Meine aktuelle Einschätzung zu Palladium und Platin
Michael Vaupel in Traders Daily zum Thema Rohstoffe
vom 22. Oktober 2008, 12:00 Uhr
ENL5462
Trader´s Daily-Leser Hartmut R. schreibt mir:
Im „Traders Daily schreiben Sie, dass Sie positiv für Gold, Silber, Platin sind. Was halten Sie von Palladium? Mir ist bekannt, dass Palladium ein `Abfallprodukt´ beim Mining ist und seit geraumer Zeit als Substitut für Platin bei der Kat-Herstellung verwendet wird. (...) Palladium ist derart tief gefallen, dass ich es als `Schnäppchen´ empfinde. Oder wird zu viel produziert? Warum soll Platin gegenüber Palladium bevorzugt werden?"
Meine Antwort:
Also, Platin. Dazu ein paar Fakten:
Palladium ist Platin sehr ähnlich. Wenn ich ein Chemiker wäre (was ich nicht bin), hätte ich vielleicht auch ohne Nachschlagen gewusst, dass beide zur selben Metallgruppe gehören.
Palladium ist in der Tat ein „Nebenprodukt" bei der Gewinnung von Platin, da sie zusammen vorkommen. Palladium kommt aber dennoch häufiger als Platin vor: Denn es ist zusätzlich Nebenprodukt bei der Gewinnung von Nickel.
Und jetzt der entscheidende Punkt bei der Nachfrage: Im letzten Jahr gingen fast zwei Drittel (genau gesagt 63%) der gesamten Palladium-Förderung in die Herstellung von Katalysatoren für Autos.
Und die Automobilindustrie ist nicht gerade ein Sektor, der derzeit boomt. Hier haben wir es also mit einer bestenfalls stagnierenden Nachfrage zu tun. Da gibt es Besseres im Rohstoff-Universum!
Warum mir Platin besser gefällt:
1.) Es ist seltener als Palladium. Wie gesagt: Palladium kommt bei Platin- UND bei Nickel-Vorkommen vor. (Platin kommt nur bei Platin-Vorkommen vor, hätte ich jetzt fast geschrieben.)
2.) Platin ist nicht so stark von der Automobil-Industrie abhängig: Im letzten Jahr wurde nur ca. ein Fünftel (genau gesagt 21%) der gesamten Platin-Förderung in die Herstellung von Katalysatoren für Autos gesteckt.
3.) Platin gilt als „sicherer Hafen", und seit letztem Jahr (oder war es schon vorletztes?) gibt es nun auch Platin ETFs. Das sind eine Art Platin-Fonds, welche mit physischem Platin abgesichert sind. Es besteht hier also eine starke und steigende Nachfrage von Seiten von Investoren. Und diese Nachfrage dürfte gerade in Krisenzeiten („sicherer Hafen") eher zu- als abnehmen.
Mein Fazit: Platin statt Palladium!
Metallische Grüße,
Ihr
Michael Vaupel
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