belegt. So wird er beeinflusst.

Und so werden Aktien- und Futureskurse beeinflusst. Durch diese „Flash Orders" via HFT.

Da es da gar nicht um die tatsächliche Ausführung geht, würde eine geringe Gebühr pro Transaktion dem Spuk weitgehend ein Ende bereiten. Insofern wäre eine Gebühr von einigen Cent pro eingestellter Order sinnvoll.

Die Finanztransaktionssteuer von 0,01% fällt nur an, wenn der Umsatz tatsächlich stattfindet, ist deshalb nicht optimal. Aber auf jeden Fall eine große Verbesserung! Denn wenn beim HFT das "Risiko" besteht, dass einige der Hunderttausend Flash Orders pro Sekunde ausgeführt werden und entsprechend besteuert werden, steigt das Risiko. Und damit sollte die Zahl der Transaktionen via Flash Orders generell zurückgehen.

Auch für den Handel mit den CDS gefällt mir die Finanztransaktionssteuer sehr gut. Das war ja auch ein Mit-Auslöser für die Finanzkrise. Ist irgendwie auch pervers, dass eine Kreditausfallversicherung völlig losgelöst vom Kreditgeber gehandelt werden kann. Das soll ruhig mal ein bisschen besteuert werden, um es zu erschweren, und so Geld in die Staatskasse spülen.

Anders meine Bewertung der Finanztransaktionssteuer auf Aktien. Da gefiel mir erst einmal nicht, dass die konkrete Höhe (0,2%) dem Parlament erst wenige Stunden vor der Abstimmung mitgeteilt worden war. Kein guter Stil, denn wie soll man sich da sachlich in die Materie einarbeiten, wenn die konkreten Zahlen erst kurz vor der Abstimmung genannt werden?



Handwerklich gut (aus Sicht des französischen Staates) die festgeschriebene Irrelevanz des Handelsplatzes. Also auch in Frankfurt oder London müssen beim Handel mit den beschriebenen Aktien die 0,2% bezahlt werden. Ansonsten hätte es zu deutlichen Umsatzeinbußen an den französischen Börsen kommen müssen.

Diese neue Steuer auch auf Aktien fördert nicht gerade die Aktienkultur bei Kleinanlegern. Andererseits wird sich wohl auch kaum jemand aus dem Aktiengeschäft zurückziehen, nur weil jetzt eben 0,2% Transaktionssteuer bezahlt werden müssen. "Klein Vieh macht auch Mist", gilt wohl in Bezug auf den Fiskus. Und warum auch nicht? Wir können nicht über die schlechte Lage der staatlichen Finanzen in der EU lamentieren, und dann Maßnahmen zur Einnahmenverbesserung wie diese verdammen.

Mein Fazit: Die 0,01% für Handel mit CDS und HFT begrüße ich uneingeschränkt. Feine Sache! Die 0,2% für den Handel mit französischen Aktien kann ich verstehen, muss es aber nicht klasse finden. Da hätte ich einen Satz von 0,1% sinnvoller gehalten. Nach dem Motto: Bringt immerhin einige Einnahmen, aber stört auch niemanden wirklich. Und genauso würde ich es handhaben, wenn ich deutscher Finanzminister wäre und - wie für Trader´s Daily-Leser üblich - das Gemeinwohl im Sinn hätte.

Mit herzlichem Gruß!

Ihr

Michael Vaupel

Diplom-Volkswirt / M.A.
Chefredakteur Trader´s Daily


von
Michael Vaupel
Michael Vaupel

Michael Vaupel ist einer der führenden Rohstoff- und Derivate-Experten. Bereits während seiner Studienzeit hat er als Finanzjournalist und Analyst gearbeitet.

Information zu alt? Chance verpasst? Geld verschenkt?
Der Börsenbrief von Michael Vaupel: "Der Rohstoff Performer"


Artikel bewerten
Durschnittliche Wertung:
0 Sterne
Wertungen:
0 insgesamt
Artikel weiterempfehlen
Kommentar abgeben

* = Pflichtfeld, bitte unbedingt ausfüllen

Kommentare Kommentar abgeben

Kommentar von Nelson A Mahat

Wer nur 10 mal pro Tag bei einer der 109 größten französischen Aktien ein- und aussteigt = 20 Transaktionen täglich, muss bei einem Handelsvolumen von 100.000 € mit dieser Aktie an jedem Börsentag 20 x 0,2 % = 4 % = 4.000 € an die französische Obrigkeit abliefern. Bei 250 Börsentagen pro Jahr wären das 250 x 4.000 € = 1.000.000 €, wenn es dem Trader gelänge, pro Tag soviel Gewinn zu machen, dass er die Tagessteuer von 4.000 € bezahlen kann und sein Aktienkapital trotz fleißigen Handels nach Steuer immer auf 100.000 € halten kann. Finanzielle Analphabeten jubeln darüber. Aber warum jubelt auch Herr Diplom-Volkswirt Vaupel, seines Zeichens Autor des Trader's Daily-Börsenbriefes (allerdings i. d. R. nicht mit Aktien, sondern Rohstoffen, die von der Jubelsteuer nicht betroffen sind)? Da lässt es sich leicht jubeln. Nicht nur die Masse der Deutschen sind finanzielle Analphabeten, sondern auch der Franzosen, die ja die Herren Sarkozy und Hollande mit überwältigender Mehrheit wählten. Selbst wer nur 25 Transaktionen pro Jahr durchführt (also nur etwa einmal pro Momat einsteigt und aussteigt), um im ewigen Auf und Ab an der Börse nicht immer wieder Verlustphasen aussitzen zu müssen, müsste von seinem Kapital 25 x 0,2 % = 5 % p. a. abgeben. Nach 20 Jahren ist dann das ganze Anfangskapital von 100.000 € in o. g. Beispiel der Obrigkeit überlassen worden. Laut Herrn Vaupel soll das dem "Gemeinwohl" dienen. Gemeiner kann man sich den Aufbau von Wohlstand kaum vorstellen. Aber wer so dumm ist, als Franzose jetzt noch französische Aktien von Unternehmen mit mehr als 1 Mrd. € Marktwert zu traden, hat wohl kein besseres Schicksal verdient. Herrn Vaupel und seinen Lesern sei die Lektüre von library.fes.de/pdf-files/managerkreis/08246.pdf (einer Ausarbeitung der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung) auf Seite 22 unten (letzte beide Absätze) und insbesondere Seite 23 Abs. 1 empfohlen. Da wird das Desaster der einst von den Schweden real geprobten Finanztransaktionsteuer unter dem ehrlichen Namen Börsenumsatzsteuer" dargestellt. Die Schweden hatten nämlich genau das gemacht, was die Franzosen mehrheitlich machen werden. Sie kehrten ihrer Heimatbörse so massiv den Rücken, dass die schwedische Aktienbörse austrocknete und die Kosten der Steuererhebung höher waren als die Steuereinnahmen. Sind das nicht tolle Aussichten für eine neue Aktienkultur, wie sie Herr Vaupel beklatscht? PS: Ich lese seit langer Zeit täglich Trader's Daily, der an mich weitergeleitet wird.

Antworten
Kommentar von Realo

Wo werden die cds in Europa gehandelt? Wie will man die cds in den USA oder GB in den Griff bekommen? Vielen Dank für die Antwort!

Antworten
Kommentar von SB

nun, viel wird's wohl nicht bringen, im Gegenteil, Hollande unterstützt damit wohl nur den Derivatehandel online.wsj.com/article/SB10000872396390443477104577550620524763942.html?mod=googlenews_wsj Mein Broker behauptet zudem die Steuer auf Aktien würde nur auf den täglichen Nettokaufbetrag erhoben... das wäre dann die Daytrader-Exemption!

Antworten
Kommentar von Caflisch Martin

Hier noch ein link zum Thema HFT der Fitma Knights Capital,vor allem die Zeile: In the case of EXC, that means losing about 15 cents on every pair of trades. Do that 40 times a second, 2400 times a minute, and you now have a system that's very efficient at burning money Angeblicher "Programmierfehler" beeinflusste den Kurs 30%,allerdings zu Lasten nicht zu Gunsten der HFT Maschine. www.zerohedge.com/news/what-happens-when-hft-algo-goes-totally-berserk-and-serves-knight-capital-bill

Antworten
Kommentar von HFT Trade

Sie scheinen sich beim HFT nicht besonders gut auszukennen. Vielmehr geben Sie hier eine zwar sehr verbreitete aber auch falsche Ansicht wieder. HFT bedient sich in der Regel nicht solcher "Flash Orders" um die Kurse zu beeinflussen. Falls doch wäre dies illegale Kursmanipulation nach §20 WPHG und würde mit bis zu 5 Jahren Freiheitsstrafe geahndet. Um solchen Fällen nachzugehen braucht man keine Steuer sondern eine funktionierende Handelsüberwachung. Ein hohes Verhältnis zwischen eingestellten und wieder gelöschten Orders ist nur der Tatsache geschuldet, dass die HFT Firmen sehr enge Margen haben und die Märkte sich aufgrund der volatilen politischen und wirtschatflichen Lage in starker Bewegung befinden. Ich sehe dies aber nicht als Problem an. Heutige Computer können eine Last ohne Probleme zeitnah verarbeiten. HFT ist einfach die Evolution der Märkte. Bei der Einführung der Eisenbahn gab es auch Menschen die behauptet haben eine Geschwindigkeit von mehr als 20 Km/h wäre schädlich für den Körper. Vergleichen Sie doch bitte auch mal die Spanne zwischen Kauf und Verkauf heutzutage mit der Spanne vor 10 Jahren. Hier hat sich einiges getan was im Endeffekt jedem Privatanleger zugute kommt. Weiterhin sind die expliziten Handelskosten durch die höheren Volumina stark gesunken. Natürlich birgt HFT durch seine Geschwindigkeit auch Risiken. Dies könnte aber problemlos durch Risiko Systeme bei den einzelnen Börsen abgefangen werden. Viele europäische Börsen und MTFs haben dies bereits im Einsatz. Ein Vorfall wie bei Knight in den USA ist hiermit ganz einfach zu verhindern. Mein Fazit: HFT ist gut für den Markt aber es müssen Sicherheitsnetze gespannt werden um die Risiken zu minimieren. Nebenbei zahlen HFT Firmen ebenso Steuern auf ihre Gewinne wie alle anderen Unternehmen auch. Warum soll man dies noch verschärfen?

Antworten

Gratis Börsenkommentar

Was macht der Rohstoffmarkt? Wo zeigen sich Chancen an den internationalen Märkten? Trading-Experte Michael Vaupel hält Sie per E-Mail auf dem Laufenden.